AnbaugeräteTraktoren„Der erste Schnitt ist die stres­sigste Zeit des Jahres.“

Land­wirt, Lohn­un­ter­nehmer und YouTuber Chris­toph Kollmer spricht im Inter­view über seinen Betrieb und seine Erfah­rungen mit John Deere.

Chris­toph Kollmer lebt und arbeitet im Zellertal, im Baye­ri­schen Wald. Er hat einen Mutter­kuh­be­trieb mit aktuell rund 40 Tieren (Fleck­vieh mit Limousin) und bewirt­schaftet gemeinsam mit seinem Vater 80 ha Grün­land, 15 ha Acker­fläche und knapp 100 ha Wald. Außerdem ist er begeis­terter Häcks­ler­fahrer und arbeitet bei dem Lohn­un­ter­nehmen Augustin in Arnbruck. Neben den Stunden auf dem Feld­häcksler bei der Ernte erle­digt er auch alle anderen Arbeiten, die anfallen, wie Gülle ausbringen, mähen, Trans­porte oder Silo verdichten. Und dann findet er auch noch Zeit, auf seinem YouTube-Kanal eine große Commu­nity für die Land­wirt­schaft zu begeis­tern. Für uns vom JD Blog Grund genug, Chris­toph einmal zu inter­viewen und ihn und seine Arbeit hier vorzu­stellen.

Mit dem ersten Schnitt seid ihr durch, wie ist es denn dieses Jahr gelaufen?

Heuer gab es bei der ersten Gras­ernte eigent­lich keine Probleme. Die Maschinen wurden vor dem Einwin­tern und vor der Ernte nochmal durch­ge­checkt, alle Schmier­stellen mit Fett versorgt und alle Messer sorg­fältig geschliffen. So konnten wir direkt loslegen und bei unseren Kunden eine sehr gute Futter­qua­lität ernten – ohne Stand­zeiten!

Wann ging es denn los dieses Jahr?

Wir waren am 30. April das erste Mal mit dem Häcksler unter­wegs, um haupt­säch­lich Gras, teil­weise auch Grün­roggen und Luzerne zu ernten.

Wie ist denn das Zeit­fenster für den ersten Schnitt norma­ler­weise bei euch in der Region?

Der Schnitt­zeit­punkt liegt hier im Baye­ri­schen Wald eigent­lich immer um den 1.Mai, plus-minus 10 Tage, je nach Wetter­lage.

Der neue 6250R-Schlepper von John Deere beim ersten Schnitt im Grün­roggen.

Gab es dieses Jahr irgend­welche Beson­der­heiten?

Durch die lange Wärme­pe­riode in diesem Früh­jahr war es einfa­cher als sonst, die Kunden einzu­teilen und die Flächen abzu­ar­beiten. Da mussten wir dann auch nicht so viele Über­stunden machen. Dank des trockenen Wetters haben wir das Futter meist ohne Flur­schaden nach Hause gebracht, aller­dings konnte man das auch häufiger am nied­ri­geren Ertrag sehen. Außerdem haben wir heuer ein neues Mähwerk von Krone mit Aufbe­reiter und Schwad­zu­sam­men­füh­rung bekommen. Dieses machte am John Deere 6175R eine gute Figur. Zusammen mit Auto­Trac macht das Arbeiten mit der Kombi­na­tion sehr viel Spaß.

Welche Betriebs­arten und -größen gibt es bei euch in der Region?

Wegen der einge­schränkten Flächen­größen gibt es nur wenige Groß­be­triebe, mehr mitt­lere und kleine Betriebe, mit etwa 20-80 Stück Milch­kühen. Aufgrund der aktu­ellen Lage sieht man aber ein großes Hofsterben, große Betriebe wachsen und die kleinen müssen weichen, da sie nicht mehr wett­be­werbs­fähig sind. Auch sind in der Region bereits viele auf Bio oder von Milch­kühen auf Mutterkuh bzw. Bullen­mast umge­stiegen. Schwer­punkt liegt bei uns gene­rell im Grün­land, dazu Ackerbau mit Mais als Löwen­an­teil, teil­weise Getreide. Erst in den Nach­bar­re­gionen der Ober­pfalz oder im Gäuboden gibt es mehr Feld­früchte wie Weizen, Gerste, Raps, Kartof­feln und Zucker­rüben.

In der Region sind viele auf Bio oder von Milch­kühen auf Mutterkuh bzw. Bullen­mast umge­stiegen.

Welche Maschinen benutzt du auf deinem eigenen Betrieb bzw. im Lohn­un­ter­nehmen?

Zuhause haben wir eher klei­nere Maschinen, da wir selbst nicht so viel Fläche besitzen. Wir haben nur Anbau­ge­räte für die Silage, den Rest mieten oder leihen wir uns, da wir nur wenig Ackerbau haben. Unser größter Schlepper ist ein MBtrac 1100 mit etwa 170 PS. Im Lohn­un­ter­nehmen fahren wir ausschließ­lich John Deere Schlepper. Ein neuer 6155R hat unseren alten 6145R abge­löst, der neue 6175R ist für den alten 6155R gekommen. Der 6195R wird wohl nächstes Jahr verhan­delt. Unser Feld­häcksler ist ein 8500i, ausge­stattet mit 3 m PickUp und einem 10-Reihen Mais­ge­biss von Kemper. Die Anbau­ge­räte sowie Häcksel- und Lade­wagen haben wir von Krone.

John Deere Trak­toren und der Feld­häcksler 8500i im Einsatz bei der Gras­ernte im Baye­ri­schen Wald.

Wie viel Hektar hast du denn dieses Jahr geerntet?

Etwa 350 ha Gras und dazu 90 ha Grün­roggen.

Ist das über die letzten Jahre mehr oder weniger geworden?

Es ist in den letzten Jahren deut­lich gestiegen, die Tendenz zum Gras­häck­seln steigt jähr­lich.

Wie ist das Verhältnis häck­seln zu Heu bei euch?

In meiner Region haben wir ja eine große Spann­breite bei der Betriebs­größe, daher gibt es bei der Ernte sehr große Unter­schiede. Große Betriebe oder Biohöfe, unge­fähr 25 %, setzen auf Gras­häck­seln, mitt­lere Betriebe dabei auf Lade­wa­gen­si­lage, ich würde sagen, das sind rund 40%. Die rest­li­chen, klei­neren Betriebe machen Sila­ge­ballen. Heuballen machen die meisten Betriebe auf Neben­flä­chen, die dann nur zwei Mal im Jahr gemäht werden.

Was gefällt dir denn am besten an der Gras-Ernte?

Bei unserer bergigen Land­schaft ist keine Fläche wie die andere, da wird es auf der Maschine nie lang­weilig. Außerdem sind wir im Lohn­un­ter­nehmen ein einge­spieltes Team, wo wir viel Blöd­sinn machen, lachen und zusam­men­halten. Auch privat sind wir gute Freunde, die oftmals was zusammen unter­nehmen oder abends mal was trinken gehen.

Der MBtrac 1100 mit etwa 170 PS ist der größte Schlepper auf dem Hof von Chris­toph Kollmer.

Wie viele Stunden bist du im Durch­schnitt auf der Maschine?

Zu den Stoß­zeiten sind es durch­schnitt­lich schon 14 Stunden am Tag.

Habt ihr noch andere Arbeiten durch­ge­führt, neben der Gras­ernte?

Im Lohn­un­ter­nehmen haben wir auch Erdmulden, die zu dem Zeit­punkt im Einsatz waren. Außerdem über­schneidet sich die Ernte jedes Jahr mit der Mais­saat und der Gülle­aus­brin­gung, da muss dann einiges dispo­niert werden. Bei uns kommt es häufiger vor, dass Fahrer mit ihren eigenen Trak­toren und Maschinen von Zuhause aus mithelfen müssen. Deswegen ist der erste Schnitt eigent­lich immer die stres­sigste Zeit im Jahr.

Wie orga­ni­sierst du das mit deinen Aufgaben auf deinem eigenen Betrieb?

Die Kühe sind bereits auf der etwa 11 ha großen Weide, der Stall ist also fast leer. Um das Vieh kümmert sich mein Vater, um den Rest wie zum Beispiel Silage, Gülle­aus­brin­gung und Mais­saat kümmere ich mich nebenbei. Norma­ler­weise findet sich immer mal wieder ein freier Nach­mittag, wo ich das gut unter­bringen kann.

Du hattest diesmal auch einen 6250R mit dem neuen Comman­dPRO zum testen. Wie hast du ihn einge­setzt und wie waren deine Erfah­rungen?

Richtig, unser Händler, die Firma Thurn­bauer hat mir heuer beim Mähen die Maschine einige Tage zum Testen über­lassen. Für mich eine Premiere! Ich habe lange auf eine Lösung gewartet, wo man die Bedie­nung des Getriebes zusammen mit anderen Schlep­per­funk­tionen auf einem Joystick kombi­nieren kann. Am Schmet­ter­ling konnte ich bereits erste posi­tive Erfah­rungen mit dem Fahr­hebel sammeln. Was ich aller­dings in naher Zukunft noch testen will, ist die Zusam­men­ar­beit Schlepper – Anbau­gerät über Isobus. Deshalb möchte ich am zweiten Schnitt mal unseren Lade­wagen am 6250R fahren.

Danke für das Inter­view, Chris­toph, und weiter alles Gute für dich.