Precision Farming„Dank des NIR-Sensors schließen wir den Nähr­stoff-Kreis­lauf“

Der NIR-Sensor im HarvestLab 3000 sagt dem Land­wirt genau, wie sich die Gülle zusam­men­setzt. Alex­ander Berges, Manager für Produk­ti­ons­sys­teme in der Milch- und Vieh­wirt­schaft bei John Deere, erklärt, wie das eine bessere Dünge­pla­nung und weniger Diesel-Verbrauch ermög­licht.

Herr Berges, durch den NIR-Sensor wissen wir genau, welche Nähr­stoffe die Gülle wirk­lich enthält. Verän­dert sich dadurch in der Praxis auch die Dünge­stra­tegie?

Ja, defi­nitiv. Es ist klar, dass die Natur immer variabel ist – das Wetter ist nicht konstant und die Gülle eben auch nicht. Durch den NIR-Sensor sind Land­wirte und Lohn­un­ter­nehmer jetzt in der Lage, konti­nu­ier­lich und in Echt­zeit, die wich­tigen drei Nähr­stoffe der Gülle zu bestimmen. Das macht die Varia­bi­lität der Natur trans­pa­renter und hat sehr posi­tive Auswir­kungen. Ich würde sogar sagen: Dies ist ein Durch­bruch in der Dünge­stra­tegie.

Alex­ander Berges ist Manager für Produk­ti­ons­sys­teme in der Milch- und Vieh­wirt­schaft bei John Deere.

Was bedeutet das konkret für verschie­dene Betriebe?

Schauen wir uns zwei typi­sche Betriebs­arten an: Da ist einmal der vieh­hal­tende Betrieb. Auf dem fällt schon immer Gülle an und der Betrieb düngt seit Jahr­zehnten mit Gülle. Das ist für diese Land­wirte also nichts Neues. Durch den Einsatz des NIR-Sensors wissen sie nun aber genau, was sie da ausge­bringen. Deshalb reden wir nicht mehr von Kubik­me­tern Gülle pro ha, sondern von kg Nähr­stoff pro ha. So kann man die Über­dün­gung in vieh­in­ten­siven Regionen vermeiden und gleich­zeitig auch die bekannten Neben­wir­kungen auf Boden, Wasser und Luft.

HarvestLab 3000

Nahin­fra­rot­spek­tro­skopie (NIR-Spek­tro­skopie), um unter­schied­liche Bestand­teile im Erntegut oder der Gülle zu analy­sieren (ein Sensor, drei Anwen­dungen)

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Ein anderes Beispiel sind die Acker­bau­be­triebe. Da gab es in der Vergan­gen­heit Vorbe­halte gegen­über dem Einsatz von Gülle. Schließ­lich düngt der Acker­bauer seit Jahr­zehnten mit Mine­ral­dünger und hat das bisher auch sehr erfolg­reich gemacht. Gleich­zeitig wurde dadurch aber ein natür­li­cher Nähr­stoff­kreis­lauf durch­bro­chen, der über Jahr­tau­sende entstanden war. Durch die NIR-Technik wird der Einsatz von Gülle nun auch wieder für Acker­bauern inter­es­sant. Der ist es bereits gewohnt in kg Dünger pro ha zu düngen. Wenn er den Sensor einsetzt, kann er genau das nun auch mit Gülle tun.

Ganz simpel gefragt: Kann Gülle den mine­ra­li­schen Dünger zu 100 % ersetzen?

Wenn man die Zahl 100 streicht, würde ich die Frage bejahen. Man kann und sollte Mine­ral­dünger mit Gülle substi­tu­ieren, aber nicht komplett. Wenn wir uns orga­ni­sche Dünger anschauen – egal ob in fester Form bei Mist oder in flüs­siger Form bei Gülle – dann haben wir in der Regel P als begren­zenden Faktor.

Jetzt können wir Mine­ral­dünger durch orga­ni­schen Dünger substi­tu­ieren und genau mit diesem P-Wert an das Optimum für den P-Bedarf für die jewei­lige Frucht gehen. Es bleiben jedoch Dünge­lü­cken bei K und bei N – die können dann mine­ra­lisch aufge­düngt werden. Die Faust­regel lautet also: So viel Gülle wie möglich und so wenig Mine­ral­dünger wie nötig. Klar ist aber auch: Auf Mine­ral­dünger können wir bis auf Weiteres nicht komplett verzichten.

Mit dem HarvestLab-Sensor können wir die Gülle genau ausbringen, den Nähr­stoff­ge­halt in kg pro Hektar messen und dazu beitragen, Mine­ral­dünger auch im Ackerbau zu ersetzen.

Bei allen Vorteilen von mine­ra­li­schem Dünger. Wo ist ihm die Gülle über­legen?

Zunächst ist der Vorteil, dass wir durch Gülle – wie bereits erwähnt – Nähr­stoff­kreis­läufe schließen können. Außerdem erreiche ich durch Gülle eine höhere Boden­frucht­bar­keit und habe eine verbes­serte Humus-Bilanz. Gerade der letzte Vorteil spielt in ein Mega-Thema der Zukunft, da wir im Acker eine Senke für Kohlen­stoff haben. Durch den Einsatz von Gülle ist es deut­lich einfa­cher, das Humus-Niveau zu halten oder auszu­bauen und damit auch CO2 lang­fristig der Atmo­sphäre zu entziehen. Und zu guter Letzt: Durch den Einsatz von Gülle spare ich Diesel ein.

Das müssen Sie erklären.

Gerne, das ist eines meiner Lieb­lings­themen, da der Effekt nicht so bekannt ist. Wenn wir uns auf einem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb über die Saison den Einsatz von Land­ma­schinen anschauen, sehen wir, dass diese Maschinen Diesel verbrennen. Wenn wir diesen Verbrauch summieren, kommen wir je nach Region, Bodentyp und Anbau­ver­fahren auf 60 bis 100 l Diesel pro Hektar im Jahr.

Wenn wir aber jetzt als Beispiel einen Markt­frucht­be­trieb nehmen, der 160 kg Stick­stoff mine­ra­lisch düngt, dann werden auch ca. 160 l Diesel benö­tigt, um die 160 kg Stick­stoff zu erzeugen. Das wird künst­lich gemacht, daher ist das gebräuch­liche Wort auch Kunst­dünger. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass der Acker­bauer mit der NIR-Tech­no­logie die Hälfte des Mine­ral­dün­gers mit Gülle substi­tu­ieren kann, wird klar: Er spart exakt die 80 l Diesel ein, die alle seine Land­ma­schinen pro Hektar an 365 Tagen verbrau­chen. Das ist ein enormer Beitrag zur Nach­hal­tig­keit.