TraktorenWert­schät­zung für jede Kartoffel

Land­wirtin Laura Kulow leitet einen Biobe­trieb in der Altmark und meis­tert in diesem Jahr mit ihrem Team, zu dem ein zuver­läs­siger JD 6140M gehört, eine außer­ge­wöhn­lich gute Ernte.

Wenn morgens die ersten Sonnen­strahlen durch die Blätter der großen Bäume fallen, ist es noch ruhig auf dem Biohof Ritz­leben. Laura Kulow sitzt auf der Terrasse hinter dem Wohn­haus aus Back­stein und trinkt den ersten Kaffee des Tages. „Um 6 Uhr morgens ist noch alles still und ich genieße die Ruhe“ sagt Kulow. Sie weiß, dass sich das gleich ändern wird, denn es ist Anfang September, es soll trocken bleiben und die Kartof­fel­ernte nimmt heute wieder richtig Fahrt auf.

Laura Kulow leitet den Biohof Ritz­leben mit insge­samt 450 ha seit fast drei Jahren. Zehn verschie­dene Kartof­fel­sorten baut sie auf 70 ha an, auf den übrigen 380 ha wachsen Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer, Acker­bohne, Lupine und Gerste. Auf Bioland­wirt­schaft setzt der Fami­li­en­be­trieb seit 1991. Zwischen 2013 und 2023 orga­ni­sierten Kulow und ihre Eltern mit der Grün­dung einer einfa­chen Perso­nen­ge­sell­schaft (GbR) die Über­gabe des Hofs. Seit 2023 leitet die heute 35-jährige Land­wirtin den Ackerbau-Betrieb allein.

Die perfekte Kartoffel

Jedes Jahr im April pflanzt sie mit Hilfe ihres Teams von drei weiteren Land­wirten zehn verschie­dene Kartof­fel­sorten, die bis September heran­wachsen. Jetzt verbergen sich die Kartof­fel­nester mit jeweils rund 15 Knollen noch unter der Erde, während verschie­denstes Beikraut den Acker kapert – darunter weißer Gänsefuß, Korn­blumen und Fran­zo­sen­kraut. Die Viel­falt hält den Boden gesund und klima­re­si­lient.

Diese Kartof­feln der Sorte Otolia lagen soeben noch zusammen in ihrem Nest unter der Erde.

Wenn die Kartof­fel­pflanze „abge­storben“ ist, gewinnen die anderen Gewächse auf dem Bio-Acker die Ober­hand.

Das Beikraut ist ideal für Insekten und gut für die Boden­qua­lität.

„Weil wir nicht spritzen, wächst hier, was wachsen will und kann. Im späten Stadium lassen wir das zu, denn für die Insekten und den Boden ist das gute Nahrung. Die Quecke macht aller­dings keinen Spaß“, gibt Kulow zu, „die ist ein ganz mieser Vertreter!“ Denn die Quecken-Wurzel bohrt auf der Suche nach Wasser einfach ein Loch in die Kartoffel. Dadurch leidet die Qualität der Ernte.

„Die perfekte Kartoffel ist leicht oval, mittel­groß und hat eine dünne makel­lose Schale – wie aus dem Ei gepellt,“ erklärt Kulow. „Aber nicht alle Kartof­feln sehen so aus. Mit agro­no­mi­schem Knowhow kann ich da zwar richtig gut sein, doch Kartof­feln sind Produkte der Natur. Oft ist das auch gar nicht weiter schlimm, wie zum Beispiel bei leichtem Schorf oder Verwach­sungen, der Kartof­feln und Menschen über­haupt nicht schadet. Sogar als Pell­kar­toffel kann man sie noch essen.“

Der zuver­läs­sige 6M zieht als Teil des Ernte-Teams seine Runden auf dem Kartof­fel­feld.
Lenken spielt dank GPS keine große Rolle mehr, der Traktor bleibt auf der einge­stellten Spur.

In diesem Jahr ist die Ernte sehr gut

Heute rodet Laura Kulow mit ihrem Team die Kartof­fel­sorte Otolia auf einem 15 ha großen Feld­ab­schnitt. Die Otolia ist eine vorwie­gend fest­ko­chende, gelb­liche und aroma­ti­sche Spei­se­kar­toffel. Kulow rechnet heute mit 30 bis 50 t Kartoffel-Ertrag pro ha, das ist in diesem Jahr eine wirk­lich gute Ernte.

Seit 2022 verstärkt der JD 6140M das Ernte-Team. Laura Kulow ist froh, dass sie sich für diesen Traktor entschieden hat: „Das ist mein erster Traktor, der GPS kann. Beim Roden bleibt der Traktor jetzt auf seiner vorein­ge­stellten Spur und wir müssen nicht mehr manuell lenken, sondern können uns auf die Geschwin­dig­keit und den Austausch mit den Helfern auf dem Roder konzen­trieren.“ Denn dort haben sie alle Hände voll zu tun und sortieren im Akkord-Tempo alles aus, was keine Kartoffel ist.

Das Ernte-Team ist schon seit dem frühen Morgen auf dem Acker. Das Wetter ist stabil an diesem Tag, das wird ausge­nutzt.

Der Fahrer im JD 6M blickt oft zurück, um gege­be­nen­falls die Geschwin­dig­keit anzu­passen.

Arbeit auf dem Roder

Auf dem Roder trennt das Team Steine, Mäuse und Kröten von den Kartof­feln. Die Steine werden im soge­nannten „Steine­bunker“ gesam­melt und vom Roder an einer Stelle auf dem Feld abge­laden.

Meis­tens steuert Land­wirt Johannes Oster­länger den Traktor beim Roden. Vorher ist er nie John Deere gefahren und hatte sogar ein paar Vorur­teile, gibt er zu. Doch jetzt hat er sich mit dem 6M ange­freundet. „Der JD hat ein paar tolle Funk­tionen: die Fahr­ge­schwin­dig­keit lässt sich durch das stufen­lose Getriebe flexibel anpassen, was prak­tisch ist. Die Bedie­nung ist einfach und intuitiv, den Umgang damit musste mir keiner groß erklären. Im schlichten Menü und mit den drei Tasten und dem Dreh­knopf konnte ich alles selbst einstellen.“

Neben dem 6M, der neben dem Roden zur Beikraut-Bekämp­fung, zum Strie­geln und zum Häufeln herge­nommen wird, gibt es auf dem Hof noch einen PS-starken 8R und einen alten, aus der Ukraine reimpor­tierten 4955. Der 8R ist stark beim Pflügen und Grub­bern der 450 ha. Mit dem 4955, ihrem Lieb­haber-Traktor, erle­digt Kulow die Boden­be­ar­bei­tung und Trans­porte.

Der JD 6M hat ein paar tolle Funk­tionen, die mich über­zeugt haben. Die Bedie­nung ist einfach und intuitiv, den Umgang damit musste mir keiner beibringen.

Johannes Osterlänger

Nach der Ernte landen die Kartof­feln in einer Gitterbox, die 1,5 t fasst, um zwei Nächte „abzu­lüften“. Anschlie­ßend kann die Ernte bei 4,5 Grad Celsius bis zu 10 Monate lagern. Die Kartoffel mögen es dunkel, kühl und trocken. Der Strom für die Kühlung kommt von der eigenen Photo­vol­taik-Anlage.

Erhält der Biohof eine Anfrage aus dem Handel, ist diese immer an eine bestimmte Koch­ei­gen­schaft und Größe geknüpft. Mittel­große Knollen der Sorte Bernina zum Beispiel. Dann kommt die alte Sortier­ma­schine, Baujahr 1999, zum Einsatz. Sie sortiert nach Größe und kann von kleinen Dril­lingen bis zu Über­größen jeder Anfrage gerecht werden. Gleich­zeitig wird die quali­tativ nicht einwand­freie Ware händisch aussor­tiert. Die Kartof­feln, in die sich eine Quecke gebohrt hat, finden jetzt ihren Weg in eine eigene Kiste, die mit „Futter“ beschriftet ist.

Zwischen­durch wird die Ernte abge­laden, um in den Gitter­boxen weiter­trans­por­tiert und -verar­beitet zu werden.

Die alte Sortier­ma­schine hilft schon seit 1999, bei Bestel­lungen die rich­tigen Größen zusam­men­zu­stellen.

Dieses ist eines von zwei Lagern, in das 500 t Kartof­feln passen. Das grüne Licht ist nur ange­schaltet, wenn im Raum gear­beitet wird, denn die Kartof­feln sollen sich nicht verfärben.

Auslie­fe­rung einer Bestel­lung

In einem Big-Bag sind 1,1 t Kartof­feln der Sorte Bernina. Die Bestel­lung lädt Laura Kulow auf einen LKW, der die Kartof­feln zum Pack­be­trieb ausge­lie­fert. Dort sortiert ein Foto-opti­scher-Sortierer erneut durch­schnitt­lich 20 % aus, bevor die Kartof­feln vom Biohof Ritz­leben in kleinen Bio-gebran­deten Beuteln im Supermarkt zu finden sind. 

Wert­schät­zung für die aussor­tierte Kartoffel

Noch vor einigen Jahren waren die aussor­tierten Kartof­feln tatsäch­lich das Futter für die Tiere. Heute macht Kulow mehr aus der B-Ware. Das lohnt sich, denn die Preise unter­scheiden sich deut­lich:

40-70 €/dt

15-25 €/dt

(Doppel­zentner / Dezi­t­onne)

2-3 €/dt

Gemeinsam mit ihrem Vater Carsten Niemann und vier anderen Gesell­schaf­tern betreibt sie die Erzeu­ger­ge­mein­schaft „Biokar­toffel Nord“ und wandelt einen Teil der Ernte zu Bio-Kartof­fel­flo­cken, zum Beispiel für Kartof­fel­püree oder Biokar­toffel-Stärke um. „Unsere Biokar­toffel-Nord ist wichtig, weil wir damit die aussor­tierten Patinen verwerten und so allen Kartof­feln eine Wert­schät­zung geben können“, erklärt Kulow. Auch 40 weitere regio­nale Betriebe geben ihre aussor­tierte B-Ware zur Weiter­ver­ar­bei­tung an die Erzeu­ger­ge­mein­schaft und profi­tieren so von diesem Konzept.

Bis zu 30 % der Ernte gehen nicht als Top-Spei­se­ware durch. Die Ware der „Biokar­toffel Nord“ findet ihren Weg über Retail-Verpa­ckungen zum Endver­brau­cher.

Irgendwas ist immer

Zahl­reiche Stare versam­meln sich in einer hoch­ge­wach­senen Eiche auf dem Hof und schwatzen aufge­regt über ihre bevor­ste­hende Reise in den Süden. „Urlaub und Wochen­ende ist im Beruf der Land­wirtin leider schlecht planbar“, sagt Laura Kulow etwas wehmütig. Eine Woche Schweden für sie und ihre Kinder war in diesem Jahr trotzdem drin. „Dabei habe ich aber nicht nur die Kosten des Urlaubs im Blick, sondern auch, was es kosten kann, wenn es in der Zwischen­zeit auf dem Hof nicht so läuft, wie es soll.“

Das Telefon von Laura Kulow steht selten still, es gibt eine Menge zu orga­ni­sieren. Der 4955 hat heute aber einen Ruhetag.
Für die bunte Bend­heimer Sau Ella fällt auch mal eine von den ganz dicken Kartof­feln ab, die dann plump­send in ihrer Sand­kiste landet und direkt verdrückt wird. Ella ist eines von zwei Schweinen auf dem Hof und ist 300 kg schwer.

Gut, dass die 18-jährige Laura Kulow nach ihrem Schul­ab­schluss ein Jahr in Austra­lien verbringen konnte: „Ich bin gereist, habe die Zeit verstrei­chen lassen und mir ab und zu Gedanken gemacht, was ich danach mit meinem Leben mache.“ Sie kam zu dem Schluss, dass sie genug Raum braucht, um eine Familie zu gründen und Tiere haben zu können. Da lag es nahe, auf dem Land zu wohnen. Also folgte nach Austra­lien ein Land­wirt­schafts­stu­dium, zuerst in Berlin und dann mit ökolo­lo­gi­schem Schwer­punkt in Witzen­hausen. Dort entfachte sich ihre Leiden­schaft für die biolo­gi­sche Land­wirt­schaft. Schon während des Studiums wurde Laura zum ersten Mal Mutter: „Ich habe meinen Sohn viel mitge­nommen, das hat gut geklappt, er war ein sehr einfa­ches Kind.“

Heute ist Kulow vier­fache Mutter, managt das Fami­li­en­leben und die Verant­wor­tung für den Betrieb. „Du hast halt 365 Tage im Jahr 24/7 Bereit­schaft. Da bleibt keine Zeit für Mutter­schutz oder Wochen­bett.“ Das Sprich­wort „Irgendwas ist immer“, findet Kulow, beschreibt ihren Alltag am besten. Und das ist auch das, was sie mag: Die Heraus­for­de­rungen und wenn die Dinge ins Laufen kommen, die Arbeit sich lohnt und gut gelingt.

Betriebs­infos zum Biohof Ritz­leben

  • 480 ha, davon 70 ha Kartoffel, 40 ha Weizen, 40 ha Roggen, 70 ha Dinkel, 100 ha Hafer, 50 Acker­bohne und Lupine, 20 ha Gerste, 10 ha Brache und 80 ha Grün­land
  • Auf dem Betrieb gibt es ein Agro­forst-Projekt mit 70 Apfel­bäumen
  • Bioland­wirt­schaft seit 1991
  • 2013-2023: Schritt­weise Über­gabe des Betriebs der Eltern an ihre Tochter Laura Kulow
  • Seit 2023 leitet Kulow den Betrieb selbst­ständig