ErntemaschinenTraktorenHisto­ri­sche John Deere Traktoren erobern das Netz

Thomas Möller digi­ta­li­siert die alten Dias und Super 8 Filme seines Vaters und teilt sie in den sozialen Medien mit der Welt. Dahinter stecken persön­liche Erin­ne­rungen und eine beson­dere Begeis­te­rung für Land­technik.

Die letzte Ernte des Jahres. Ein Mähdre­scher lädt die Raps­ernte auf einen großen Anhänger ab. Davor steht ein John Deere 3130 LS. Die Kamera wackelt, über den Aufnahmen liegt ein blasser Farb­filter. Mit solchen und ähnli­chen Aufnahmen aus der Zeit von 1950 bis 1992 erreicht Thomas Möller heute zahl­reiche Menschen auf Insta­gram, YouTube und Face­book. Wie groß das Inter­esse ist, zeigen Millionen Aufrufe auf Insta­gram und Face­book. Mehr als die Hälfte seines Publi­kums ist unter 35 Jahre alt. In den Kommen­taren teilen Trak­torfans aus verschie­denen Gene­ra­tionen und Ländern ihre Erin­ne­rungen, andere staunen über eine Land­wirt­schaft, die sie selbst nie erlebt haben.

Dabei zeigt der 51-jährige Inge­nieur auf seinen Kanälen keine aufwendig insze­nierten Videos, sondern histo­ri­sche Fotos und Super-8-Filme vom Stadtgut Roggen­horst bei Lübeck. Aufge­nommen hat sie sein Vater Hans-Hermann, der damals aus Freude seinen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb und das Hofleben doku­men­tierte.

Aus alt mach neu: Thomas Möller legt einen Super8-Film in den Film­scanner ein.

Ein Land­wirt hinter der Kamera

Thomas Möller wuchs in den 1980er Jahren mit seinen vier älteren Schwes­tern auf dem Stadtgut Roggen­horst bei Lübeck auf, einem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb im Besitz der Hanse­stadt. Schon sein Urgroß­vater hatte hier Land­wirt­schaft betrieben, später führte sein Groß­vater und schließ­lich sein Vater Hans-Hermann den gepach­teten Hof. Hans-Hermann war nicht nur Land­wirt, sondern auch ein tech­nik­be­geis­terter Mann: Während der Arbeit trug er oft seine Kamera mit sich, um die Feld­ar­beit, Maschinen oder Momente mit der Familie fest­zu­halten.

Die Tech­nik­be­geis­te­rung gab er auch seinem Sohn weiter. Der saß am liebsten selbst auf einem Traktor oder schaute bei Repa­ra­turen in der Werk­statt zu. Im Winter genoss er zusammen mit seinem Vater die sommer­li­chen Aufnahmen des Betriebs.

1988: Hans-Herr­mann Möller war mit seinem Fuhr­park von John Deere immer sehr zufrieden.
1977: Hans-Hermann Möller (rechts) und sein lang­jäh­riger Mitar­beiter Hein­rich Bahr beraten sich auf dem Feld über anste­hende Arbeiten.

Grün-Gelb seit Kinder­tagen

John Deere spielte auf dem Stadtgut Roggen­horst schon früh eine wich­tige Rolle. Die Verbin­dung reicht bis zu Thomas Möllers Groß­vater zurück, der 1940 einen Lanz Bulldog kaufte. Der Vater, Hans-Hermann, blieb dem dama­ligen Händler treu und entschied sich später für einen John Deere Lanz 710. Für ihn sei dies wohl die logi­sche Fort­set­zung seiner bishe­rigen Erfah­rungen mit Lanz gewesen. Und die Entschei­dung sollte sich bewähren: Mit dem 710 sei sein Vater „super zufrieden“ gewesen, erin­nert sich Thomas Möller. Bis 2015 blieb der Traktor in Fami­li­en­be­sitz. Heute hat Möller die Maschine sogar als funk­ti­ons­fä­higes Modell im Maßstab 1:8 nach­ge­baut – mithilfe eines 3D-Druckers und jeder Menge tech­ni­schem Know-how.

Mit dem Kauf des 710 begann eine lang­jäh­rige Bezie­hung zu John Deere. Als nächstes folgte ein 3130, den Hans-Hermann Möller zunächst auf dem eigenen Hof vorführen ließ. Wie der Traktor dabei den Acker pflügt, ist sogar auf Film fest­ge­halten. Später entschied sich der Land­wirt für das Modell mit Kabine. Für den jungen Thomas Möller war der 3130 deut­lich komfor­ta­bler: Während er auf dem 710 auf dem Schutz­blech neben seinem Vater mitfuhr, gab es hier einen rich­tigen Beifah­rer­sitz.

Thomas Möller im Jahr 1988 – zusammen mit dem John Deere 710, auf dem er nur auf dem Schutz­blech mitfahren konnte, und dem John Deere 3130, bei dem er Platz auf dem Beifah­rer­sitz fand.

Nach Größe geordnet: Der gesamte John Deere Fuhr­park des Stadtgut Roggen­horst bei Lübeck im Jahr 1988.

Mit den Jahren kamen weitere John Deere Traktoren wie der 4240 S und ein 4450 auf den Hof und machten auch vor Thomas Möllers Kinder­zimmer keinen Halt. „Von unserem 4240 S hatte ich ein großes Poster über dem Bett hängen, wie der durch den Matsch fährt“, erin­nert er sich. Auf seiner Fens­ter­bank spielte er außerdem immer nach, was draußen auf dem Hof geschah. Dazu kamen Poster und Prospekte vom John Deere Händler, die Begeis­te­rung für die Marke habe sich, wie Möller selbst sagt, „sehr, sehr tief in die DNA gegraben“.

Doch nicht nur die modernen Maschinen faszi­nierten ihn. Auch die alten Lanz Bull­dogs hatten es ihm angetan. Einer davon, ein Lanz D 1706 aus dem Jahr 1954, war noch gele­gent­lich auf dem Hof im Einsatz. Sein Vater wusste von der Begeis­te­rung und schenkte ihm das Fahr­zeug zum 16. Geburtstag.

Früher war nicht alles besser

Die histo­ri­schen Aufnahmen wecken Erin­ne­rungen, zeigen aber auch, wie sehr sich die Land­wirt­schaft verän­dert hat. Möller beein­druckt vor allem, welche Arbeit damals mit leis­tungs­schwa­chen Maschinen geleistet wurde. Während die Familie anfangs rund 160 Hektar – davon 100 Hektar Acker­land – mit Arbeits­pferden bewirt­schaf­tete, über­nahmen später Traktoren und andere Maschinen immer mehr aufwen­dige Arbeiten.

Vom Feld in den Feed

1982 rollt der John Deere 4240S über die Felder. Selbst auf den schweren Böden zieht er den Pflug samt Doppel­pa­cker mühelos hinter sich her. Am Steuer sitzt der Nach­bars­junge, dem Hans-Hermann Möller großes Vertrauen schenkte. Die Aufnahme entstand einst als private Erin­ne­rung und begeis­tert heute Tausende Menschen im Netz.

Auch der Komfort verbes­serte sich. Während ältere Traktoren kaum Schutz vor Wind und Wetter boten, verfügten spätere Modelle über geschlos­sene, leisere Kabinen und Klima­an­lagen. Vor allem aber wurde die Arbeit sicherer. „Ich sehe viele Situa­tionen, die ich als sehr gefähr­lich empfinde“, merkt Thomas Möller an, der in seinem Unter­nehmen eine Abtei­lung für Maschi­nen­si­cher­heit leitet.

Wie schwer die Arbeit früher sein konnte, zeigt eine Erin­ne­rung an seinen Vater. Der beschrieb das Mähdre­schen damals mit nur drei Worten: „Lärm, Hitze, Staub“. Dass sich die Arbeits­be­din­gungen über die Zeit so verbes­sert haben, findet Thomas Möller groß­artig. Die Aufnahmen doku­men­tieren damit nicht nur die Geschichte einer Familie und ihrer Maschinen, sondern auch den Wandel der Land­wirt­schaft.

Im Maßstab 1:8 wieder im Einsatz

Die Begeis­te­rung für Technik und Traktoren hat in der Familie Möller Bestand. Thomas Möller arbeitet heute nicht nur als Inge­nieur und teilt die histo­ri­schen Aufnahmen seines Vaters in den sozialen Medien, sondern hat auch ein außer­ge­wöhn­li­ches Hobby für sich entdeckt: Den Modell-Bau. Mithilfe von 3D-Druck und jeder Menge tech­ni­schem Knowhow erweckt er die Traktoren aus seiner Kind­heit im Maßstab 1:8 wieder zum Leben. Dabei legt er nicht nur Wert auf die Optik: Seine fern­ge­steu­erten Modelle können auch fahren, Lasten heben und sogar einen Dünger­streuer ziehen. Wie gut das funk­tio­niert, zeigt Möller eben­falls Online.

Die Auswahl der Fahr­zeuge erfolgt dabei ganz gezielt: „Ich habe vor, den ganzen Fuhr­park meines Vaters nach­zu­bauen“, erklärt Möller. Mit dem Lanz-Bulldog D1706 und dem John Deere-Lanz 710 hat er bereits einen wich­tigen Schritt gemacht, als Nächstes soll der John Deere 3130 folgen. Bis der Fuhr­park wieder voll­ständig ist, werden noch viele Stunden am Computer, am 3D-Drucker und an der Werk­bank vergehen. Doch so kehren die Maschinen, die sein Vater einst mit der Kamera fest­hielt, Stück für Stück wieder zurück – diesmal im Klein­format.

Fast wie das Original: Das fern­steu­er­bare Modell vom John Deere Lanz 710 im Maßstab 1:8

Lanz-Bulldog D1706 und Lanz 710 – Vom Maßstab eins zu -32, -16 und -8