Helle Gerste zur Klima­an­pas­sung

Die Steue­rung des Chlo­ro­phyll­ge­halts in der Pflan­zen­züch­tung erweist sich als viel­ver­spre­chender Ansatz, um die Wider­stands­fä­hig­keit von Kulturen zu erhöhen und gleich­zeitig ihren Stick­stoff­be­darf zu redu­zieren.

Unter expe­ri­men­tellen Bedin­gungen können Pflanzen wie Tabak, Kartoffel oder Weizen durch Opti­mie­rung der Photo­syn­these 10 bis 40 % mehr produ­zieren, während die Evapo­tran­spi­ra­tion bei chlo­ro­phyll­re­du­zierter Gerste unter Wasser­stress um 40 bis 50 % sinkt. Lassen sich diese Ergeb­nisse, die im Labor durch gentech­ni­sche Verän­de­rung erzielt wurden, durch in der konven­tio­nellen Züch­tung repro­du­zieren? Ziel des fran­zö­si­schen Greens­cale Projekts ist es, den Nutzen hellerer Gers­te­li­nien mit redu­ziertem Chlo­ro­phyll­ge­halt zu bewerten. Dieser Züch­tungs­an­satz wurde bisher kaum erforscht.

Hellere Pflanzen werden meist aussor­tiert, weil diese Ausprä­gung als Hinweis auf Nähr­stoff­mängel oder Krank­heiten gilt. „Die Lite­ratur zeigt aller­dings, dass die Erträge stabil bleiben oder sich sogar verbes­sern können, wenn die hellere Farbe nur auf den Chlo­ro­phyll­ge­halt zurück­zu­führen ist“, erklärt Dr. Fabien Chardon, Wissen­schaftler und Projekt­ko­or­di­nator am IJPB. „Bei modernen Kultur­pflanzen bekommen die oberen Blätter oft mehr Licht, als sie nutzen können, während die unteren Blätter hinter ihrem Poten­zial zurück­bleiben“, so der Forscher. Bezogen auf den Gesamt­be­stand könnten weniger pigmen­tierte Blätter zu einer höheren Licht­ver­füg­bar­keit für die unteren Blätter führen.

Doppelte Frage­stel­lung

Die in diesem Jahr vom fran­zö­si­schen Institut Arvalis gestar­teten Feld­ver­suche zielen darauf ab, chlo­ro­phyl­larme Linien in einer Viel­zahl von Nähr­stoff-, Wasser- und Klima­be­din­gungen zu testen. Die Daten sollen es ermög­li­chen, die Funk­ti­ons­weise der Kultur­pflanze sowie deren ökolo­gi­sche Auswir­kungen in unter­schied­lichsten Szena­rien zu model­lieren. Dabei sollen Linien iden­ti­fi­ziert werden,
die poten­ziell wider­stands­fä­higer gegen­über Trocken­heit sind. Jenseits des opti­malen Chlo­ro­phyll­ge­halts dissi­pieren Pflanzen über­schüs­siges Licht aktiv als Wärme. „Man hofft durch eine leichte Verrin­ge­rung der Pigmen­tie­rung die Tempe­ratur des Blät­ter­dachs und damit die Evapo­tran­spi­ra­tion etwas zu senken.“ 

Ein weiteres Ziel ist die Verrin­ge­rung des Stick­stoff­be­darfs. In der vege­ta­tiven Phase wird die Hälfte des Blatt­stick­stoffs für Proteine genutzt, welche die Licht­sam­mel­kom­plexe bilden und sich mit den Chlo­ro­phyll­mo­le­külen verbinden. Die Hypo­these ist, dass weniger grüne Pflanzen auch weniger Proteine für den Aufbau dieser Komplexe benö­tigen. „Wir wollen fest­stellen, ob dies tatsäch­lich zu einer gerin­geren Stick­stoff­auf­nahme führt, und verstehen, wie diese Proteine während des Wachs­tums und der Korn­fül­lung umver­teilt werden.“ Dies könnte zu einer Verrin­ge­rung der CO2-Bilanz und der Dünge­mit­tel­kosten führen. „Die Lite­ratur legt nahe, dass durch eine gezielte Begren­zung des Chlo­ro­phylls, die den Ertrag nicht beein­träch­tigt, eine Stick­stoff­ein­spa­rung von 5 bis 10 % bei Getreide möglich ist“, erklärt Dr. Fabien Chardon.