„Die Silphie ist voller Power“

Sie liefert Biomasse, fördert Boden­frucht­bar­keit und Biodi­ver­sität und hilft dem Gewäs­ser­schutz – die Durch­wach­sene Silphie hat einige Asse im Ärmel. Laut neuesten Studien ist sie für die Ener­gie­ge­win­nung eine Alter­na­tive zu Biogas­mais. Dr. Sieg­fried Schit­ten­helm vom Julius Kühn-Institut verrät, was es mit dieser Pflanze auf sich hat.

Herr Schit­ten­helm, warum suchen Sie über­haupt alter­na­tive Ener­gie­pflanzen?

Es gibt seit geraumer Zeit sehr viel zusätz­li­chen Mais auf unseren Feldern, der für die Biogas­pro­duk­tion gebraucht wird. So viel Mais ist im Sinne einer nach­hal­tigen Land­wirt­schaft nicht gut. Für die Agro­bio­di­ver­sität, die Frucht­bar­keit des Bodens und den Gewäs­ser­schutz braucht es Alter­na­tiven zum Biogas­mais.

Dr. Sieg­fried Schit­ten­helm ist Agrar­bio­loge und arbeitet am Institut für Pflan­zenbau und Boden­kunde des Julius Kühn-Insti­tuts (JKI) in Braun­schweig: Seit etwa 10 Jahren befasst er sich auch mit der Durch­wach­senen Silphie.

Was kann die Silphie beson­ders gut?

Genau das: Viel­falt in die Land­wirt­schaft bringen und Nach­hal­tig­keit sicher­stellen. Einmal gesät kann die Silphie viele Jahre genutzt werden, denn sie ist eine Dauer­kultur. Dadurch ergibt sich ein Kreis­lauf, der weniger am Boden zehrt. Außerdem bildet die Silphie ein tiefes und dichtes Wurzel­werk, das gibt dem Boden mehr Halt – insbe­son­dere bei Stark­regen in Hang­lagen. Nicht zuletzt ist eine ihrer Stärken, dass sie Blüten hat und damit in der Zeit nach der Raps­blüte die Hummeln, Bienen und andere Insekten ernährt.

Wie steht es denn um die eigent­liche Aufgabe der Silphie: Wie gut ist ihr Ertrag an Biomasse?

Unter guten Stand­ort­be­din­gungen produ­ziert die Silphie einen im Vergleich zu Mais ähnli­chen Biomas­seer­trag. Die etwa 15 % nied­ri­gere Methanaus­beute, gleicht sie durch gerin­gere Kosten aus. So spart man beim Anbau Saatgut, Schlep­per­diesel, Dünge- und Pflan­zen­schutz­mittel. Und ganz wichtig aus Natur­schutz­gründen und im Sinne des Gewäs­ser­schutz: die Boden­be­ar­bei­tung entfällt.

Was macht das mit dem Stick­stoff­ge­halt im Boden?

Nach der Mais­ernte verbleibt meist viel Stick­stoff im Boden der mit den Winter­nie­der­schlägen ausge­wa­schen werden kann. Das ist nicht gut für unsere Gewässer. Nach der Ernte der Silphie ist das anders. Der Grund dafür ist folgender: Dadurch, dass die Silphie im Herbst nach der Ernte mit dem Häcksler noch­mals knie­hoch austreibt wird der noch im Boden vorhan­dene mine­ra­li­sche Stick­stoff von der Silphie aufge­nommen und damit vor Auswa­schung geschützt. Der Wieder­aus­trieb ist darüber hinaus auch eine Gratis-Grün­dün­gung.

Eine breite Palette von Nutz­pflanzen ist wichtig für eine nach­hal­tige Land­wirt­schaft.

Dr. Sieg­fried Schit­ten­helm

Neuere Forschungen haben gezeigt, dass während der langen Stand­zeit und Boden­ruhe große Mengen orga­ni­scher Substanz unter der Silphie ange­rei­chert werden. Erst nach dem Umbruch der Dauer­kultur und der Wieder­ein­glie­de­rung des Ackers in die betrieb­liche Frucht­folge kommt es durch Mine­ra­li­sie­rung zu einer hohen Stick­stoff­nach­lie­fe­rung. Dies macht dann ein kluges Stick­stoff-Manage­ment notwendig.

Sollte die Silphie den Mais dann ersetzen?

Nein, keines­falls. Der Mais ist eine tolle Pflanze. Er ist äußerst ertrag­reich und hat kaum Krank­heiten. Es geht nicht darum, ihn zu verdrängen. Aber den Mais auf ein vernünf­tiges Maß zu redu­zieren, ist ein gutes Ziel. Eine breite Palette von Nutz­pflanzen ist wichtig für eine nach­hal­tige Land­wirt­schaft.

So sieht es aus in der Feld­for­schung – wenn die Silphie dem Mais die Stirn bietet.

Was empfehlen Sie für das erste Anbau­jahr?

Im ersten Jahr nach der Aussaat wächst die Silphie nur etwa einen halben Meter hoch und bringt nicht viel Ertrag. Um dennoch etwas ernten zu können, baut man sie am besten als Unter­saat in Mais an. So lässt sich die Etablie­rung der Silphie-Dauer­kultur bereits im Aussaat­jahr mit einer Biomas­seernte von Mais verbinden. Die Pflanze wird dann über die Jahre bis zu drei Meter hoch mit vielen Blüten und großen Blät­tern. Das untere Blatt­werk verliert die Silphie zwar in den fast licht­dichten Beständen, aber auch das ist vorteil­haft, denn der Eintrag von Streu fördert das Boden­leben wie zum Beispiel Regen­würmer, und damit die Boden­frucht­bar­keit.

Der Wasser­be­darf ist nicht zuletzt wegen der großen Blatt­fläche vergleichs­weise hoch. Für die Bildung derselben Menge an Trocken­masse braucht die Silphie 50 % mehr Wasser als Mais. Die Silphie sollte deshalb dort ange­baut werden, wo genü­gend Wasser zur Verfü­gung steht – sei es durch hohe Regen­mengen, einen großen Boden­was­ser­spei­cher oder Grund­was­ser­an­schluss. Als Zwischen­frucht in einer Frucht­folge ist die Silphie wegen der hohen Saat­gut­kosten nicht zu empfehlen.

Wie sollte die Silphie gedüngt werden?

Im Sinne der Nähr­stoffrück­füh­rung sollte die Düngung mit den Gärresten aus Biogas­an­lagen erfolgen.

Und auf wie viel Fläche ist die Pflanze derzeit ange­baut?

Ich kann das nur für Deutsch­land sagen, da liegen wir in diesem Jahr bei etwa 6.000 ha. Die Nach­frage ist in jüngerer Zeit gestiegen, der Anbau gilt hier als soge­nannte „ökolo­gi­sche Vorrang­fläche“ und wird im Rahmen des Gree­ning von der EU geför­dert.

Für die Honig­biene kommt die Blüte der Silphie gerade zur rich­tigen Zeit.

Die Super­power der Silphie

  • hoher Massen­er­trag für Ener­gie­ge­win­nung
  • einmal gepflanzt, kann sie 15 Jahre und mehr auf demselben Acker stehen
  • Sie schützt vor Wasser­ero­sion, da die Boden­be­ar­bei­tung entfällt
  • Pflan­zen­schutz ist kaum nötig
  • Insekten und Vögel finden auf dem Feld einen ruhigen Platz und Nahrung
  • von einem Hektar Silphie wurden schon bis zu 150 kg Honig geerntet
  • Aus den Fasern der Stängel können auch Papier und nach­hal­tige Verpa­ckungen entstehen

Die Eigen­heiten der Silphie

  • Sie ist eine intensiv blühende mehr­jäh­rige Staude
  • Sie braucht vergleichs­weise viel Wasser