Als sich Friedrich Baumgärtel und seine Frau Kathrin Anfang der 1990er Jahre in Wegeleben östlich des Harzes niederließen, um einen Landwirtschaftsbetrieb zu gründen, gab es nur ein verlassenes Fahrsilo, welches von der ehemaligen LPG nicht mehr genutzt wurde. Heute stehen dort neben einer modernen Getreidetrocknung und -annahme sowie einem -lager eine geräumige Maschinenhalle und ein schmuckes Wohnhaus.
Anfang Dezember ist auch der letzte Körnermais geerntet und das Wintergetreide ausgesät. Jetzt haben Friedrich Baumgärtel und sein Berater Michael Eckhardt vom John Deere Vertriebspartner LVA Landtechnik GmbH Zeit, über den Betrieb und ihr Steckenpferd Präzisionslandwirtschaft zu sprechen.
Zusammen mit seiner Frau und zwei festangestellten Mitarbeitern bewirtschaftet Friedrich Baumgärtel den ca. 600 ha großen Ackerbaubetrieb. Der Betrieb liegt in der Magdeburger Börde, eine der Gegenden mit den besten Böden in Deutschland. Im Regenschatten des Harzes fallen im Durchschnitt 500 mm Niederschlag pro Jahr. Wenn es genügend regnet, erntet Baumgärtel mehr als 10 t Weizen pro Hektar, ohne allzu viel düngen müssen. Aber wegen der häufigen Trockenheit und Hitze lag der Weizenertrag in den vergangenen Jahren häufig nur bei ca. 6 t/ha, nach wasserzehrenden Vorfrüchten sogar darunter.
Wegen dieser besonderen klimatischen Verhältnisse bewirtschaftet Friedrich Baumgärtel den Betrieb mit einer vielgliedrigen Fruchtfolge aus Winterweizen, Dinkel, Winter- und Sommergerste, Raps, Rüben, Erbsen und Körnermais. „Der Körnermais kommt mit der Hitze besser klar als der Weizen“, erklärt Baumgärtel. Um einen möglichst hohen Erlös aus seinen Feldfrüchten zu erzielen, trocknet der Landwirt seine Ernte selbst und lagert sie in eigenen Silos ein. Auch bei der Auswahl und Nutzungsdauer der Maschinen stehen betriebswirtschaftliche Aspekte im Vordergrund.
20 Jahre Lenksystem im Einsatz
Der älteste Schlepper auf dem Hof ist ein John Deere 7810 Baujahr 2000, der inzwischen mehr als 13.000 Stunden geleistet hat. Das besondere an diesem Traktor ist, dass er mit einem John Deere Universal Lenksystem ausgestattet ist, welches zusammen mit einem GS1800 auch nach fast 20 Jahren immer noch seinen Dienst tut. 19.000 € lautete die Rechnung für das System damals. „Heute kosten die wesentlich leistungsfähigeren Komponenten des Essentials Pakets netto weniger als 3.000 €“, sagt Precision Ag Manger Michael Eckhardt. Ein klarer Beleg dafür, wie moderne Technologie immer erschwinglicher und leistungsfähiger wird.
Lenksysteme sind heute im Betrieb von Friedrich Baumgärtel nicht mehr wegzudenken. Auch die beiden anderen Traktoren, ein John Deere 8430 und ein 6R 195 sowie der 6R 250 eines befreundeten Landwirts, mit dem sich der Betriebsleiter bestimmte Aufgaben teilt, sind alle mit AutoTrac ausgestattet. Das gleiche gilt auch für den John Deere S Mähdrescher, der gerade ausgetauscht wird.
Ich wollte wissen, wie unterschiedlich meine Böden sind
Friedrich Baumgärtel

Bereits früh, vor über 20 Jahren hat Friedrich Baumgärtel mit der Ertragserfassung auf dem Mähdrescher angefangen. „Ich wollte wissen, wie unterschiedlich meine Böden sind“, erzählt er. „Allerdings wurde mir bestätigt, was ich eigentlich bereits wusste“, fährt er fort. „Wir haben einige Kiesköpfe in unseren Feldern, und da wächst einfach nicht so viel.“ Trotzdem hilft ihm dieses Wissen. Durch die Düngeverordnung ist die Gesamtausbringungsmenge an Stickstoff pro ha limitiert. Umso wichtiger ist es daher, den Stickstoff so zu verteilen, dass der Landwirt auf den guten Teilflächen immer noch hohe Erträge mit hohen Proteingehalten erzielen kann, um so seinen Gesamterlös zu maximieren.
Der Stickstoff wird in flüssiger Form mit einer gezogenen Feldspritze ausgebracht. Die Bestimmung der Ausbringungsmenge erfolgt mit einem Greenseeker. „Beim Festsetzen der oberen und unteren Grenzen für die Ausbringungsmenge darf man nicht zu zimperlich sein, sonst erhält man keine Varianz in der Fläche“, teilt der Landwirt seine Erfahrungen.

Datenbasierte Düngung
Gute Erfahrungen hat Fridrich Baumgärtel auch mit dem Einsatz von Drohnen zur Erstellung von Unkrautbekämpfungskarten in Zuckerrüben gemacht. Die Luftaufnahmen und Kartenerstellung erfolgen durch einen Dienstleister, die dann in das Operation Center eingelesen werden. „So wissen wir vorher genau, wieviel Spritzbrühe wir anrühren müssen und außerdem brauchen wir wesentlich weniger Herbizide, was letztlich sowohl unseren Geldbeutel als auch die Umwelt schont“, so der Landwirt.
Seit vier Jahren wird im Betrieb auch ein GrainSensing System mit HarvestLab 3000 Sensor zur Proteinanalyse eingesetzt. Baumgärtel legt dabei nicht nur Wert auf Echtzeitdaten während der Ernte, um unterschiedliche Partien ggf. nach Qualitäten trennen zu können. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Analyse der Stickstoffnutzungseffizienz (NUE). Die LVA ist hierbei ein wertvoller Partner, der regelmäßig nach der Ernte die Daten aufbereitet und mit dem Landwirt Optionen bespricht, um die Düngestrategie anzupassen.
Michael Eckhardt arbeitet hierfür mit dem Partner GeoPard Agriculture zusammen, dessen Plattform er für seine Berechnungen nutzt. In den letzten Jahren konnte so eine NUE von über 90 % erreicht werden. „Liegt sie darunter, schauen wir, woran es gelegen hat und suchen nach Optimierungsmöglichkeiten. Interessant ist auch, dass man auch mal über 100 % liegt, diese Muster wollen wir besser verstehen. Auch wenn wir sehen, dass alles im optimalen Bereich liegt, ist das eine wertvolle Erkenntnis“, so Michael Eckhardt.

Präzision bei knappen Ressourcen
Hier, in der Magdeburger Börde sind die Böden gut, aber das Wasser ist knapp. Gemeinsam haben der Landwirt und sein Berater genau die Bereiche herausgearbeitet, in denen der Einsatz von Technologien der Präzisionslandwirtschaft für den Betrieb am meisten Sinn macht. Seit mehreren Jahren bietet Michael Eckhardt über die LVA Landtechnik GmbH Bodenscans mittels Gammaspektroskopie unter Einsatz von RH3S Soil Sensor Systems an. Dabei bekommt der Landwirt kleinräumige Boden- und Nährstoffkarten sowie Analysen von Mikro- und Makronährstoffen und den ph-Wert. Diese Scans sind für den Landwirt zwar zunächst recht kostenintensiv, „sie helfen aber die Nähstoffkreisläufe im Boden besser zu verstehen, und so am Ende Geld bei der Düngung zu sparen“, erläutert Michael Eckhardt.
Ob es sich am Ende lohnt, lässt sich im Vorfeld schlecht abschätzen, zumal jedes Jahr in der Landwirtschaft anders und ein direkter Vergleich daher kaum mögliche ist. „Allerdings wären wir ohne das Sammeln und Analysieren von Daten gar nicht auf bestimmte Fragestellungen und Lösungen gekommen“, erzählt Michael Eckhardt. Die Beschäftigung mit den Daten hilft, den gesamten Betrieb besser zu verstehen und bessere Entscheidungen zu treffen. In dieser Schlussfolgerung sind sich der Landwirt und sein Berater einig.


