„Neugierig auf morgen“ steht auf seinem T-Shirt. Genau diese Neugier veranlasste Christian Højgaard Weigelt dazu, an einem Pilotprojekt des Molkereiunternehmens Arla teilzunehmen, als dieses im Jahr 2021 Landwirte suchte, die regenerative Landwirtschaftsmethoden ausprobieren wollten. Seit 2005 hatte der Landwirt den Hof Snåstrupgård in Ostjütland konventionell bewirtschaftet: Kuhhaltung im Laufstall, Anbau von Futterpflanzen auf dem Feld, Pflügen, Pflanzenschutzmitteleinsatz und Gülleausbringung mit ergänzender NPK-Düngung. Er war der Prototyp eines ganz normalen Landwirts, wie er selbst sagt. „Es hat gut funktioniert“, betont er, „und ich habe mich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Das Land, das ich übernommen habe, war gut und ertragssicher, und das sollte auch so bleiben. Trotzdem war ich auf der Suche nach einem neuen Blick auf meinen Betrieb.“
Diese neue Perspektive fand Christian Højgaard Weigelt in dem Pilotprojekt von Arla. Insgesamt waren 24 konventionelle und ökologische Landwirte aus fünf europäischen Ländern, darunter sechs Betriebe aus Dänemark, beteiligt. Bis Ende 2025 sollte untersucht werden, wie das Zusammenspiel zwischen Milchwirtschaft und Methoden der regenerativen Landwirtschaft die Bodenqualität verbessern könnte. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Bodengesundheit und der Biodiversität. Ziel war es, eine Reihe praktischer Erfahrungen in einem Handbuch zusammenzustellen, welches anderen Betriebsleitern den Weg zur regenerativen Landwirtschaft ebnen könnte.

Außerdem nahmen externe Experten an dem Projekt teil. Für die dänischen Betriebe gehörten dazu auch Mitarbeiter des unabhängigen Zentrums für Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion, Seges Innovation P/S.
Schluss mit „Wir machen das immer so“
Zu den Hauptprinzipien der regenerativen Landwirtschaft gehören: Minimale Bodenbearbeitung, ganzjährige Bodenbedeckung und ein lebendes Wurzelsystem, maximale Biodiversität sowie die Integration von Nutztieren. Die Frage ist nun, was passiert mit einem Betrieb, wenn er drei oder vier Jahre so wirtschaftet?
Nach einer kurzen Denkpause beginnt Christian Højgaard Weigelt zu erzählen. Reduzierte Bodenbearbeitung und mehr Pflanzendecke standen bereits auf seiner Wunschliste, und mit der sachkundigen Unterstützung des Pilotprojekts nahm er beides in Angriff. Es war eine große Herausforderung, erinnert er sich. Gewohnte Abläufe und Herangehensweisen mussten überdacht werden. „Wir machen das immer so“ galt nicht mehr.

„Zum Beispiel hatten wir bisher nur eine Feldplanung für ein Jahr. Dazu gehörten auch einige Zwischenfrüchte, obwohl wir dazu nicht verpflichtet sind. Jetzt erstellen wir zweijährige Anbaupläne und berücksichtigen die gesamte Fruchtfolge, um eine ganzjährige Bodenbedeckung sicherzustellen. Das ist ein größeres und zeitaufwändigeres Puzzle, das gelöst werden muss.“
„Ertragsmäßig läuft es gut“, betont er. Das Futter für seine 180 Milchkühe besteht größtenteils aus Mais-, Gras- und Ganzpflanzensilage. Fast zwei Drittel davon baut er selbst an. Er schätzt, dass er den Selbstversorgungsgrad beim Futter durch den Anbau verschiedener Kulturen steigern könnte, zögert aber. Denn er muss zwei Faktoren berücksichtigen: Zeit und Kosten. „Der Anbau zusätzlicher Kulturen würde einen höheren Arbeitseinsatz erfordern, und die Frage ist, ob dieser durch den höheren Selbstversorgungsgrad angemessen honoriert wird. Das ist eine Entscheidung, die ich treffen muss“, gibt er ehrlich zu.
Mit anderen Worten: Auch in der regenerativen Landwirtschaft geht es darum, das Gleichgewicht zwischen Aufwand und Ertrag zu finden. Der zweite Punkt auf der Wunschliste war die reduzierte Bodenbearbeitung, diese wird derzeit umgesetzt. Heute werden 80 % der Flächen von Snåstrupgård ohne Pflügen bewirtschaftet. „Das passt gut zu unseren Flächen“, sagt Christian Højgaard Weigert. Bei dem Boden handelt es sich um einen lehmhaltigen und festen Mutterboden, der Wasser und Nährstoffe gut speichern kann und daher fruchtbar ist. Allerdings kann der Boden in feuchten Perioden zu Staunässe neigen und in trockenen Zeiten sehr hart werden. In solchen Fällen hat sich der Pflug als nützliches Werkzeug erwiesen, um Phosphor und andere Bodennährstoffe umzuverteilen, damit sie von den Wurzeln besser aufgenommen werden.

Früher dachten wir, der Boden sei eine unerschöpfliche Ressource, solange er mit NPK versorgt wird.
Christian Højgaard
„Es scheint paradox, aber dieser Effekt kann auch ohne Pflügen erreicht werden“, räumt der Landwirt ein. Wenn die Bodenstruktur erhalten bleibt, haben die Mikroorganismen bessere Bedingungen und sorgen für die Freisetzung der Nährstoffe. Der Pflug steht jetzt in der Scheune, wurde aber nicht verkauft. „Der Pflug ist ein gutes landwirtschaftliches Werkzeug“, betont Christian Højgaard Weigelt mit einer gewissen Ehrfurcht und fügt hinzu: „Außerdem ist er unverzichtbar, wenn der Boden durch zu viel Regen verdichtet.“
Ein besseres Nährstoffpaket

Während die Frage einer höheren Selbstversorgung mii Futter vorerst auf Eis liegt, denkt Christian Højgaard Weigelt darüber nach, das Zusammenspiel zwischen Tierhaltung und Ackerbau zu intensivieren. Denn der regenerative Fokus auf die Bodenbeschaffenheit hat ihm viele Denkanstöße gegeben. „Wir haben geglaubt, dass der Boden eine unerschöpfliche Ressource ist, solange ihm etwas NPK zugeführt wird“, sagt er nachdenklich. „Dabei haben wir vermutlich den Wert der ganzen Mikroorganismen übersehen, die im Boden lebt. Genau dort beginnt alles. Mikroorganismen sind die Grundlage allen Wachstums.“
Heute werden die Felder von Snåstrupgård mit vergorener Gülle aus einer nahegelegenen Biogasanlage versorgt. Der Umweg über die Biogasanlage erfolgt hauptsächlich aus Klimaschutzgründen. Allerdings hält Christian Højgaard Weigelt den guten, alten Stallmist, die Mischung aus Kuhmist und Stroh, nach wie vor für ein wesentlich besseres Nährstoffpaket als Gülle.
„Wenn ich wirklich etwas ändern würde, dann wäre es, die Tiere wieder auf die Weide zu schicken“, stellt er fest. Dann könnten die Kühe ihren Teil des „Nährstoffpakets“ direkt auf das Feld bringen. Hinzu kommt, dass die Strohanteile im Dung eine Vielzahl von Mikronährstoffen enthalten, die dem Boden Kohlenstoff zuführen, betont er. Alles in allem ein wahres Fest für Bakterien, Pilzsporen und andere Mikroorganismen, die gemeinsam die Bodengesundheit fördern. Die Lage der Flächen ist günstig, mit einer passenden Anzahl zusammenhängender Hektar rund um den Hof, sodass es durchaus möglich ist, die Kühe ins Freie zu schicken, ergänzt er. Langfristig möchte er alle Nährstoffe selbst erzeugen, sodass ein geschlossenes System von Boden – Futter – Tisch – Abfall – Boden entsteht. Er nennt das den Jahreskreislauf.
Größere Durchwurzelungstiefe
Im Jahr 2022 wurden drei Parzellen ausgewählt, die mit jährlichen Stichproben in das Projekt einbezogen wurden. Christian Højgaard Weigelt greift bereitwillig zum Spaten, um die Bodenstruktur zu veranschaulichen.
Mikroorganismen sind die Grundlage für jegliches Wachstum.
Christian Højgaard
Heute erhält der Boden von einem englischen Berater das Prädikat „recht leicht“, während es zuvor „etwas bis mäßiges Hebeln“ mit dem Spaten erforderte, um in den Boden zu gelangen.
Gleichzeitig hat sich das Wurzelgeflecht verdichtet und ist gut mit Erde bedeckt. Die Durchwurzelungstiefe hat sich auf zwei der drei Parzellen um sechs cm erhöht; die dritte Parzelle war vier Tage vor der Messung im Jahr 2025 eingesät worden und wurde daher nicht erfasst. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Parzellen während des Projektverlaufs auf pfluglose Bewirtschaftung umgestellt wurden.
Unmittelbar hat sich die Biodiversität noch nicht verbessert. Allerdings betont der Landwirt, dass das Projekt erst drei Jahre alt sei und weiter fortgeführt wird. Als zusätzliche Maßnahme hat er rund einen Kilometer Blühstreifen angelegt und Bienenstöcke aufgestellt.
Geduld. Geduld. Geduld.
Auch wenn der Pflug nicht verkauft wurde und eventuell weitere Kulturen in Betracht gezogen werden, bereut Christian Højgaard Weigelt es nicht, an Arlas Pilotprojekt teilgenommen zu haben. Es war spannend, lehrreich und hat neue Ideen für die landwirtschaftliche Praxis hervorgebracht, fasst er zusammen. Ja, die Routinen mussten über Bord geworfen werden. Ja, es erforderte Geduld. Es erfordert viel Geduld, da die Ergebnisse weder heute noch morgen sichtbar sind. Ja, der Kurs musste musste mitunter angepasst werden. Und ja, es verlangte nahezu eine mentale Neuorientierung im Vergleich zu seinem Ausgangspunkt.
Über Snåstrupgård
- 325 ha, lehmhaltiger Mutterboden (JB6)
- 180 Rote Dänische Milchviehrasse, Zukauf von Jerseys
- Pflanzenanbau mit Fokus auf Futtermittel
- 80 % der Flächen werden pfluglos bewirtschaftet
- Ganzjährige Bodenbedeckung
„Aber der große Vorteil war, dass auch externe Nicht-Landwirte an dem Projekt beteiligt waren. Dies sorgte für ein anderes Echo, wenn Dinge diskutiert werden mussten“, betont er. Gibt es etwas, das er mit seiner gewonnenen Erfahrung anders gemacht hätte, wenn er heute neu anfangen würde? „Nein“, sagt er prompt. „Aber ich habe vier Jahre gebraucht, um diesen Punkt zu erreichen und ich wünschte, es wäre schneller gegangen. Im Grunde ist es das alte landwirtschaftliche Handwerk, nur viel klüger umgesetzt.” Der Besitzer von Snåstrupgård hat also nicht die Absicht, einen Rückzieher zu machen, denn er ist neugierig auf morgen. Wie es auch auf seinem T-Shirt steht.
