Precision FarmingIntel­li­gente Tech­no­lo­gien machen die Land­wirt­schaft renta­bler

Ein junger Land­wirt aus Navarra (Nord­spa­nien) stei­gert mit Hilfe intel­li­genter Tech­no­logie seine Ernte um 16 % und braucht dabei 22 % weniger Dünger, 40 % weniger Pflan­zen­schutz­mittel und 22 % weniger Kraft­stoff – ein beein­dru­ckendes Beispiel für eine nach­hal­ti­gere Land­wirt­schaft im digi­talen Zeit­alter.

Der 28-jährige Marcos Esteve bewirt­schaftet einen 220 ha großen Fami­li­en­be­trieb in Navarra (Nord­spa­nien). Haupt­säch­lich baut er Getreide wie Weizen, Gerste und Hafer an, inte­griert in seine Frucht­folge aber auch Erbsen, Wicken und Ölraps. 2012 zog er mit seinen Eltern von Barce­lona nach Navarra, um in einem kleinen Dorf mit 7 Einwoh­nern zu leben. Dort versuchten sie es zunächst mit ökolo­gi­scher Land­wirt­schaft. Da sich diese Bewirt­schaf­tungs­form aber nicht lohnte, stiegen sie 2016 auf konven­tio­nellen Anbau um. „Sie wollten rentabel wirt­schaften, ohne auf die posi­tiven Effekte der ökolo­gi­schen Land­wirt­schaft auf die Boden­ge­sund­heit zu verzichten“, erklärt Marcos.

Die rich­tigen Maschinen

„Zum Zeit­punkt der Umstel­lung hatte unser Traktor keine auto­ma­ti­sche Lenkung, keinen Bild­schirm und kein ISOBUS-System. Unsere Feld­ar­beit hing im Wesent­li­chen davon ab, ob es geregnet hatte oder nicht, und beim Betriebs­mit­tel­ein­satz arbeiten wir Pi mal Daumen. Bereits nach der Saison Jahr 2017 war mir klar, dass wir erheb­li­ches Verbes­se­rungs­po­ten­tial hatten. Beispiels­weise fiel mir auf, dass ich teil­weise mehr Dünge­mittel ausbrachte als nötig war und gleich­zeitig an anderen Stellen die ange­strebte Aufwand­menge nicht erreichte. Außerdem kam es wegen der konstanten Arbeits­breite des Dünger­streuers zu teil­weise unnö­tigen Über­lap­pungen. Also fingen wir im folgenden Jahr an, konti­nu­ier­lich zu wiegen. Außerdem begann ich mit der Teil­b­rei­ten­schal­tung zu arbei­teten – die Einspa­rungen waren enorm. Im Jahr darauf kauften wir einem John Deere Traktor mit GPS, inte­griertem Bild­schirm, ISOBUS, und rüsteten auch den Dünger­streuer mit ISOBUS aus.“

Einrich­tung des Lenk­sys­tems für eines seiner Flur­stücke.
Marcos Esteve bereitet sich auf die Arbeit mit seinem John Deere 6R 185 vor.

Der nächste Schritt bestand im Kauf einer Feld­spritze und der Anschaf­fung eines anderen John Deere Trak­tors, eines 6R 155, der mit Tele­me­trie, erwei­terte Konnek­ti­vität und Wende­au­to­matik ausge­rüstet war. So konnte die Feld­ar­beit schneller und effi­zi­enter erle­digt werden. Inzwi­schen zieht es Marcos vor, die Trak­toren zu mieten. „Es ist viel bequemer, eine monat­liche Rate zu zahlen und nach fünf Jahren den Traktor zu wech­seln. Auf diese Weise sind wir immer auf dem neuesten tech­ni­schen Stand, und die Raten decken alles ab, was wir brau­chen. Wir haben Planungs­si­cher­heit und brau­chen uns keine Sorgen über Wartungs­kosten, einschließ­lich des Reifen­wech­sels, oder die Instand­set­zung zu machen.“ Derzeit fährt er einen John Deere 6R 185, der erst ein paar Monate alt ist.

Umstel­lung der Bewirt­schaf­tungs­weise

Früher wurde der Boden mit Grubber und Egge bear­beitet. Vor 4 Jahren erfolgte dann die Umstel­lung auf Direkt­aus­saat auf sämt­li­chen Flächen des Betriebes. Das Stroh wir gehäck­selt, und Marcos achtet auf eine gute Boden­be­de­ckung durch Pflanzen. Durch diese Umstel­lung erzielt der Betreib sehr gute Ergeb­nisse. Nach Marcos‘ Berech­nungen spart er allein durch den Verzicht auf die Boden­be­ar­bei­tung 300-400 Arbeits­stunden pro Jahr. Ein weiteres Ziel ist ein leben­diger Boden, der Nähr­stoffe frei­setzt und Feuch­tig­keit spei­chert. „Der Boden muss gepflegt werden“, sagt Marcos. Indem er das gehäck­selte Stroh auf den Flächen belässt, gewinnt er jähr­lich zwischen 1,2 und 1,5 t zusätz­li­ches orga­ni­sches Mate­rial pro ha. „Hülsen­früchte werden von uns haupt­säch­lich zur Boden­pflege ange­baut, aber natür­lich ernten wir sie auch. Sie liefern 20-30 kg Stick­stoff pro ha, den wir im folgenden Jahr an Dünger einsparen.“

Nach der Ernte sät Marcos eine deckende Zwischen­frucht aus, die den Boden schützt, den Gehalt an orga­ni­schem Mate­rial erhöht und die Feuch­tig­keits­spei­che­rung fördert. Insbe­son­dere in Dürre­zeiten merkt er, dass sein Boden mehr Feuch­tig­keit halten kann. Die Wasser­knapp­heit betrifft ihn weniger als andere Betriebe, und durch die Boden­be­de­ckung sichert er seine Erträge ab. Aller­dings bietet die Direkt­aus­saat nicht nur Vorteile, sondern weist auch gewisse Nach­teile auf, wie das Auftreten von Schäd­lingen, die es vorher nicht gab. Beispiels­weise fühlen sich Schne­cken durch die erhöhte Feuch­tig­keit ange­zogen.

Planung mit Daten

Marcos hat Maschi­nenbau studiert, aber seine Leiden­schaft gilt der Land­technik. Er stellt klar: „Präzi­si­ons­land­wirt­schaft ist keine Entwick­lung in der Zukunft, sondern es gibt sie bereits seit Jahren.“ Bei der Planung geht er folgen­der­maßen: „Haupt­säch­lich stütze ich mich auf Ertrags­karten, insbe­son­dere auf die Angaben zur Ernte­menge und dem Feuch­tig­keits­ge­halt des Ernte­guts. Mit dem Traktor kann ich alle Arbeiten aufzeichnen, die ich ausführe. Zu den Daten gehören die Über­fahrten auf jedem Schlag und die wich­tigsten Kenn­zahlen wie Kraft­stoff­ver­brauch, Dreh­zahl, Motor­last und -tempe­ratur sowie der Schlupf der Räder. Außerdem nutze ich eine selbst entwi­ckelte App, die Daten aus unter­schied­li­chen Quellen verar­beiten kann, um die Erstel­lung von Appli­ka­ti­ons­karten zu auto­ma­ti­sieren. So stei­gere ich die Renta­bi­lität und opti­miere die Ressour­cen­nut­zung.“

Der Vergleich verschie­dener Fahr­spuren ermög­licht es, für jeden Schlag die besten Spur­li­nien auszu­wählen.

Marcos opti­miert die Spuren basie­rend auf den Ertrags­karten und den Fahr­wegen der vorhe­rigen Arbeiten.

All diese Daten werden in das John Deere Opera­tions Center über­tragen. Wenn er auf dem Feld unter­wegs ist, kann Marcos über sein Smart­phone jeder­zeit auf die Daten zugreifen. Nachdem er am Ende eines Arbeits­tages nach Hause zurück­ge­kehrt ist, ruft er das Opera­tions Center erneut mit seinem Computer auf. Dann plant er, wie, wann und wo er die nächsten Arbeiten erle­digt. Seine Entschei­dungen hält er in den Appli­ka­ti­ons­karten fest, die er an seinen Traktor sendet. Auf Grund­lage dieser Karten kann die Arbeit dann am nächsten Tag fort­ge­führt werden. Der Maschi­nen­park ist perfekt auf seine Bedürf­nisse abge­stimmt. Er hat einen Traktor, eine Säma­schine, einen Dünger­streuer, eine Spritze und zwei Anhänger. Der Traktor kann fast autonom arbeiten. Er folgt den vorge­ge­benen Spuren auf dem Feld, erle­digt das Wend­ma­növer am Vorge­wende quasi alleine, und die Appli­ka­ti­ons­karten und ISOBUS-Geräte sorgen für die variable Dosie­rung und Ausbrin­gung von Saatgut, Dünger oder Pflan­zen­schutz­mit­teln. Das Lenkrad dient eigent­lich nur noch dazu, den Traktor von der Halle zu den Feldern und von den Felden zur Halle zu fahren.

Fahr­spuren für den Traktor

Marcos hat viele Stunden damit verbracht, die Fahr­spuren für die Feld­ar­beiten des Trak­tors zu verbes­sern. „Ich opti­miere die Spuren basie­rend auf den Ertrags­karten und den Fahr­wegen der vorhe­rigen Arbeiten. Ich erkenne Spuren, bei denen die Arbeits­breite deut­lich geringer ist als das verwen­dete Anbau­gerät, und verbes­sere sie für die nächsten Arbeiten.“ Damit hat er die Zeit pro Feld, den Diesel­ver­brauch und den Verschleiß des Trak­tors erheb­lich redu­ziert.

Luft­auf­nahme des Fami­li­en­be­triebs.

Marcos mit seinem John Deere 6R 185 im Feld.

Zahlt es sich aus?

Marcos verwendet keine Bewäs­se­rungs­an­lagen, d.h. alle seine Feld­früchte sind auf Regen­fälle ange­wiesen. Die durch­schnitt­li­chen Erträgen liegen bei 5,6 t/ha bei Weizen, 5,1 t/ha bei Gerste und 4,6 t/ha bei Hafer. 2025 waren die Nieder­schlags­mengen hoch, aber der Trend der letzten Jahre zeigt, dass die Regen­menge abnimmt. Dank all der Verbes­se­rungen, die Marcos umge­setzt hat, konnte die Produk­tion seit 2015 gestei­gert werden, zum Beispiel bei Weizen um 22 %. „Bei den Betriebs­mit­teln haben wir den Dünge­mit­tell­ein­satz um 22 %, die Pflan­zen­schutz­mittel um 40 % und den Saat­gut­ein­satz um 12 % redu­ziert. Gleich­zeitig haben wir die Renta­bi­lität unseres Betriebs um 30 % gestei­gert und die für jede Aufgabe benö­tigte Zeit verkürzt.“

Der Boden muss gepflegt werden.

Marcos Esteve

Der Diesel­ver­brauch ist von 10.000 l pro Jahr auf nur 3.600 l gesunken. „Jetzt verbrau­chen wir mit dem Traktor 8,4 l Diesel pro Hektar für den Getrei­de­anbau.“ Zwar sind Säma­schinen für die Direkt­aus­saat teurer als konven­tio­nelle Maschinen, doch Marcos‘ Berech­nungen zufolge hat sich die gekaufte Maschine bereits in 5 oder 6 Jahren amor­ti­siert. Seine Inter­essen gehen noch weiter. Derzeit entwi­ckelt Marcos eine Soft­ware­platt­form auf Basis künst­li­cher Intel­li­genz, mit der er seine Arbeit auf dem Feld und damit die Renta­bi­lität des Betriebs weiter opti­mieren möchte.

Wich­tigste erzielte Erfolge:

+ 16 %
bei der Produk­tion

– 22 %
bei Dünge­mit­teln

– 40 %
bei Pflan­zen­schutz­mit­teln

– 22 %
beim Kraft­stoff

– 12 %
beim Saatgut

+ 30 %
Produk­ti­vität

– 20 %
Über­lap­pungen