Der 28-jährige Marcos Esteve bewirtschaftet einen 220 ha großen Familienbetrieb in Navarra (Nordspanien). Hauptsächlich baut er Getreide wie Weizen, Gerste und Hafer an, integriert in seine Fruchtfolge aber auch Erbsen, Wicken und Ölraps. 2012 zog er mit seinen Eltern von Barcelona nach Navarra, um in einem kleinen Dorf mit 7 Einwohnern zu leben. Dort versuchten sie es zunächst mit ökologischer Landwirtschaft. Da sich diese Bewirtschaftungsform aber nicht lohnte, stiegen sie 2016 auf konventionellen Anbau um. „Sie wollten rentabel wirtschaften, ohne auf die positiven Effekte der ökologischen Landwirtschaft auf die Bodengesundheit zu verzichten“, erklärt Marcos.
Die richtigen Maschinen
„Zum Zeitpunkt der Umstellung hatte unser Traktor keine automatische Lenkung, keinen Bildschirm und kein ISOBUS-System. Unsere Feldarbeit hing im Wesentlichen davon ab, ob es geregnet hatte oder nicht, und beim Betriebsmitteleinsatz arbeiten wir Pi mal Daumen. Bereits nach der Saison Jahr 2017 war mir klar, dass wir erhebliches Verbesserungspotential hatten. Beispielsweise fiel mir auf, dass ich teilweise mehr Düngemittel ausbrachte als nötig war und gleichzeitig an anderen Stellen die angestrebte Aufwandmenge nicht erreichte. Außerdem kam es wegen der konstanten Arbeitsbreite des Düngerstreuers zu teilweise unnötigen Überlappungen. Also fingen wir im folgenden Jahr an, kontinuierlich zu wiegen. Außerdem begann ich mit der Teilbreitenschaltung zu arbeiteten – die Einsparungen waren enorm. Im Jahr darauf kauften wir einem John Deere Traktor mit GPS, integriertem Bildschirm, ISOBUS, und rüsteten auch den Düngerstreuer mit ISOBUS aus.“


Der nächste Schritt bestand im Kauf einer Feldspritze und der Anschaffung eines anderen John Deere Traktors, eines 6R 155, der mit Telemetrie, erweiterte Konnektivität und Wendeautomatik ausgerüstet war. So konnte die Feldarbeit schneller und effizienter erledigt werden. Inzwischen zieht es Marcos vor, die Traktoren zu mieten. „Es ist viel bequemer, eine monatliche Rate zu zahlen und nach fünf Jahren den Traktor zu wechseln. Auf diese Weise sind wir immer auf dem neuesten technischen Stand, und die Raten decken alles ab, was wir brauchen. Wir haben Planungssicherheit und brauchen uns keine Sorgen über Wartungskosten, einschließlich des Reifenwechsels, oder die Instandsetzung zu machen.“ Derzeit fährt er einen John Deere 6R 185, der erst ein paar Monate alt ist.
Umstellung der Bewirtschaftungsweise
Früher wurde der Boden mit Grubber und Egge bearbeitet. Vor 4 Jahren erfolgte dann die Umstellung auf Direktaussaat auf sämtlichen Flächen des Betriebes. Das Stroh wir gehäckselt, und Marcos achtet auf eine gute Bodenbedeckung durch Pflanzen. Durch diese Umstellung erzielt der Betreib sehr gute Ergebnisse. Nach Marcos‘ Berechnungen spart er allein durch den Verzicht auf die Bodenbearbeitung 300-400 Arbeitsstunden pro Jahr. Ein weiteres Ziel ist ein lebendiger Boden, der Nährstoffe freisetzt und Feuchtigkeit speichert. „Der Boden muss gepflegt werden“, sagt Marcos. Indem er das gehäckselte Stroh auf den Flächen belässt, gewinnt er jährlich zwischen 1,2 und 1,5 t zusätzliches organisches Material pro ha. „Hülsenfrüchte werden von uns hauptsächlich zur Bodenpflege angebaut, aber natürlich ernten wir sie auch. Sie liefern 20-30 kg Stickstoff pro ha, den wir im folgenden Jahr an Dünger einsparen.“

Präzisionslandwirtschaft ist keine Entwicklung in der Zukunft, sondern es gibt sie bereits seit Jahren.
Marcos Esteve
Nach der Ernte sät Marcos eine deckende Zwischenfrucht aus, die den Boden schützt, den Gehalt an organischem Material erhöht und die Feuchtigkeitsspeicherung fördert. Insbesondere in Dürrezeiten merkt er, dass sein Boden mehr Feuchtigkeit halten kann. Die Wasserknappheit betrifft ihn weniger als andere Betriebe, und durch die Bodenbedeckung sichert er seine Erträge ab. Allerdings bietet die Direktaussaat nicht nur Vorteile, sondern weist auch gewisse Nachteile auf, wie das Auftreten von Schädlingen, die es vorher nicht gab. Beispielsweise fühlen sich Schnecken durch die erhöhte Feuchtigkeit angezogen.
Planung mit Daten
Marcos hat Maschinenbau studiert, aber seine Leidenschaft gilt der Landtechnik. Er stellt klar: „Präzisionslandwirtschaft ist keine Entwicklung in der Zukunft, sondern es gibt sie bereits seit Jahren.“ Bei der Planung geht er folgendermaßen: „Hauptsächlich stütze ich mich auf Ertragskarten, insbesondere auf die Angaben zur Erntemenge und dem Feuchtigkeitsgehalt des Ernteguts. Mit dem Traktor kann ich alle Arbeiten aufzeichnen, die ich ausführe. Zu den Daten gehören die Überfahrten auf jedem Schlag und die wichtigsten Kennzahlen wie Kraftstoffverbrauch, Drehzahl, Motorlast und -temperatur sowie der Schlupf der Räder. Außerdem nutze ich eine selbst entwickelte App, die Daten aus unterschiedlichen Quellen verarbeiten kann, um die Erstellung von Applikationskarten zu automatisieren. So steigere ich die Rentabilität und optimiere die Ressourcennutzung.“
All diese Daten werden in das John Deere Operations Center übertragen. Wenn er auf dem Feld unterwegs ist, kann Marcos über sein Smartphone jederzeit auf die Daten zugreifen. Nachdem er am Ende eines Arbeitstages nach Hause zurückgekehrt ist, ruft er das Operations Center erneut mit seinem Computer auf. Dann plant er, wie, wann und wo er die nächsten Arbeiten erledigt. Seine Entscheidungen hält er in den Applikationskarten fest, die er an seinen Traktor sendet. Auf Grundlage dieser Karten kann die Arbeit dann am nächsten Tag fortgeführt werden. Der Maschinenpark ist perfekt auf seine Bedürfnisse abgestimmt. Er hat einen Traktor, eine Sämaschine, einen Düngerstreuer, eine Spritze und zwei Anhänger. Der Traktor kann fast autonom arbeiten. Er folgt den vorgegebenen Spuren auf dem Feld, erledigt das Wendmanöver am Vorgewende quasi alleine, und die Applikationskarten und ISOBUS-Geräte sorgen für die variable Dosierung und Ausbringung von Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutzmitteln. Das Lenkrad dient eigentlich nur noch dazu, den Traktor von der Halle zu den Feldern und von den Felden zur Halle zu fahren.
Fahrspuren für den Traktor
Marcos hat viele Stunden damit verbracht, die Fahrspuren für die Feldarbeiten des Traktors zu verbessern. „Ich optimiere die Spuren basierend auf den Ertragskarten und den Fahrwegen der vorherigen Arbeiten. Ich erkenne Spuren, bei denen die Arbeitsbreite deutlich geringer ist als das verwendete Anbaugerät, und verbessere sie für die nächsten Arbeiten.“ Damit hat er die Zeit pro Feld, den Dieselverbrauch und den Verschleiß des Traktors erheblich reduziert.
Zahlt es sich aus?
Marcos verwendet keine Bewässerungsanlagen, d.h. alle seine Feldfrüchte sind auf Regenfälle angewiesen. Die durchschnittlichen Erträgen liegen bei 5,6 t/ha bei Weizen, 5,1 t/ha bei Gerste und 4,6 t/ha bei Hafer. 2025 waren die Niederschlagsmengen hoch, aber der Trend der letzten Jahre zeigt, dass die Regenmenge abnimmt. Dank all der Verbesserungen, die Marcos umgesetzt hat, konnte die Produktion seit 2015 gesteigert werden, zum Beispiel bei Weizen um 22 %. „Bei den Betriebsmitteln haben wir den Düngemittelleinsatz um 22 %, die Pflanzenschutzmittel um 40 % und den Saatguteinsatz um 12 % reduziert. Gleichzeitig haben wir die Rentabilität unseres Betriebs um 30 % gesteigert und die für jede Aufgabe benötigte Zeit verkürzt.“
Der Boden muss gepflegt werden.
Marcos Esteve
Der Dieselverbrauch ist von 10.000 l pro Jahr auf nur 3.600 l gesunken. „Jetzt verbrauchen wir mit dem Traktor 8,4 l Diesel pro Hektar für den Getreideanbau.“ Zwar sind Sämaschinen für die Direktaussaat teurer als konventionelle Maschinen, doch Marcos‘ Berechnungen zufolge hat sich die gekaufte Maschine bereits in 5 oder 6 Jahren amortisiert. Seine Interessen gehen noch weiter. Derzeit entwickelt Marcos eine Softwareplattform auf Basis künstlicher Intelligenz, mit der er seine Arbeit auf dem Feld und damit die Rentabilität des Betriebs weiter optimieren möchte.




