Precision Farming25 Jahre Precision Ag: Wie gerade Spuren einen Betrieb verän­dern 

Aus einer geraden Spur wurde ein digi­tales Gesamt­system. Seit John Deere vor 25 Jahren die ersten Lösungen für auto­ma­ti­siertes Lenken auf den Markt brachte, hat sich die Präzi­si­ons­land­wirt­schaft rasant weiter­ent­wi­ckelt. Der schot­ti­sche Land­wirt Haig Hamilton zeigt, wie aus einer einzelnen Inves­ti­tion ein vernetzter Betriebs­helfer wurde, und warum sich Präzi­sion für ihn jeden Tag auszahlt.

Haig Hamilton aus East Lothian gehört zu den Land­wirten, die sich früh mit Präzi­si­ons­land­wirt­schaft ausein­an­der­ge­setzt und konse­quent weiter­ge­dacht haben. Gemeinsam mit seinen Eltern bewirt­schaftet er einen Fami­li­en­be­trieb mit 364 ha Getreide. Zusätz­lich führt er noch einen eigenen Betrieb, Hamilton of West Fortune mit acht Mitar­bei­tern und 255 ha Kartof­feln. Bei so viel Fläche kommt es auf jeden Arbeits­schritt an. Gute Maschinen sind wichtig, doch wich­tiger ist für Hamilton, dass sie zuver­lässig zusam­men­ar­beiten. 

Den ersten Aha-Moment erlebte der Land­wirt 2003 in Austra­lien. Auf einem Feld fielen ihm beson­ders gerade Reihen und gleich­mä­ßige Bestände auf. Als Hamilton den Land­wirt danach fragte, nahm dieser ihn mit in die Trak­tor­ka­bine und zeigte ihm das Lenk­system. „Es war unglaub­lich“, erin­nert er sich. 

Haig Hamilton aus East Lothian in Schott­land …

… bewirt­schaftet insge­samt über 600 ha, davon sind 255 ha mit Kartof­feln bebaut.

Zurück in Schott­land wusste er genau, was er wollte. Bei seinem örtli­chen Vertriebs­partner Thomas Sheriffs fragte er als Erstes nach auto­ma­ti­scher Lenkung und erfuhr, dass die Markt­ein­füh­rung in Groß­bri­tan­nien kurz bevor­stand. Die erste Vorfüh­rung in Groß­bri­tan­nien fand auf einer still­ge­legten Start- und Lande­bahn statt. Viel Über­zeu­gungs­ar­beit brauchte es nicht. Schon bald testete die Familie eine Maschine mit auto­ma­ti­scher Lenkung und kaufte sie noch in derselben Saison. 

Was Hamilton sofort über­zeugte, war die Präzi­sion. Wer lange Tage auf dem Feld verbringt, weiß, wie anstren­gend konzen­triertes Fahren sein kann. „Es gibt viele Ablen­kungen, beispiels­weise durch das Mobil­te­lefon und Ähnli­ches, doch durch das Lenk­system wurde die Arbeit viel einfa­cher.“ 

Es macht das Leben einfach so viel einfa­cher, nicht nur für mich, sondern auch für den Fahrer.

Haig Hamilton

Am Ende zählten vor allem die Einspa­rungen. Damals arbei­tete der Betrieb mit 24-m Fahr­gassen, stellte aber Abwei­chungen von 1,2 bis 1,5 m fest. Mit dem neuen System stieg die Genau­ig­keit und damit der Ertrag, die Qualität und die Effi­zienz bei der Arbeits­er­le­di­gung. Hamilton schätzt den Effekt auf Kosten und Arbeits­auf­wand pauschal auf 5 bis 7 %. 

Vom Einzel­system zur vernetzten Flotte 

Heute ist auto­ma­ti­sche Lenkung auf Hamil­tons Betrieb keine Beson­der­heit mehr, sondern Stan­dard. „Ange­sichts der rasanten tech­no­lo­gi­schen Entwick­lung haben wir ständig Upgrades durch­ge­führt, und mitt­ler­weile ist das System auf sämt­li­chen Maschinen instal­liert.“ Der entschei­dende Schritt sei gewesen, alle Kompo­nenten mitein­ander zu verbinden: „Es macht das Leben so viel einfa­cher, nicht nur für mich, sondern auch für den Fahrer.“ 

Sämt­liche Traktoren, die Agri-Fac Spritze sowie der Claas Mähdre­scher und der selbst­fah­rende Grimme Kartof­fel­roder arbeiten mit dem John Deere Lenk­system.

Zum Fuhr­park gehören acht John Deere Traktoren. Die Säma­schine ist mit einer passiven Anbau­ge­räte-Lenkung ausge­stattet, und die Maschinen zur Kartof­fel­pflan­zung sowie -pflege verfügen eine aktive Anbau­ge­räte-Lenkung. Auch die Agri-Fac Spritze sowie der Claas Mähdre­scher und der selbst­fah­rende Grimme Kartof­fel­roder arbeiten mit dem John Deere Lenk­system, Konnek­ti­vität, und ggf. Ertrags­kar­tie­rung. 

Für das Team ist die Arbeit mit den Systemen inzwi­schen selbst­ver­ständ­lich. Der Einstieg war jedoch nicht für alle leicht. „Wie bei jedem neuen System kann es für die Mitar­beiter schwierig sein, sich umzu­stellen“, erklärt Hamilton. Wer die Maschinen bedienen wollte, musste sich auf die neue Technik einlassen. Jüngere, tech­nik­af­fine Mitar­beiter nahmen die Verän­de­rung schnell an. Ältere Team­mit­glieder waren zunächst zurück­hal­tender. Doch als Hamilton die Einspa­rungen erklärte und die Genau­ig­keit beim Auflaufen der Bestände sichtbar wurde, wuchs die Akzep­tanz. 

Warum guter Service den Unter­schied macht 

Mehr Präzi­sion bedeutet nicht, dass der Fahrer weniger wichtig wird. Im Gegen­teil: Das System nimmt Routi­ne­ar­beit ab und verschafft dem Fahrer mehr Zeit, die Maschine optimal einzu­stellen. „Ein guter Fahrer ist nicht nur ein Bediener, sondern jemand, der auch dann weiter­macht, wenn etwas schief­geht“, sagt Hamilton. „Schließ­lich gibt es viele beweg­liche Teile, nicht nur die Lenkung.“ 

Das System nimmt den Fahrern Routi­ne­ar­beit ab und verschafft ihnen mehr Zeit, die Maschinen optimal einzu­stellen.

Ebenso wichtig ist für ihn die Nähe zum Vertriebs­partner. Hamilton arbeitet eng mit Thomas Sheriffs zusammen und sagt: „Zu wissen, dass wir Unter­stüt­zung haben, macht das Leben einfach leichter.“ Denn neue Technik bringt fast immer Anlauf­schwie­rig­keiten mit sich. Deshalb schätzt Hamilton den Support und die Schu­lungen seines Vertriebs­part­ners beson­ders. Auffri­schungs­kurse vor der Hoch­saison helfen dem Team, Ände­rungen und Upgrades recht­zeitig kennen­zu­lernen. 

Zu viele Menschen blicken nicht in die Zukunft und bleiben auf der Strecke.

Haig Hamilton

„Zwischen den Einsätzen der Systeme kann viel Zeit vergehen, und von einer Saison zur nächsten kann sich vieles ändern“, erklärt er. „Wir nehmen alle Mitar­beiter zu den Veran­stal­tungen mit. Wir setzen uns gemeinsam an einen Tisch und bespre­chen alles. Bei Bedarf lassen sich Updates und Upgrades unkom­pli­ziert instal­lieren. Und falls doch einmal ein Problem auftritt, kann sich der Support einloggen und uns Schritt für Schritt durch die Lösung führen.“

Weniger Aufwand, mehr Über­blick 

Für Hamilton ist Präzi­sion der Schlüssel, nicht nur wirt­schaft­lich, sondern auch mit Blick auf Nach­hal­tig­keit. Über die John Deere Opera­tions Center App auf dem Smart­phone verfolgt er den Fort­schritt auf dem gesamten Betrieb. Aussaat­mengen, Erträge in Echt­zeit und Kraft­stoff­ver­brauch sind jeder­zeit abrufbar. „Es ist wirk­lich hervor­ra­gend. Man sieht, dass man weniger Dünger, Kraft­stoff und Arbeits­kraft benö­tigt, was den CO₂-Fußab­druck verrin­gert, es ist das Gesamt­paket.“ 

Über das John Deere Opera­tions Center verfolgt Haig Hamilton den Fort­schritt auf dem gesamten Betrieb.

Im Kartof­fel­anbau wird das System inzwi­schen bei jedem Arbeits­schritt einge­setzt.

Am meisten bringt ihm nicht eine einzelne Lösung, sondern das Zusam­men­spiel der gesamten Smart Farming-Palette. Im Kartof­fel­anbau wird das System inzwi­schen bei jedem Arbeits­schritt einge­setzt: vom Entsteinen, der Boden­be­ar­bei­tung, dem Anhäu­feln und Pflan­zen­schutz bis zur Ernte. „Jedes einzelne Element ist gut, aber als Gesamt­paket gefällt es mir viel besser. Die Möglich­keit, anhand von Ertrags- und Feld­daten variable Ausbring­mengen zu berechnen, ist von unschätz­barem Wert.“ 

In diesem Jahr will das Team Anhänger parallel zu den Kartof­fel­ro­dern einsetzen, um die Ernte zu beschleu­nigen. Hamilton bleibt neugierig: „Ich probiere gerne verschie­dene Ideen aus. Die Art und Weise, wie sich die Tech­no­logie in den letzten sechs oder sieben Jahren weiter­ent­wi­ckelt hat, war wirk­lich phäno­menal.“ 

Die Maschinen zur Kartof­fel­pflan­zung verfügen eine aktive Anbau­ge­räte-Lenkung

Sein Blick geht dabei klar nach vorn. „Zu viele Menschen blicken nicht in die Zukunft und geraten ins Hinter­treffen. Zunächst ist das zwar eine große Inves­ti­tion, aber wenn man die Kosten­ein­spa­rungen insge­samt betrachtet, lohnt es sich. Wenn Ihre Kosten für Arbeits­kräfte, Saatgut und Dünger beispiels­weise 100.000 £ (ca. 117 000 €) betragen und Sie jähr­lich 5 % einsparen, ergibt das über vier Jahre hinweg 20.000 £ (ca. 23.400 €). Es geht darum, die Weit­sicht zu haben und so weit wie möglich im Voraus zu planen.“ 

Die Tech­no­logie entwi­ckelt sich ständig weiter, also arbeiten Sie damit. Solange Sie genau verstehen, wie das Ganze funk­tio­niert, wird es auch für Sie funk­tio­nieren. Es geht darum, sich das Leben einfa­cher zu machen und präziser zu arbeiten.

Haig Hamilton

Skepsis werde es immer geben, sagt Hamilton. Entschei­dend sei, sie gemeinsam mit dem Vertriebs­partner Schritt für Schritt abzu­bauen. Und wird Technik irgend­wann Menschen ersetzen? Hamilton glaubt das nicht. „Auto­nome Tech­no­lo­gien sind auf dem Vormarsch, aber man wird immer Fahrer brau­chen, um die Maschinen zu bedienen. Und KI kann nicht repa­rieren.“ 

Sein Rat an andere Betriebe ist einfach: „Man muss mit der Zeit gehen und den Blick in die Zukunft richten. Die Tech­no­logie entwi­ckelt sich ständig weiter, also arbeiten Sie damit. Solange Sie genau verstehen, wie das Ganze funk­tio­niert, wird es auch für Sie funk­tio­nieren. Es geht darum, sich das Leben einfa­cher zu machen und präziser zu arbeiten.“

Betriebs­infos Haig Hamilton

  • Land­wirt: Haig Hamilton
  • Standort: East Lothian, Schott­land
  • Fläche: 619 ha
  • Frucht­arten: Getreide und Kartof­feln
  • Maschinen: 8 Traktoren, Agri-Fac Spritze, Claas Mähdre­scher, Grimme Kartof­fel­roder sowie Zusatz­aus­rüs­tung für den Kartof­fel­anbau
  • Mitar­beiter: 8 Team­mit­glieder