Frucht­folgen neu gedacht: Weniger Betriebs­mittel, bessere Böden

Chris Leslie versteht rege­ne­ra­tive Land­wirt­schaft nicht als einzelne Methode, sondern als ganz­heit­li­chen Ansatz. Gemeinsam mit seinem Geschäfts­partner James Hopkinson entwi­ckelt er deshalb Anbau­sys­teme, die weniger auf externe Betriebs­mittel ange­wiesen sind und stärker mit den natür­li­chen Prozessen im Boden arbeiten.

„Rege­ne­ra­tive Land­wirt­schaft und gesunde Ernäh­rung rücken welt­weit stärker in den Fokus. Ich hoffe sehr, dass diese Entwick­lung anhält, denn genau daran arbeiten wir“, sagt Chris Leslie. Gemeinsam mit James Hopkinson leitet er Cloud Farming, eine Part­ner­ge­sell­schaft für Vertrags­land­wirt­schaft mit Sitz in Mittel- und Südschott­land. Das Unter­nehmen bewirt­schaftet über 600 ha Land und legen dabei großen Wert auf den Anbau von Zwischen­früchten. Aufgrund der großen räum­li­chen Vertei­lung ihrer Flächen haben die beiden es mit sehr unter­schied­li­chen Boden­arten zu tun und müssen zugleich erheb­liche klima­ti­sche Heraus­for­de­rungen meis­tern.

Frucht­folge nach Boden und Klima planen

Zwei Jahr­zehnte lang war Chris Leslies Blick auf die Land­wirt­schaft vor allem von einem Ziel geprägt, mit möglichst boden­scho­nenden Verfahren wie Min-Till und No-Till hohe Erträge zu erzielen. Der eigent­liche Wende­punkt kam erst mit seinem Wechsel nach East Lothian. Der Betrieb, in dem er dort zu arbeiten begann, beschäf­tigte sich bereits seit längerer Zeit mit umwelt­freund­li­cheren Anbau­me­thoden. „Wir standen noch ganz am Anfang und der Boden war noch nicht dort, wo er sein sollte“, erin­nert er sich.

Je inten­siver er sich mit No-Till ausein­an­der­setzte, desto klarer wurde ihm, dass Direkt­saat allein nicht die Lösung ist. „Es geht nicht um die Direkt­saat, die Maschine oder darum, was man auf die Kultur ausbringt. Entschei­dend sind die Zwischen­früchte und der Boden und dass man beides in die rich­tige Balance bekommt.“

Gemeinsam mit James Hopkinson leitet Chris Leslie Cloud Farming, eine Part­ner­ge­sell­schaft für Vertrags­land­wirt­schaft, und bewirt­schaftet über 600 ha Land, auf dem Zwischen­früchte ange­baut werden.

Die Region ist geprägt von schweren, stei­nigen Böden und roten Lehm­böden, die im Früh­jahr durch die vorherr­schenden Winde rasch austrocknen können. Hinzu kommen deut­lich kühlere Bedin­gungen auf einigen der weiter nörd­lich gele­genen Betriebe, was die Bewirt­schaf­tung zusätz­lich erschwert. Außerdem wachsen viele stick­stoff­bin­dende Zwischen­früchte wie Klee in kälteren Klima­zonen schlichtweg nicht. Ebenso muss die Maschi­nen­technik sorg­fältig ausge­wählt und an die unter­schied­li­chen Bedin­gungen anpassbar sein.

Nachdem sie mehrere Drill­saat­s­ys­teme getestet hatten, entschieden sich die beiden Land­wirte schließ­lich für eine John Deere 750A. Mit einer Arbeits­breite von 6 m schafft sie eine hohe Flächen­leis­tung, was beson­ders bei engen Zeit­fens­tern für die Aussaat von Vorteil ist. „Das Timing ist absolut entschei­dend“, meint der Land­wirt.

Frucht­folge bei Cloud Farming

Die Zwischen­frucht­mi­schung vari­iert.

Die passende Zwischen­frucht finden

Bei der Planung der Zwischen­früchten in der Frucht­folge müssen die Vorfrucht, die Bodenart, die Boden­qua­lität und das Klima berück­sich­tigt werden. „Wir analy­sieren unsere Flächen laufend“, sagt Chris Leslie. Die enge Zusam­men­ar­beit mit land­wirt­schaft­li­chen Forschungs­ein­rich­tungen im Verei­nigten König­reich, darunter der Agri­cul­tural Deve­lo­p­ment and Advi­sory Service (ADAS) und das Yield Enhance­ment Network (YEN), half ihm, Frucht­folgen syste­ma­ti­scher zu betrachten und Zwischen­früchte gezielter in sein Anbau­system zu inte­grieren.

Nachdem sie verschie­dene Tech­niken zur Aussaat von Zwischen­früchten auspro­biert hatten, darunter die Breit­saat mit einer umge­bauten Feld­spritze und mit Stroh­re­chen, öffnete eine Studi­en­reise nach Frank­reich den beiden wirk­lich die Augen für die verfüg­baren Möglich­keiten. 

Chris Leslie nutzt das John Deere Opera­tions Center, um Lenk­spuren für seine Maschinen zu planen, Sorten zu doku­men­tieren und variable Aussaat­karten an die Säma­schine zu über­tragen – hier zu sehen beim Einsatz des JD 8300 mit der 750A.
Mit einer Arbeits­breite von 6 m schafft die 750A eine hohe Flächen­leis­tung.

In Frank­reich schreibt die Gesetz­ge­bung eine Boden­be­de­ckung bis Weih­nachten vor, was zu umfang­rei­chen Versu­chen mit Zwischen­früchten geführt hat. Chris Leslie und James Hopkins konnten verschie­dene Aussaatt­ech­niken aus erster Hand miter­leben, von Drohnen und Schei­ben­sä­ma­schinen bis hin zu Zinken­sä­ma­schinen und Kombi­na­tionen aus Kreis­el­egge und Säma­schine. „Die Viel­falt der ange­bauten Kulturen und die daraus resul­tie­rende Boden­struktur waren einfach umwer­fend“, sagt Chris Leslie.

Durch weitere Fort­bil­dungen auf Konfe­renzen lernten sie weitere nütz­liche Zwischen­früchte kennen, wie zum Beispiel Orni­thopus (Vogelfuß-Klee). Als schnell wach­sende, dicht bewur­zelte stick­stoff­bin­dende Pflanze trägt sie zur Verbes­se­rung der Boden­struktur und zur Förde­rung des Nähr­stoff­kreis­laufs bei. 

Zwischen­früchte werden ange­baut, um:

  • den Boden zu schützen
  • Unkraut zu bekämpfen
  • Stick­stoff zu binden
  • die Boden­struktur zu verbes­sern

Bei der Auswahl einer Zwischen­frucht geht es nicht nur darum, einen Sack Saatgut zu bestellen. Viel­mehr muss der Anbau sorg­fältig geplant werden. Dabei gilt es Rück­sicht darauf zu nehmen, was auf dem jewei­ligen Boden und unter den jewei­ligen Bedin­gungen funk­tio­niert. Letzt­end­lich muss die Zwischen­frucht Unkraut unter­drü­cken, Schäd­lings­be­fall verhin­dern und entweder eine bestehende Kultur schützen, falls die sie bereits vor der Ernte ausgesät wird, oder dem Boden zugu­te­kommen. 

Frucht­folgen neu zusam­men­setzen

Auf der Grund­lage von wert­vollen Infor­ma­tionen über Zwischen­frucht­op­tionen, die den Winter über­stehen können, hat Chris Leslie sein Anbau­kon­zept an die jewei­ligen Bedin­gungen ange­passt. Im nunmehr dritten Jahr umfasst es eine Mischung aus Bohnen, Winter-Zottel­wicke, äthio­pi­schem Senf und Orni­thopus. Die Bohnen wurden zuvor als Markt­frucht ange­baut, doch aufgrund schwan­kender Erträge zwischen 2 und 7 t/ha sowie knapper Gewinn­spannen war der Anbau wirt­schaft­lich nicht rentabel. 

„Unser Geschäft ist der Anbau von Lebens­mit­teln“, erklärt Chris Leslie. Zum Anbau­pro­gramm gehören Sommer-Schäl­hafer, Sommer- und Winter­mahl­weizen sowie Saat­gerste; hinzu kommt konven­tio­neller Raps als tief wurzelnde Kultur. Raps lässt sich früher ernten und schafft damit ein wert­volles Zeit­fenster für die Etablie­rung einer leis­tungs­fä­higen Zwischen­frucht. Diese hilft, Schne­cken zu redu­zieren und zusätz­liche Biomasse in den Boden zu bringen. Beson­ders vorteil­haft ist das für einen Kunden, der seinen eigenen Whisky herstellt. Sommer­gerste nach Raps und Zwischen­frucht kann dort mit einem sehr geringen Einsatz externer Betriebs­mittel ange­baut werden.

Da Chris Leslie sein Anbau­system inzwi­schen weit­ge­hend auf Sommer­kul­turen ausge­richtet hat, haben sich auch die Frucht­folgen deut­lich verän­dert. Seit zwei Jahren nutzen er und James Hopkins eine gebrauchte Horsch Drill­ma­schine, um nach der Ernte möglichst schnell Zwischen­früchte zu etablieren. Bei der Planung gehen sie bewusst konse­quent vor. Weizen wird direkt nach Sommer­hafer gedrillt, während nach Raps, Sommer­gerste und Sommer­hafer gezielt Zwischen­früchte folgen.

Die Auswahl der Zwischen­frucht­arten ist von entschei­dender Bedeu­tung, da Chris Leslie versucht, auf den Einsatz von Chemi­ka­lien zu verzichten. Kohl­ge­wächse und Bohnen tragen zur Verbes­se­rung der Boden­struktur und zur Stick­stoff­bin­dung bei. Dabei ist es nicht notwendig, sie mit Chemi­ka­lien zu vernichten, weil sie durch Boden­be­ar­bei­tung in Schach gehalten werden können. Wicken können Unkraut aufgrund ihres linearen Wachs­tums hervor­ra­gend verdrängen, während breit­blätt­rige Zwischen­früchte Grasun­kraut redu­zieren. 

Für Chris Leslie und James Hopkins besteht das oberste Ziel darin, die orga­ni­sche Substanz und die Nähr­stoffe im Boden zu maxi­mieren, um so die Folge­frucht durch den Einsatz eines Mulch- und Schei­ben­eggen-Systems zu fördern. Mit einer Messer­walze zerklei­nern sie das Mate­rial auf etwa 50 mm. Das ist die opti­male Länge, um Boden­mi­kro­or­ga­nismen zu fördern und einen schnel­leren Nähr­stoff­kreis­lauf zu gewähr­leisten. Anschlie­ßend setzen sie eine Schei­ben­egge ein, um Nähr­stoffe in den Boden einzu­ar­beiten, bevor die nächste Kultur im Mulch­saat­ver­fahren ausge­bracht wird.

Nach dem Test mehrerer Drill­saat­s­ys­teme entschieden sich die Land­wirte schließ­lich für eine John Deere 750A.

Die Einschei­ben­schare und die Tiefen­füh­rungs­räder der 750A. Dank der Schar­kon­struk­tion kann die Drill­ma­schine sowohl bei Direkt­saat als auch nach redu­zierter Boden­be­ar­bei­tung einge­setzt werden.

Die Wicke kann Unkräuter dank ihres rankenden Wuchses sehr gut unter­drü­cken.

Bei jeder Zwischen­frucht ist das Kohlen­stoff-Stick­stoff-Verhältnis entschei­dend, und Mulchen ist eine gute Möglich­keit, dieses zu opti­mieren. „Wir versu­chen, den Boden zu düngen, ihn und die Mikro­or­ga­nismen besser zu verstehen und heraus­zu­finden, welche Zwischen­früchte wir anbauen können, damit wir weniger mine­ra­li­sche Dünge­mittel einsetzen müssen“, sagt Chris Leslie. „Unser Ziel ist es, Pflanzen ohne zusätz­li­chen Stick­stoff anzu­bauen.“  

Unser Ziel ist es, Pflanzen ohne zusätz­li­chen Stick­stoff anzu­bauen.

Chris Leslie

Ihr größter Erfolg war die Aussaat von Raps in einen stehende Weizen­be­stand. Dies ermög­lichte es dem Raps, sich so zu etablieren, so dass er nach der Weizen­ernte bereits kräftig wuchs. Das Duo hat auch gute Erfolge mit der Direkt­saat von Weizen nach Sommer­hafer erzielt. Dabei werden große Mengen an Kohlen­stoff aus den Hafer­stop­peln sehr flach in die Ober­fläche einge­mischt. Die Stop­peln verbrau­chen bei der Zerset­zung Stick­stoff, was das Unkraut­wachstum redu­ziert. Bei Kulturen wie Raps ist es jedoch besser, Zwischen­früchte wie Bohnen und Wicken in einem Arbeits­gang auszu­säen, da Schne­cken diese in der Regel nicht anrühren.

Um das System weiter­zu­ent­wi­ckeln, war viel Auspro­bieren notwendig. Für Chris war der größte Fehl­schlag der Anbau von Weizen nach Raps, weil das Zeit­fenster für die Ausbrin­gung von Schne­cken­be­kämp­fungs­mit­teln sehr kurz war. Hier gibt es nur zwei Möglich­keiten: entweder den Einsatz von Schne­cken­korn, was nicht beson­ders umwelt­freund­lich ist, oder die Boden­be­ar­bei­tung, was auf dem stei­nigen Boden jedoch andere Probleme mit sich bringt. 

Weniger Dünger, besserer Boden: Was Zwischen­früchte leisten

Aufwand und Inves­ti­tionen in Zwischen­früchte mögen zwar beträcht­lich erscheinen, doch Chris Leslie ist über­zeugt, dass es sich lohnt. Das Aussäen einer Zwischen­frucht zum Winter schützt den Boden, unter­drückt Unkraut und bindet Stick­stoff, während es gleich­zeitig die Boden­struktur und -gesund­heit verbes­sert und ein hervor­ra­gendes Saat­beet für die Früh­jahrs­aus­saat schafft. Diese Vorteile zeigen sich dann bei den nach­fol­genden Markt­früchten in Form einer hervor­ra­genden Bestands­ent­wick­lung und einer kosten­güns­ti­geren Düngung. 

Chris Leslie passt sein Bestell­ver­fahren den Bedin­gungen an und setzt die 750A sowohl für Direkt­saat als auch nach Boden­be­ar­bei­tung ein.

Chris Leslie rechnet vor, dass ihre Zwischen­früchte, bezogen auf das Frisch­ge­wicht, etwa 80 kg/ha Stick­stoff, 100 kg/ha Kali und 40 kg/ha Phos­phat liefern. „Wir nähern uns dem Punkt, an dem wir in zwei bis drei Jahren mögli­cher­weise in der Lage sein werden, eine Kultur­pflanze ohne künst­liche Hilfs­mittel anzu­bauen.“

Er warnt jedoch, dass man bei fort­ge­setzter Anwen­dung der Direkt­saat die Boden­struktur im Auge behalten müsse. „Schließ­lich braucht man eine lockere Boden­struktur, Sauer­stoff im Boden und eine nicht verdich­tete Schicht von 10 Zoll.“ Boden­ver­dich­tungen sind sehr schäd­lich. Daher hat er nichts dagegen, bei Bedarf eine Tiefen­lo­cke­rung durch­zu­führen oder Gips auszu­bringen, um die Boden­struktur zu verbes­sern und zusätz­liche Nähr­stoffe zuzu­führen. Eine weitere Chemi­kalie, auf er gerne verzichten möchte, ist Glyphosat. Deshalb sucht er nach anderen Möglich­keiten, die Zwischen­frucht wieder vom Acker zu besei­tigen. Außerdem sollten seiner Ansicht nach die Land­wirte den Ansatz des „Immer mehr drauf“ vermeiden. „Die Leute glauben, man könne einfach mehr von etwas aufbringen und so ein besseres Ergebnis erzielen – das geht aber nicht. Statt­dessen sollten Land­wirte darüber nach­denken, ihren eigenen Stick­stoff zu produ­zieren“, meint er. „Meiner Ansicht nach ist das der Schlüssel zur Land­wirt­schaft im nächsten Jahr­zehnt.“

Über Cloud Farming:

  • Mit Sitz in Zentral- und Südschott­land
  • Betrieb für rege­ne­ra­tive Land­wirt­schaft
  • Zusam­men­ar­beit mit Erzeu­gern 
  • Bewirt­schaftet neben Markt­früchten über 600 ha Zwischen­früchte
  • Website: Cloud Farming Ltd

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