Schnecken bleiben für viele britische Ackerbaubetriebe eine der größten Herausforderungen im Pflanzenschutz, besonders seit dem Verbot von Metaldehyd. Kulturen wie Weizen, Kartoffeln und Raps sind weiterhin stark von Schneckenfraß befallen. In der Praxis setzen viele Betriebe deshalb vor allem auf Eisenphosphat-Granulate.
Für Bionema, einen Entwickler biologischer Pflanzenschutztechnologien, ergeben sich daraus neue Möglichkeiten. Das Unternehmen arbeitet an einer biologischen Alternative auf Basis natürlich vorkommender Pilzendophyten. Diese Organismen verbringen zumindest einen Teil ihres Lebenszyklus in Pflanzen, ohne sie zu schädigen.
Dr. Minshad Ansari, Gründer und Geschäftsführer von Bionema, beziffert die jährlichen Schäden durch Schnecken in der britischen Landwirtschaft auf rund 117 Mio. €. „Seit dem Verbot von Metaldehyd im Jahr 2022 ist im Grunde nur noch ein wichtiges Produkt am Markt. Es ist weniger giftig als Metaldehyd, doch die Erzeuger suchen weiterhin nach wirksameren Lösungen.“

Im Mittelpunkt der Forschung stehen pilzliche Endophyten, die natürlicherweise in Gräsern vorkommen. Sie können Verbindungen bilden, die Schädlinge abwehren und Pflanzen widerstandsfähiger machen. „Das Konzept basiert auf einem natürlichen System, das es bereits gibt“, erklärt Ansari. „Die Pilze im Gras produzieren Stoffe, die Schädlinge abschrecken und die Widerstandskraft der Pflanzen stärken können.“
Vom Labor aufs Feld
Erste Tests deuten darauf hin, dass die Pellets Schnecken kurz nach der Aufnahme vom Weiterfressen abhalten. Für die Praxis könnte genau das entscheidend sein. „Für Landwirte zählt nicht unbedingt, wie schnell eine Schnecke stirbt, sondern dass sie sofort aufhört zu fressen“, sagt Ansari. Parallel untersucht das Unternehmen, wie stabil die Pellets unter feuchten Bedingungen bleiben. Ein wichtiger Punkt, denn anhaltender Regen erschwert die Schneckenbekämpfung zusätzlich.

Ansari ist überzeugt, dass biologische Produkte künftig eine größere Rolle spielen werden, wenn Betriebe ihre Abhängigkeit von konventionellen chemischen Wirkstoffen verringern wollen. „Biologische Erzeugnisse bieten nicht nur Alternativen, sondern schaffen auch einen Mehrwert entlang der gesamten Lebensmittelproduktionskette“, sagt er. „Wir brauchen mehr Produkte am Markt, denn die Reduzierung synthetischer Inhaltsstoffe und die Verringerung der Umweltbelastung werden immer wichtiger.“ Noch bremst allerdings die Regulierung die Entwicklung. „Andernfalls könnten wir das Produkt bereits im kommenden Jahr auf den Markt bringen“, so Ansari.
Biologische Erzeugnisse bieten nicht nur Alternativen, sondern schaffen auch einen Mehrwert entlang der gesamten Lebensmittelproduktionskette.
Dr. Minshad Ansari

Biologische Fungizide im Blick
Auch am Rothamsted Research Institut wird an biologischen Alternativen geforscht. Dort untersuchen Wissenschaftler, ob flüchtige Verbindungen, die von Pilzen freigesetzt werden, künftig herkömmliche Fungizide ergänzen könnten. Dr. Jozsef Vuts, leitender Wissenschaftler im Bereich chemische Ökologie, war an einer Studie beteiligt, die sich mit Verbindungen aus Trichoderma beschäftigte. Der Pilz ist bereits dafür bekannt, Pflanzenpathogene zu unterdrücken.
Die gemeinsam mit der Universität Exeter durchgeführte Arbeit konzentrierte sich auf Sclerotinia. Diese bedeutende bodenbürtige Krankheit befällt unter anderem Raps, Kartoffeln, Möhren und Sonnenblumen. Für die Versuche züchteten die Forschenden Trichoderma-Kulturen im Labor und analysierten anschließend die flüchtigen organischen Verbindungen, die von den Pilzen abgegeben wurden. Kam Trichoderma mit Sclerotinia in Kontakt, veränderte sich das Profil dieser Stoffe: Einige wurden in größeren Mengen freigesetzt, andere traten erst während der Wechselwirkung auf.

„Das wichtigste Ergebnis war die Identifizierung einer natürlich produzierten Verbindung mit starker hemmender Wirkung“, erklärt Vuts. Besonders 1-Octen-3-ol zeigte in Laborversuchen eine deutliche Wirkung gegen das Pilzwachstum.
„Die Verbindung wirkte nicht nur gegen Sclerotinia, sondern auch gegen Schwarzbeinigkeit bei Weizen, Helle Blattfleckenkrankheit und Grauschimmel. Da es sich bislang um Laborforschung handelt, wären die nächsten Schritte kleine Feldversuche und schließlich Versuche im größeren Feldmaßstab“, sagt Vuts. „Diese Verbindungen stammen aus natürlichen biologischen Systemen und nicht aus der synthetischen Chemie. Wenn sie sicher und wirksam formuliert werden können, könnten sie künftig wertvolle zusätzliche Werkzeuge im Krankheitsmanagement sein.“
Teil eines größeren Wandels
Biologische Produkte werden konventionelle chemische Pflanzenschutzmittel kurzfristig wohl nicht vollständig ersetzen. Beide Forscher gehen jedoch davon aus, dass sie innerhalb integrierter Pflanzenschutzstrategien an Bedeutung gewinnen. Denn der regulatorische Druck steigt, und viele Betriebe suchen nach nachhaltigeren Wegen, Schädlinge und Krankheiten zu kontrollieren. Biologische Lösungen bewegen sich damit zunehmend aus der Nische in Richtung praktischer Anwendung auf dem Feld.