ErntemaschinenUrlaub auf dem Mähdre­scher

Seit seiner Kind­heit ist Dirk Weigand faszi­niert von Mähdre­schern. Heute arbeitet er neben­be­ruf­lich als selbst­stän­diger Lohn­un­ter­nehmer im rhein­land-pfäl­zi­schen Hoch­stätten und hat sich damit einen Lebens­traum erfüllt. LU im Neben­er­werb?! Wir haben ihn besucht und gefragt, wie das geht.

Herr Weigand, was faszi­niert Sie so daran, auf einem Mähdre­scher zu sitzen?

Ich liebe die Natur. Schon mit acht Jahren bin ich lieber auf der Leiter eines Mähdre­schers mit über die Felder gefahren, statt mit anderen Kindern ins Schwimmbad zu gehen. Die Ernte faszi­niert mich, weil man da den Lohn der Arbeit einfährt, die man das ganze Jahr über geleistet hat. Beson­ders span­nend fand ich dabei schon immer die Maschinen, die das leisten: Dass da vorne das Getreide rein­läuft und hinten Stroh raus­fällt – und das gedro­schene Getreide in den Korn­tank läuft. Dieses Zusam­men­spiel aus Natur und Technik begeis­tert mich.

Wann sind Sie vom Zuschauer in die aktive Rolle gewech­selt?

Mit sieb­zehn Jahren war ich endlich alt genug, um bei einem Lohn­un­ter­nehmer zu lernen, wie man einen Mähdre­scher fährt. Das war ein echtes Glücks­ge­fühl für mich. Schon im ersten Jahr durfte ich ein paar Tage alleine fahren. Seitdem bin ich in jeder Saison dabei – seit dreißig Jahren. Haupt­be­ruf­lich arbeite ich den Groß­teil des Jahres in der öffent­li­chen Verwal­tung, das Lohn­un­ter­neh­mertum ist sozu­sagen ein Hobby von mir. Vor acht Jahren habe ich mich dazu entschlossen, auf eigene Rech­nung zu fahren.

Dirk Weigand arbeitet als Lohn­un­ter­nehmer im Mähdrusch – neben einem Voll­zeitjob in der öffent­li­chen Verwal­tung.

Ein Hobby, aus dem dann Ihr eigenes Unter­nehmen entstand …

Das ist richtig. Vor acht Jahren habe ich den Entschluss gefasst, nicht mehr für andere, sondern auf eigene Rech­nung zu fahren. Dieser Idee folgten viele lange Nächte mit Gesprä­chen mit meiner Part­nerin, Termine bei der Bank und Rechen­spiele, wie ich das Ganze angehen muss, damit es funk­tio­niert. Natür­lich haben mich da einige für verrückt erklärt, schließ­lich ist die Anschaf­fung eines Mähdre­schers durchaus eine große Inves­ti­tion.

Von diesen Zwei­feln haben Sie sich nicht abschre­cken lassen?

Mähdre­scher

Profi­tieren Sie von gewal­tigem Durch­satz, extrem wenig Bruch­korn, Hoch­leis­tungs­ern­te­vor­sätzen und Ersatz­teil­lie­fe­rung inner­halb von 24 Std.Zu den Mähdre­schern

Nein, denn mir war klar, dass ich hier die Chance habe, mir einen Lebens­traum zu verwirk­li­chen. Außerdem wusste ich, dass meine Familie zu hundert Prozent hinter mir steht. Das gibt die Kraft, die man für solche Entschei­dungen braucht. Also schaffte ich mir zunächst einen W540 Mähdre­scher von John Deere an und star­tete mit dem in meine erste Saison als selbst­stän­diger Lohn­un­ter­nehmer.

Wie sind Sie zu Beginn an Kunden gekommen?

Schon vor dem Schritt in die Selb­stän­dig­keit habe ich viele Land­wirte gefragt, ob sie mich beauf­tragen würden. So hatte ich schnell eine gewisse Hekt­ar­fläche zusammen, die mir die Sicher­heit gab, dass sich die Maschine trägt. Zudem war es ja so, dass ich lange in einem anderen Betrieb gefahren bin und viele Land­wirte kannte. Da ist dann der eine oder andere zu mir gewech­selt, weil er mit meiner Arbeit zufrieden war. Hier im Dorf haben zu dieser Zeit auch Land­wirte alte Mähdre­scher abge­geben, die sie hätten ersetzen müssen. Die haben dann auch gesagt: „Wenn es hier im Dorf jemand gibt, dann lassen wir den das machen.“

Dirk Weigand und seine Part­nerin Angela Acker sind ein einge­spieltes Team.

Wie hat sich der Betrieb seitdem entwi­ckelt?

Ich hatte schnell viele Aufträge und konnte meine Maschine voll auslasten. So war ich während der Ernte­zeit jeweils fast im gesamten mögli­chen Zeit­fenster gebucht. Da wurde klar, dass ich auch noch eine zweite Maschine mit Fahrer auslasten könnte. Deshalb schaffte ich mir einen weiteren, größeren Mähdre­scher an: den John Deere C670i Mähdre­scher Hill­master. Ein Freund von mir, der haupt­be­ruf­lich als Lehrer arbeitet, und ich fahren nun die beiden Maschinen. So können wir während der Ernte­zeit mehrere Kunden an einem Tag bedienen oder mit geballter Schlag­kraft an einer Stelle arbeiten.

Warum haben Sie sich für Mähdre­scher von John Deere entschieden?

Ein wich­ti­gerer Punkt war der ausge­reifte Hang­aus­gleich der Maschinen. 70 bis 80 Prozent der Gebiete, in denen ich arbeite, sind im Hang­be­reich. Da fährt man auf einer solchen Maschine einfach entspannter – gerade, da so ein Arbeitstag auf dem Feld schon mal bis zu 16 Stunden dauert. Der Hang­aus­gleich sorgt außerdem für bessere Ernte­güte, da das Getreide gerade durch die Maschine geför­dert wird.

Neben diesen Vorteilen war ich auch von der einfa­chen Hand­ha­bung angetan. Sowohl die Bedie­nung als auch die Wartung der Maschinen liegt mir einfach. Wenn mal etwas klemmt, kann ich es entweder selbst repa­rieren oder habe einen Land­ma­schi­nen­händler greifbar, der mich unter­stützen kann.

Was sagt Ihre Familie dazu, wenn Sie Ihren Urlaub regel­mäßig auf dem Feld verbringen?

So wie ich das hand­habe, kann man das nur machen, wenn die Familie voll hinter einem steht. Meine Lebens­part­nerin unter­stützt mich neben ihrem Voll­zeitjob, wo immer es geht. Sie macht die Planung für die Einsätze und spricht mit Kunden, wenn mal etwas schief geht. Außerdem fährt sie auch mal ein paar Stunden zu einem Händler, um dort ein Ersatz­teil zu besorgen, wenn das während der Ernte notwendig wird.

Vor und nach der Saison bleiben uns als Familie dann auch ein paar Tage für einen Erho­lungs­ur­laub übrig. Im Früh­jahr fahren wir tradi­tio­nell gemeinsam an die Nordsee, im Herbst dann nochmal für eine Woche in die Berge nach Südtirol zum Wandern.

Beim Mähdrusch setzt Dirk Weigand auf den W540 und den C670i.

Und wie findet es Ihr Arbeit­geber, wenn Sie an Ihren freien Tagen weiter­ar­beiten, statt sich zu erholen?

Das hört sich jetzt viel­leicht lustig an, aber für mich ist die Arbeit als Lohn­un­ter­nehmer wie Urlaub! Ich bin mein eigener Herr, darf unter freiem Himmel eine der Maschinen fahren, die mich so faszi­nieren, und sehe jeden Abend, was ich geleistet habe. Es heißt nicht umsonst: „Ohne Land­wirte kein Leben.“ Es freut mich, Teil dieser Kette zu sein. Wenn ich dann sonn­tag­mor­gens in ein Bröt­chen beiße, kommt das Mehl viel­leicht sogar von dem Korn, das ich geerntet habe.

Ich bin sehr dankbar, dass mein Arbeit­geber mir die Flexi­bi­lität gewährt, die ich für diesen Neben­beruf brauche. Meis­tens reiche ich Anfang des Jahres drei bis vier Wochen Urlaub für die Ernte­zeit ein. An den Regen­tagen während dieser Periode kann ich dann ins Büro kommen und die Tage im Gegenzug dann frei­nehmen, wenn die Ernte wieder möglich ist.

Welche Schat­ten­seiten hat der Beruf aus Ihrer Sicht?

Natür­lich sind wir Lohn­un­ter­nehmer wie die Land­wirte extrem abhängig vom Wetter. Dieses Jahr war für die Bauern nicht optimal, für uns Lohn­un­ter­nehmer aller­dings top, weil wir durch stabile Tempe­ra­turen und Trocken­heit sehr kalku­lier­bare Bedin­gungen hatten. Das war auch schon ganz anders und kann sich auch im nächsten Jahr schon wieder ändern. Gerade wenn das Wetter weniger stabil ist, kann der Job schon stressig werden, wenn alle Kunden meine Dienste inner­halb eines sehr kleinen Zeit­fens­ters in Anspruch nehmen wollen.

Stich­wort Zukunft: Was haben Sie sich für die nächsten Jahre vorge­nommen?

Die Größe des Betriebs passt gut zu dem, was ich mir vorge­nommen habe. Ich bin jetzt 48 Jahre. Wenn ich mit meinem Unter­nehmen noch die nächsten zehn bis 15 Jahre gesund bestreiten kann, wäre ich damit schon sehr zufrieden. Dann kann ich gemeinsam mit den Mähdre­schern in den Ruhe­stand gehen.