1993 gründeten die Eltern von Stéphane Lhotte und Matthieu Dupuy die Maschinengemeinschaft CUMA des Terroirs. Die beiden Männer kennen sich seit ihrer Kindheit und übernahmen ganz selbstverständlich die Leitung der CUMA, als sie selbst Landwirte wurden. Die Organisation sorgt für die Mechanisierung ihrer Mitgliedsbetriebe und bewirtschaftet insgesamt rund 1.000 ha. Wie in der Region Hauts-de-France, hier im Vermandois, üblich umfasst die Fruchtfolge Getreide, Raps und weitere Marktfrüchte, insbesondere Zuckerrüben. Unterstützt werden Stéphane Lhotte und Matthieu Dupuy nur von einem Vollzeitfahrer – ein Hinweis auf den hohen Organisationsgrad der CUMA.
2012: Einführung der Lenkung
„In jenem Jahr“, erinnert sich Stéphane Lhotte, „kauften wir eine Drillkombination mit Kreiselegge. Dabei handelte es sich um eine gebrauchte Maschine ohne seitliche Spuranreißer. Die Kosten für neue Spuranreißer brachten uns zum Nachdenken. Schließlich erkundigten wir uns bei unserem John Deere Händler, und er machte uns ein Angebot für ein GreenStar 1800 Display und einen SF3000-Empfänger. So fing es bei uns an.“ Die berühmte „gelbe Kugel“ von damals ist immer noch einsatzbereit. Am Tag unseres Besuchs war sie auf einem 6R 250 Traktor auf dem Hof montiert. Matthieu Dupuy ergänzt: „Damals hatten wir einen 8245R, der bereits für AutoTrac vorbereitet war. Beim Stoppelsturz fuhr der automatisch gelenkte Traktor voraus, gefolgt von einem zweiten Traktor mit einem gleich breiten Anbaugerät. Da sahen wir erste Zeitgewinne pro Hektar.“

Heterogene Böden und variable Aussaatmengen
2014 wurde für die Pflanzenschutzsprite ein zweiter Empfänger angeschafft, und wieder gab es Zeitgewinne. Doch erst 2016, mit dem Kauf einer neuen 18-reihigen Rübensämaschine, bekamen die beiden CUMA-Chefs einen konkreten Eindruck vom Potenzial der Präzisionslandwirtschaft.
Stéphane Lhotte und Matthieu Dupuy hatten bereits versucht, die Aussaatmenge manuell zu variieren, erzielten aber nur durchwachsene Ergebnisse. Letztlich war es nicht möglich, die Vorgaben über mehrere Stunden hinweg konstant einzuhalten. Nun breitet Stéphane eine Bodenkarte im Maßstab 1:25.000 des nördlichen Saint-Quentin vor uns aus, die er von seinem Vater erhalten hat. Die Erstellung dieser Karte begann vor mehr als 50 Jahren durch die Landwirtschaftskammer des Départements Aisne. „Heute verfügen wir über digitalisierte Karten unserer Bodentexturen, die wir in das John Deere Operations Center hochladen können“, freut sich Stéphane. Für jede digitalisierte Parzelle ist die genaue Lage tiefgründiger Schluffböden, die eine normale Aussaatmenge erhalten, sowie kalkreicher Zonen, in denen die Aussaatmenge automatisch um 30 % erhöht wird, bekannt.
„Seit 2019 werden die Rüben mit variabler Aussaatmenge gesät. Zusammen mit der Teilbreitenschaltung, die Verluste an Reihenüberschneidungen minimiert, können wir sagen, dass sich die Bestände homogener entwickeln, und wir den Saatgutaufwand besser kontrollieren können“, erklärt Matthieu Dupuy. Nach demselben Prinzip differenzierter Mengen zwischen schluffigen und kalk- oder sandhaltigen Böden wird die variable Aussaat inzwischen auch bei Getreide, Raps und Körnerleguminosen eingesetzt.
Einfach umzusetzende Lösungen

Der Schritt von einer Bodentexturkarte zu einer Applikationskarte kann Einsteiger abschrecken. „Maxime Dehut, der Spezialist für neue Technologien bei unserem John Deere Händler, kennt das Problem angenommen und hat sich entsprechend weitergebildet“, lobt Stéphane Lhotte. „So konnten wir bei der Rübensämaschine gleichzeitig und direkt über das Traktordisplay die variable Aussaatmenge, die Teilbreitenschaltung und das Fahrgassenmanagement nutzen, um die Aussaat an spätere Überfahrten mit 2,20 m Spurweite anzupassen.“
Ein Modul des Operations Cente ermöglicht es, die Bodentexturkarte zu integrieren und je nach Zone die Regel von 100 % oder 130 % Aussaatmenge anzuwenden. „Das ist einfach einzurichten, besonders auf einem Tablet oder PC, weil dort der Bildschirm groß genug ist“, betont Stéphane Lhotte. Vom Büro der CUMA in Gricourt aus ist die Applikationskarte dank JDLink-Telemetrie sofort auf dem Display des Traktors verfügbar, der mit dem jeweiligen Anbaugerät verbunden ist. Beim Getreidesäen liefert das CETA du Saint-Quentinois Empfehlungen zur Körnerzahl pro Quadratmeter, abhängig vom jeweiligen Stadium in der Saison. Bei der Aussaat von Zwischenfrüchten zur Energiegewinnung, insbesondere Sorghum, wurde in diesem Frühjahr erfolgreich ein zweiter Satellitenempfänger für die passive Lenkung eingesetzt. Anlass waren die Länge des Anbaugerätes und die Abdrift, die in Hanglagen bisweilen 15 cm erreichen kann.
Gezielte Pflanzenschutzbehandlungen
Die selbstfahrende Feldspritze von Stéphane Lhotte verfügt über ein 45-Meter-Gestänge und ist mit einem G5+-Display ausgestattet, das über JDLink mit dem John Deere Operations Center verbunden ist. In Rübenbeständen wurde in diesem Frühjahr ein erfolgreicher Versuch zur „gezielten“ Distelbekämpfung durchgeführt.
Ein Drohnenflug über die Flächen, ausgeführt von der Landwirtschaftskammer des Départements Aisne und deren Dienstleister Abelio, diente als Grundlage für die Erstellung von Karten, die zur Teilbreitenschaltung der CUMA-Feldspritze passen. „Die Einsparung beim Herbizid ist sehr deutlich, und das Einspielen der Abelio-Karte in das G5+-Display ist sehr einfach. Am Lenkrad wirkt das fast magisch!“, versichert Stéphane.

Düngung: der nächste Schritt?
Die Kosten für Stickstoffdünger und die Versprechen der Technologie lassen sich aus der Diskussion kaum ausklammern. Wenn schon nicht weniger gedüngt werden kann, dann sollen die Nährstoffe den Pflanzen zumindest gezielter bereitgestellt werden. Für die beiden CUMA-Chefs lautet das Ziel: „Die richtige Menge am richtigen Ort.“ Bei einer Vorführung bei ihrem John Deere Vertriebspartner PM-Pro konnten sich die beiden Landwirte mit einer neuen Anwendung des Operations Center vertraut machen, die gemeinsam mit dem Düngemittelhersteller Yara entwickelt wurde.
Das System nennt sich atfarm und kombiniert eine Stickstoffmengensteuerung über einen Cropsensor mit einer satellitengestützten Überwachung der Bestände. Daraus entsteht eine Applikationskarte für variable Stickstoffgaben auf Basis der geschätzten Biomasse und des aufgenommenen Stickstoffs. „Die Einfachheit des atfarm-Systems, das sich per Smartphone steuern lässt, ist überraschend“, und Stéphane Lhotte möchte es gern mit seinem Düngerstreuer ausprobieren. „Er kann auf uns zählen“, sagt Bastien Costa, der Spezialist beim John Deere Vertriebspartner PM-PRO.

Unermüdlich in die richtige Richtung
Die beiden Landwirte sind sich einig: Präzisionslandwirtschaft ist keine Zeitverschwendung. „Ganz ehrlich, die John Deere Lösungen funktionieren, wenn sie uns angeboten werden. Die Spezialisten, mit denen wir zu tun hatten, werden kontinuierlich geschult“, räumt Stéphane Lhotte ein. Matthieu Dupuy setzt auf Technologie, um dem Mangel an Arbeitskräften zu begegnen. Als Beispiel nennt er das Rübenhacken, welches dank RTK-Signal auch mit einer etwas älteren Hacke deutlich präziser wird. „Alle Zeitgewinne, sowohl beim Einstellen als auch beim Fahren, verbessern die Effizienz unserer Arbeit. Diese Gewinne sind bedeutender als mögliche Ertragssteigerungen, denn die Entwicklung der Kulturpflanzen hängen vor allem vom Wetter ab“, sagt er.
Die CUMA des Terroirs hat den Weg in die Präzisionslandwirtschaft über die Lenkung eingeschlagen, und die Betriebsleiter gehen ihn mit sicheren Schritten weiter. Stéphane Lhotte und Matthieu Dupuy wünschen sich allerdings, dass ihre Aufzeichnungen im Operations Center besser mit der von den Behörden geforderten „Formularen“ kompatibel sind. Dennoch wollen sie auch weiterhin in Automatisierungslösungen bei ihren Maschinen investieren. Die Anwendung sollte jedoch weiterhin einfach und intuitiv bleiben.
Bearbeitete Flächen
- 500 ha Getreide
- 280 ha Zuckerrüben
- 80 ha Raps
- 80 ha Kartoffeln
- 40 ha Körnerleguminosen
- 20 ha Mais
Fuhrpark
- 5 John Deere Traktoren
- 1 John Deere Mähdrescher S790
- 2 selbstfahrende Feldspritzen, 45 m Gestänge
- 1 Einzelkornsämaschine mit 18 Reihen (Zuckerrüben)
- 1 sechs Meter breite Drillkombination mit Kreiselegge
- 4 Pflüge
- 2 sechs Meter breite Grubber bzw. Scheibeneggen



