„Anpas­sung ans Klima als fort­lau­fender Prozess“

Das euro­päi­sche Projekt LIFE „Agri­Adapt“ beschäf­tigte sich vier Jahre mit dem Thema Klima-Anpas­sung. Agrar­in­ge­nieur Patrick Trötschler von dem deut­schen Projekt­partner Bodensee-Stif­tung spricht über die Perspek­tiven im Anbau­be­reich und effi­zi­ente Dürre-Präven­tion.

Herr Trötschler, worum ging es beim Projekt LIFE Agri­Adapt?

Fakt ist, dass Betriebe sich an den Klima­wandel anpassen müssen. Doch 2° oder 3° C Erwär­mung klingen für die Praxis sehr abstrakt. Wir haben einen Klima­wandel-Check für die Betriebe entwi­ckelt, damit sie bessere, nach­voll­zieh­ba­rere Anpas­sungs­ent­schei­dungen treffen können. Dafür haben wir euro­pa­weit bei 120 Pilot­be­trieben die mögliche Entwick­lung von agro­kli­ma­ti­schen Indi­ka­toren bis 2046 darge­stellt sowie Risiken und Chancen analy­siert. Ferner haben wir Schu­lungs­ma­te­ria­lien für die land­wirt­schaft­liche Aus- und Fort­bil­dung erstellt und verbreitet.

Wie akut ist der Anpas­sungs­be­darf im Pflan­zenbau mit Blick auf ein höheres Dürre­ri­siko?

Wir sind immer wieder von Land­wirten gefragt worden: Was machen wir jetzt, sollen wir alles umstellen? Wichtig ist, zu betonen, dass Klima­an­pas­sung ein konti­nu­ier­li­cher Prozess in den nächsten Jahren und sogar Jahr­zehnten sein wird. Es geht darum, für jeden Betrieb eine Anpassungs­strategie zu entwi­ckeln. Und man muss Wetter und Klima unter­scheiden. Ich würde trotz der jüngsten Wetter­ex­treme davon abraten, daraus zu schließen, dass es lang­fristig genauso kommen wird. Es wird auf alle Fälle immer unbe­re­chen­barer.

Gab es Gemein­sam­keiten bei den Stra­te­gien zur Dürre­prä­ven­tion?

Das Wesent­liche ist die Risi­ko­ver­tei­lung. Da die Sommer heißer und trockener werden, sollte sich der Anbau diver­si­fi­zieren: viel­fäl­ti­gere Frucht­folgen mit mehr Haupt­kul­turen. Ganz zentral ist auch die „Schwamm­funk­tion“ des Bodens: In regen­rei­chen Phasen sollte er möglichst viel Wasser aufnehmen und in trockenen Phasen möglichst große Reserven für die Pflanzen halten können. Dies wird z. B. erreicht, indem orga­ni­sche Substanz und Humus­ge­halt erhöht werden.

Da die Sommer heißer und trockener werden, sollte sich der Anbau diver­si­fi­zieren.

Ganz­jäh­rige Boden­be­de­ckung, Zwischen­früchte und ggf. Unter­saat helfen sicher­lich auch. Welche Maßnahmen genau geeignet sind gehört zur indi­vi­du­ellen Stra­tegie eines Betriebes.

Wie sieht Klima­an­pas­sung in der Bewäs­se­rungs­feld­wirt­schaft aus?

Die Konkur­renz zwischen land­wirt­schaft­li­cher Nutzung und anderen Belangen bis hin zu ökolo­gi­schen Themen wird immer größer. Bei der Nutzung von Grund­wasser muss in Zukunft ein gesell­schaft­li­cher Konsens erzielt werden, wodurch die Bauern weniger Hand­lungs­spiel­raum haben werden. In Anbau­re­gionen wird Regen­spei­che­rung in betriebs­über­grei­fenden Becken sicher­lich ein stra­te­gi­sches Thema. Fest steht aber, dass Anbau­sys­teme effi­zi­enter gemacht werden müssen, z. B. indem mehr trocken­heits­to­le­rante Sorten und Kulturen ange­baut werden, auch wenn diese nicht den höchsten Ertrag bringen.

Heißt das, zugunsten von Klima­re­si­lienz einen Ertrags­rück­gang in Kauf zu nehmen?

Ob Bewäs­se­rung oder nicht, man muss betonen: In der Branche wird oft über den Jahres­ma­xi­ma­ler­trag gespro­chen, doch der ist immer mit einem hohen Risiko verbunden. Für uns ist es eine gute Anpassungs­strategie, nicht immer die abso­lute Hoch­er­trags­sorte auf die gesamte Fläche zu nehmen, sondern viel­leicht ein Viertel beispiels­weise mit einer hitze­to­le­ranten Sorte zu bestellen.

Es wird oft über den Jahres­ma­xi­ma­ler­trag gespro­chen, doch der ist immer mit einem hohen Risiko verbunden.

Da sind wir wieder bei der Risi­ko­streuung. Nach­hal­tiger wäre es – anstatt Jahres­er­träge zwischen Kollegen zu verglei­chen – sich zu fragen: Wer hat über einen Zeit­raum von zehn Jahren insge­samt den besten Ertrag vom Feld geholt?

Wie können Land­wirte die Instru­mente nutzen, die im Rahmen von Agri­Adapt entwi­ckelt wurden?

Ein Webtool in mehreren Spra­chen wurde im Februar auf der Inter­net­seite des Projekts veröf­fent­licht. Dort sind verschie­dene Module zu finden, darunter auch Elemente des Klima­wandel-Checks. Sie geben den Land­wirten einen Eindruck, wie sich z. B. die Wasser­ver­füg­bar­keit in ihrer Region in den nächsten 30 Jahren verän­dern kann. Dazu werden zahl­reiche nach­hal­tige Anpas­sungs­maß­nahmen vorge­stellt.

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