Die Ziele des Versuchs waren die Optimierung der Stickstoffnutzungseffizienz (NUE), die Verbesserung des Ausbringungszeitpunkts, das Verständnis für den Einsatz der John Deere HarvestLab Sensortechnologie sowie die Steigerung der Rentabilität. Aber warum ist die Optimierung des Stickstoffeinsatzes so wichtig? „Die Stickstoffdüngung macht 20–40 % der Produktionskosten im Pflanzenbau aus“, erklärt Dr. David Purdy, Territory Business Manager bei John Deere UK. „Bleibt zu viel Stickstoff im Boden, kann dies zu Lagerbildung und Problemen bei der Ernte führen sowie zu Verlusten an Bodenkohlenstoff aufgrund der Beziehung zwischen Kohlenstoff und Stickstoff. Außerdem kann überschüssiger Stickstoff in verschiedenen Formen, etwa als Distickstoffoxid (N₂O) oder Nitrate, durch das Bodenprofil in die Umwelt gelangen, was schädlich sein kann.“ Außerdem können Landwirte unter bestimmten Umständen wegen Umweltverschmutzung strafrechtlich verfolgt werden.

Team und Methode
Die Stickstoffnutzungseffizienz (NUE) misst, wie gut eine Kulturpflanze Stickstoff verwertet. Sie vergleicht, wie viel Stickstoff die Pflanze aufnimmt (Output) mit der Menge an Stickstoff, die ihr zur Verfügung stand (Input – also dem im Boden vorhandenen Stickstoff oder dem über Dünger zugeführten).
Mit Unterstützung von Carl Pitelen, Innovationsmanager beim John Deere Vertriebspartner Ben Burgess, begann der Landwirt James Goodley aus Norfolk in der Anbausaison 2022/23 mit der Einrichtung des ersten Versuchsstandorts. Inzwischen läuft der Versuch im dritten Jahr, und in der Saison 2024/25 wurden zwei weitere Felder ausgewählt. Das erste Feld, „Tivans“, wurde gepflügt und mit einer Kreiselegge gedrillt, während das zweite Feld, „Footpath“, pfluglos direkt gedrillt wurde. Beide Felder verfügen über sandigem Lehmboden und wurden mit Weizen bestellt.
Versuchsaufbau
Auf beiden Feldern wurden fünf unterschiedliche Behandlungsvarianten getestet:
- Null Stickstoff als Kontrolle (NoN)
- 160 kg N/ha, die angestrebte Standarddüngung für den Betrieb (160FS)
- 160kg N/ha plus ein Mikronährstoffpaket, bestehend aus Eisen, Mangan, Molybdän, Kupfer und Zink – Nährstoffe, die eine entscheidende Rolle bei der Stickstoffverwertung in der Pflanze spielen (160+micro)
- 220 kg N/ha, die derzeit empfohlene Menge und aktueller Betriebsstandard (220)
- Eine Anwendung nach den Empfehlungen des Framework for Improving Nitrogen Efficiency (FINE): 230 kg N/ha für „Tivans“ und 205 kg N/ha für „Footpath“ (FINE 230 / FINE 205)
Das FINE-Versuchsdesign wurde von Clive Blacker und Joe Walters entwickelt, beide vom Projektpartner DataBaler. „Das Projekt wird von Innovate UK unterstützt“, erklärt David. „Bei der Stickstoffausbringung berücksichtigen sie das Wachstumsstadium der Kultur und die Bodenbedingungen. Ein besonderer Fokus liegt auf die Bodenfeuchtigkeit. Die Integration dieses Ansatzes in unsere Feldversuche war für uns äußerst erkenntnisreich.“
Jede der Behandlungen wurde dreifach wiederholt und randomisiert. Die Daten zur Ermittlung der NUE wurden hauptsächlich durch Drohnenflüge, den John Deere HarvestLab Nahinfrarot-(NIR)-Sensor am Mähdrescher, ein SPAD-Messgerät (Soil Plant Analysis Development) sowie Bodenproben und manuelle Messungen wie Pflanzenzählungen erhoben.


Die Ergebnisse
Für die Analyse wurden die Daten zu Stickstoffzufuhr und -abfuhr in den Agronomy Analyser hochgeladen. Dieses Tool ermöglicht die Erstellung von georeferenzierten Parzellen sowie die präzise Erfassung aller Inputs und Outputs. So können die Versuche ohne den Einsatz spezieller Versuchstechnik wie beispielsweise eines Parzellenmähdreschers durchgeführt werden. Die Software wurde von John Deere entwickelt und wird vor Ort von Ben Burgess genutzt. Die Arbeiten auf dem Feld werden mit den im Betrieb vorhandenen Maschinen erledigt.
Der durchschnittliche Ertrag des pfluglos bestellten Feldes „Footpath“ (7,43 t/ha) lag rund 6 % höher als der des konventionell bearbeiteten Feldes „Tivans“ (7,02 t/ha) und das obwohl die Düngermenge auf „Footpath“ mit 207 kg/ha fast 11 % geringer war als die 232 kg/ha auf „Tivans“. Gleichzeitig wurde bei der Stickstoffversorgung aus dem Boden mit 71 kg/ha für „Footpath“ deutlich höherer Wert gemessen als die 56 kg/ha für „Tivans“.



Die Auswertung der Erträge der verschiedenen Versuchsvarianten lieferten folgendes Bild. Die Null-Stickstoff-Parzellen erzielten erwartungsgemäß die niedrigsten Werte: 4,70 t/ha auf „Tivans“ und 4,93 t/ha auf „Footpath“. In beiden Feldern lieferte die FINE-Behandlung mit gezieltem Stickstoffausbringungszeitpunkt die höchsten Erträge: 7,93 t/ha auf „Tivans“ und 8,67 t/ha auf „Footpath“.
Die zweithöchsten Erträge wurden auf den Parzellen mit 220 kg/ha Stickstoff erzielt (7,65 t/ha auf „Tivans“ und 8,08 t/ha auf „Footpath“). In den Varianten mit 160 kg/ha Stickstoff plus Mikronährstoffpaket lagen die Erträge ebenfalls höher: 7,47 t/ha gegenüber 7,72 t/ha auf „Tivans“ und 7,58 t/ha gegenüber 8,01 t/ha auf „Footpath“.
Beim Rohproteingehalt zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Er stieg mit der Stickstoffmenge sowie durch die Zugabe des Mikronährstoffpakets. In der FINE-Variante war der Rohproteingehalt auf „Tivans“ leicht höher als auf „Footpath“.
Die niedrigsten Rohproteinwerte wurden in den Null-Stickstoff-Parzellen mit lediglich 9,5 % auf beiden Feldern gemessen. Die höchsten Werte von über 12 % traten bei den Varianten mit hoher Stickstoffgabe (220 kg/ha) sowie bei der FINE-Behandlung auf. Die Ergebnisse waren in beiden Feldern vergleichbar. Ein mittlerer Rohproteingehalt von rund 10,5 % wurde bei den Varianten mit 160 kg/ha Stickstoff festgestellt, dabei waren die Ergebnisse in beiden Feldern nahezu identisch.
Ertrag t/ha
FINE lieferte auf beiden Feldern die höchsten Erträge.
Versuchsfeld Tivans – konventionell, Stickstoffversorgung aus dem Boden = 56 kg/ha, Durchschnittsertrag 7,02 t/ha

Versuchsfeld Footpath – pfluglos, Stickstoffversorgung aus dem Boden = 71 kg/ha, Durchschnittsertrag 7,43 t/ha

Die wirtschaftliche Perspektive
Am Ende zählt für den Landwirt jedoch vor allem der Nettogewinn. „Wir suchen nach dem ökonomischen Optimum“, erklärt Carl Pitelen. Der Weizenpreis lag bei 182 €/t und die Stickstoffkosten bei 418 €/t. Um die wirtschaftlich vorteilhafteste Variante zu ermitteln, wurden die Erlöse abzüglich der Stickstoffkosten berechnet. Bei dieser Betrachtung stachen insbesondere die Variante mit 160 kg/ha Stickstoff plus Mikronährstoffpaket sowie die FINE-Behandlung auf dem Feld „Footpath“ hervor.
Erlös abzüglich Stickstoffkosten €/ha
Die besten wirtschaftlichen Ergebnisse wurden mit dem 160 kg/ha N plus Mikronährstoff-Paket und FINE erzielt.
Versuchsfeld Tivans – konventionell, Stickstoffversorgung aus dem Boden = 56 kg/ha, Durchschnittsertrag 7,02 t/ha

Versuchsfeld Footpath – pfluglos, Stickstoffversorgung aus dem Boden = 71 kg/ha, Durchschnittsertrag 7,43 t/ha

Stickstoffnutzungseffizienz (NUE)
Um Vertrauen der Kunden in die Genauigkeit der John Deere Technologie aufzubauen, wurden Messungen eines mobilen sowie eines stationären HarvestLab NIR-Sensors mit Laborergebnissen, ermittelt mit branchenüblichen Geräten, verglichen. „Wir haben eine lineare Regressionsanalyse der Daten durchgeführt und eine starke Korrelation zwischen den HarvestLab-Messungen und den Laborwerten festgestellt. Das zeigt, dass der John Deere HarvestLab NIR-Sensor eine zuverlässige, Echtzeit-Proteinmessung liefert“, erklärt David Purdy. „Damit ist er ein wertvolles Werkzeug für das präzise Stickstoffmanagement sowie für die Sortierung von Mahlweizen-Chargen, die dem Landwirt einen Aufpreis von 23 bis 57 €/t einbringen können.“
NUE %
Die Variante mit 160 kg/ha Stickstoff und Mikronährstoffen erweist sich als besonders effizient bei der Nutzung des bereitgestellten Stickstoffs.
Versuchsfeld Tivans – konventionell, Stickstoffversorgung aus dem Boden = 56 kg/ha, Durchschnittsertrag 7,02 t/ha

Versuchsfeld Footpath – pfluglos, Stickstoffversorgung aus dem Boden = 71 kg/ha, Durchschnittsertrag 7,43 t/ha

Zurück zur Effizienz: Wie erwartet wurde die höchste NUE von über 100 % auf den Parzellen ohne Düngung gemessen, da während der Vegetationsperiode zusätzlicher Bodenstickstoff mobilisiert wird. Allerdings liefert diese Methode die schlechtesten wirtschaftlichen Ergebnisse und entzieht dem Boden langfristig Stickstoff, was langfristig die Vorräte erschöpft und den Boden auslaugt. Ähnlich wie bei der Wirtschaftlichkeitsanalyse erwiesen sich die Parzellen mit 160 kg/ha Stickstoff plus Mikronährstoffpaket als besonders effizient in der Nutzung des verfügbaren Stickstoffs. Eine mögliche Erklärung liegt in der Rolle des Molybdäns für das Stickstoffmanagement in der Pflanze. Eine vergleichbare NUE lässt sich auch mit der FINE-Variante erzielen.
„Natürlich macht es für den Landwirt keinen Sinn, ganz auf Stickstoff zu verzichten. Aber wenn wir Stickstoff intelligent einsetzen, wie unsere Berechnungen zeigen, können Landwirte deutlich höhere Deckungsbeiträge erzielen“, betont David Purdy.
Über Ben Burgess
Ben Burgess ist auch heute noch ein echtes Familienunternehmen wie 1963, als es einer der beiden ersten John Deere Händler wurde. Bereits seit 1931 bediente das Unternehmen landwirtschaftliche Kunden in East Anglia und begann 1962 mit der Lieferung von Geräten für die Grünflächenpflege.
Heute betreuen spezialisierte Teams eine vielfältige Kundschaft in Norfolk, Suffolk, Cambridgeshire, Essex, Bedfordshire, Northamptonshire, Lincolnshire und Rutland. Dazu gehört ein 14-köpfiges Precision Technologies Team, das Landwirten hilft, ihre Maschinen mithilfe führender Technologien für eine nachhaltigere und profitablere Bewirtschaftung zu optimieren.
Neben John Deere vertreibt Ben Burgess auch andere Premium-Marken wie Väderstad, Kramer, Grimme, Kuhn und Timberwolf. Damit ergänzt das Unternehmen das John Deere Sortiment und legt besonderen Wert auf hohe Fachkompetenz sowie exzellenten Kundenservice in der gesamten Unternehmensgruppe.
