Viele Jahre fokussierte sich Maurer im konventionellen Ackerbau auf Zuckerrüben. Sie belegten etwa ein Drittel des Ackerlands und beeinflussten die Fruchtfolge massiv. Die Rüben wurden oft erst spät geräumt, sodass die Aussaat eines Wintergetreides ausfiel. Gleichzeitig weisen die Lettenkeuper Böden rund um den Betrieb starke Qualitätsschwankungen auf: Von 32 bis über 74 Bodenpunkten innerhalb von 5 km Radius ist alles dabei. Auf den besseren Schlägen machen sich die Hackfrüchte deutlich besser, was die Handlungsoptionen weiter einschränkte.
Als sich dann die Bedingungen des FAKT-Programms für den Anbau von Erbsen und Ölfrüchten veränderten, ließ sich dieser für den Betrieb kaum noch wirtschaftlich darstellen. Die Nebenkulturen fielen daher aus der Fruchtfolge. „Da wurden wir in der Fruchtfolge einfach zu eng“, erinnert sich Maurer.
Dabei hatte der Vizepräsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg und Vorsitzende des Kreisbauernverbands Schwäbisch Hall/Hohenlohe-Rems sogar Glück. Denn die enge Fruchtfolge machte sich bislang weder in ausgemergelten Böden noch in Erosion oder Ertragsausfällen bemerkbar. Trotzdem wollte Maurer vorbeugen. „Der Boden ist unsere Produktionsgrundlage und soll gesund bleiben. Eine dreigliedrige Fruchtfolge dient aber nicht der Bodengesundheit und dem Bodenleben. Deswegen brauchen wir eine weite Fruchtfolge“, begründet er seine Entscheidung, die Fruchtfolgen aufzulockern.
Für mich ist auch Biodiversität ein Fruchtfolgeglied.
Jürgen Maurer

Der Cut kam mit dem Einstieg ins F.R.A.N.Z.-Projekt 2016. „Ich wollte zeigen und wissen, was ein konventioneller Betrieb kann, wo ich stehe“, erzählt Maurer. Statt auf Stammtischparolen setzt er auf Zahlen, Daten und Fakten. Die erste Aufnahme der Biodiversität bescheinigte dem intensiv geführten Betrieb dieselbe Vielfalt wie einem biologisch wirtschaftenden Vergleichsbetrieb. Das überraschte auch den Landwirt und war ein Ansporn, die Diversifizierung voranzutreiben.
Raps statt Zuckerrüben
Seither denkt Maurer Biodiversität als Fruchtfolgeglied mit. Bei der Wahl der Kulturen zählt allerdings zuerst die Wirtschaftlichkeit. Neue Kulturen kommen nur infrage, wenn sie sich wirtschaftlich tragen.
Als die Zuckerrübenpreise sanken und zudem erste Probleme mit der Schilfglasflügelzikade auftraten, reduzierte Maurer vor drei Jahren den Zuckerrübenanbau. An ihre Stelle rückte der Raps, der zuletzt vor 30 Jahren im Betrieb angebaut wurde. „Ölfrüchte waren in den letzten Jahren wirtschaftlich tragfähiger als Hackfrüchte“, erklärt der Landwirt.
Mais im großen Stil in den Betriebsablauf zu integrieren, wäre für Maurer dagegen mit zu vielen Hürden verbunden. Die Schweinefütterung läuft über Breiautomaten, die mit einsiliertem Corn-Cob-Mix wenig anfangen können. Körnermais wiederum reift zu spät im Jahr und müsste aktiv getrocknet werden. Deshalb baut Maurer Mais nur in kleinerem Umfang an.
Andere Kulturen testete und verwarf Maurer wieder – darunter Soja, Zwiebeln, Hafer-Wicke-Mischungen und Triticale. Denn entweder fehlte ein Markt, die Verarbeitung war zu aufwendig oder die Kulturen erwiesen sich anbautechnisch als zu riskant.

Der Boden entscheidet mit
Nach der Wirtschaftlichkeit spielt auch der Boden eine Rolle bei Fruchtfolgeentscheidungen. Gute Böden sind ertragsreicher und werden intensiver genutzt. „Hier ist die Fruchtfolge etwas kleiner“, beschreibt Maurer. „Biodiversität findet eigentlich auf den schlechteren Flächen statt.“
Auf guten Böden setzt Maurer meist auf engere Rotationen wie: Winterweizen → Wintergerste → Zwischenfrucht → Zuckerrübe oder Mais → Winterweizen. Teilweise kommen auch Erbsen dazu. Die Zwischenfrüchte sollen den Boden bedecken, durchwurzeln und Humus aufbauen.
Auf schwächeren Standorten hält Maurer die Fruchtfolge bewusst weiter. Hier integriert er häufiger Sommerungen, Erbsen oder Biodiversitätsflächen. Die Fruchtfolge könnte demnach folgendermaßen aussehen: Wintergerste → Winterweizen → Raps oder Zuckerrüben → Winterweizen → Sommergetreide oder Erbsen. Ergänzt wird die Fruchtfolge dort von Blühstreifen, blühenden Klee-Vorgewenden und extensivierten Teilflächen. Zwischenfrüchte baut er auf schwächeren Böden heute kaum noch an, weil sich die hohen Saatgutkosten dort oft nicht rechnen.
Kein starres System
Eine starre Fruchtfolge gibt es auf dem Betrieb nicht. Stattdessen passt Maurer die Planung an die aktuellen Bedingungen an.
Neben Boden und Witterung spielt auch die Arbeitsorganisation eine Rolle: Bei nur 1,75 verfügbaren Arbeitskräften muss effizient gearbeitet werden. Deshalb plant Maurer möglichst räumlich beieinanderliegende Feldblöcke mit denselben Kulturen ein. Das reduziert die Fahrzeiten zwischen den Schlägen.
Von Bedeutung sind außerdem die Arbeitszeitfenster. Wenn sich ein günstiges Saatfenster schließt, bevor die Kultur im geplanten Ausmaß gedrillt wurde, muss umdisponiert werden. „Dann kommt eben eine andere Kultur rein“, erklärt Maurer.

Die erweiterte Fruchtfolge bedeutet für den Betriebsleiter deshalb auch, weniger in festen Mustern zu denken. „Bei drei Kulturarten, da kann ich stupide mein Programm abspulen. Bei mehr Fruchtfolgegliedern geht das nicht mehr“, berichtet Maurer. Nach mittlerweile zehn Jahren mit erweiterten Fruchtfolgen und Biodiversitätsmaßnahmen habe er sich jedoch an die veränderten Bedingungen angepasst und eine neue Routine entwickelt.
Weniger Intensität, mehr Stabilität
Nachteile am neuen System sieht der Landwirt allerdings auch. So sei das System weniger auf Höchstertrag getrimmt, was moderate Ertragseinbußen wahrscheinlicher mache. Im Zusammenspiel mit der teilweisen Extensivierung stieg außerdem der Unkrautdruck.
Vor 30 Jahren war der Betrieb noch auf Höchsterträge mit enger Fruchtfolge ausgerichtet. Maurer bezweifelt jedoch mittlerweile, dass das dauerhaft funktioniert: „Bildlich gesprochen: Sie können mit dem Auto 200 km/h fahren. Irgendwann lässt entweder das Auto nach oder Sie in der Konzentration. Dann werden Sie wieder langsamer. Auch ackerbaulich können alles auf die Spitze treiben, aber irgendetwas bleibt dann auf der Strecke.“
Ich gebe dem Boden den Vorrang vor dem letzten Doppelzentner.
Jürgen Maurer
Eine diversere Fruchtfolge soll die Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten, statt nur letzte Ertragssteigerungen zu bringen. Der Boden hat Vorrang vor dem letzten Doppelzentner. Mehrere Fruchtarten sorgen zudem für ein ausgeglichenes Risikomanagement. Totalausfälle werden unwahrscheinlicher. Trotz allem sinken die Erträge infolge des Klimawandels auf dem gesamten Betrieb. Das konnten auch die erweiterten Fruchtfolgen bislang nicht verhindern.

Bodenleben als nächster Schritt
In Zukunft will sich Maurer noch stärker auf die Bodengesundheit konzentrieren und das Bodenleben fördern. Mit mehr organischer Substanz, weniger Pflugeinsatz und einer besseren Einarbeitung von Ernteresten will er das erreichen.
Ein möglicher Ansatz wäre aus seiner Sicht eine einjährige Kleebrache. Der Klee soll Stickstoff sammeln, Humus aufbauen und den Boden lockern. Profitieren könnten davon außerdem Insekten sowie Niederwild wie Rebhühner und Feldhasen. Bisher scheiterte die Umsetzung jedoch an der mangelnden Förderung. „Ich kann zwar auf Produktion verzichten, aber monetär muss das trotzdem unterm Strich passen“, erklärt Maurer.
Resilienz neu gedacht
Die wichtigste Veränderung auf Maurers Betrieb ist deshalb vielleicht weder der Raps noch die zusätzlichen Sommerungen, sondern die Art, wie er den Betrieb heute denkt: weniger starr, dafür breiter aufgestellt und anpassungsfähiger. Resilienz bedeutet für ihn nicht mehr, das System maximal auf Ertrag zu trimmen, sondern flexibel auf neue Risiken reagieren zu können – auf Wetterextreme ebenso wie auf neue Schaderreger oder volatile Märkte. „Eine Kultur liefert immer“, sagt Maurer. Genau darin liegt für ihn die Stärke weiter Fruchtfolgen.
Kulturen auf dem Betrieb von Jürgen Maurer nach Anbaufläche (2025/2026):
- 26% Raps
- 26% Winterweizen
- 13% Wintergerste
- 10% Sommergerste
- 9% Biodiversitäts-/Stilllegungsflächen
- 6% Zuckerrüben
- 6% Sommerweizen
- 3% Mais
- 1% Erbsen