Abschied von der engen Frucht­folge

Winter­weizen, Winter­gerste, Zucker­rübe – so sah im Kern über viele Jahre die Frucht­folge auf dem Betrieb von Land­wirt Jürgen Maurer in Kupfer­zell aus. „Aber das war mir zu wenig“, sagt er heute. Inzwi­schen setzt der Betrieb mit Mast­schweinen, Lege­hennen und Acker­land auf weitere Frucht­folgen, Biodi­ver­si­täts­flä­chen und mehr Flexi­bi­lität im System.

Viele Jahre fokus­sierte sich Maurer im konven­tio­nellen Ackerbau auf Zucker­rüben. Sie belegten etwa ein Drittel des Acker­lands und beein­flussten die Frucht­folge massiv. Die Rüben wurden oft erst spät geräumt, sodass die Aussaat eines Winter­ge­treides ausfiel. Gleich­zeitig weisen die Letten­keuper Böden rund um den Betrieb starke Quali­täts­schwan­kungen auf: Von 32 bis über 74 Boden­punkten inner­halb von 5 km Radius ist alles dabei. Auf den besseren Schlägen machen sich die Hack­früchte deut­lich besser, was die Hand­lungs­op­tionen weiter einschränkte.

Als sich dann die Bedin­gungen des FAKT-Programms für den Anbau von Erbsen und Ölfrüchten verän­derten, ließ sich dieser für den Betrieb kaum noch wirt­schaft­lich darstellen. Die Neben­kul­turen fielen daher aus der Frucht­folge. „Da wurden wir in der Frucht­folge einfach zu eng“, erin­nert sich Maurer.

Dabei hatte der Vize­prä­si­dent des Landes­bau­ern­ver­bands Baden-Würt­tem­berg und Vorsit­zende des Kreis­bau­ern­ver­bands Schwä­bisch Hall/Ho­hen­lohe-Rems sogar Glück. Denn die enge Frucht­folge machte sich bislang weder in ausge­mer­gelten Böden noch in Erosion oder Ertrags­aus­fällen bemerkbar. Trotzdem wollte Maurer vorbeugen. „Der Boden ist unsere Produk­ti­ons­grund­lage und soll gesund bleiben. Eine drei­glied­rige Frucht­folge dient aber nicht der Boden­ge­sund­heit und dem Boden­leben. Deswegen brau­chen wir eine weite Frucht­folge“, begründet er seine Entschei­dung, die Frucht­folgen aufzu­lo­ckern.

Für mich ist auch Biodi­ver­sität ein Frucht­fol­ge­glied.

Jürgen Maurer

Der Cut kam mit dem Einstieg ins F.R.A.N.Z.-Projekt 2016. „Ich wollte zeigen und wissen, was ein konven­tio­neller Betrieb kann, wo ich stehe“, erzählt Maurer. Statt auf Stamm­tisch­pa­rolen setzt er auf Zahlen, Daten und Fakten. Die erste Aufnahme der Biodi­ver­sität beschei­nigte dem intensiv geführten Betrieb dieselbe Viel­falt wie einem biolo­gisch wirt­schaf­tenden Vergleichs­be­trieb. Das über­raschte auch den Land­wirt und war ein Ansporn, die Diver­si­fi­zie­rung voran­zu­treiben.

Raps statt Zucker­rüben

Seither denkt Maurer Biodi­ver­sität als Frucht­fol­ge­glied mit. Bei der Wahl der Kulturen zählt aller­dings zuerst die Wirt­schaft­lich­keit. Neue Kulturen kommen nur infrage, wenn sie sich wirt­schaft­lich tragen.

Als die Zucker­rü­ben­preise sanken und zudem erste Probleme mit der Schilf­glas­flü­gel­zi­kade auftraten, redu­zierte Maurer vor drei Jahren den Zucker­rü­ben­anbau. An ihre Stelle rückte der Raps, der zuletzt vor 30 Jahren im Betrieb ange­baut wurde. „Ölfrüchte waren in den letzten Jahren wirt­schaft­lich trag­fä­higer als Hack­früchte“, erklärt der Land­wirt.

Mais im großen Stil in den Betriebs­ab­lauf zu inte­grieren, wäre für Maurer dagegen mit zu vielen Hürden verbunden. Die Schwei­ne­füt­te­rung läuft über Brei­au­to­maten, die mit einsi­liertem Corn-Cob-Mix wenig anfangen können. Körner­mais wiederum reift zu spät im Jahr und müsste aktiv getrocknet werden. Deshalb baut Maurer Mais nur in klei­nerem Umfang an.

Andere Kulturen testete und verwarf Maurer wieder – darunter Soja, Zwie­beln, Hafer-Wicke-Mischungen und Triti­cale. Denn entweder fehlte ein Markt, die Verar­bei­tung war zu aufwendig oder die Kulturen erwiesen sich anbau­tech­nisch als zu riskant.

Nach rund 30 Jahren Pause ist Raps auf Maurers Betrieb zurück­ge­kehrt. Die Ölfrucht hat einen Teil der Zucker­rüben ersetzt und macht inzwi­schen 26 Prozent der Anbau­fläche aus.

Der Boden entscheidet mit

Nach der Wirt­schaft­lich­keit spielt auch der Boden eine Rolle bei Frucht­fol­ge­ent­schei­dungen. Gute Böden sind ertrags­rei­cher und werden inten­siver genutzt. „Hier ist die Frucht­folge etwas kleiner“, beschreibt Maurer. „Biodi­ver­sität findet eigent­lich auf den schlech­teren Flächen statt.“

Auf guten Böden setzt Maurer meist auf engere Rota­tionen wie: Winter­weizen → Winter­gerste → Zwischen­frucht → Zucker­rübe oder Mais → Winter­weizen. Teil­weise kommen auch Erbsen dazu. Die Zwischen­früchte sollen den Boden bede­cken, durch­wur­zeln und Humus aufbauen.

Auf schwä­cheren Stand­orten hält Maurer die Frucht­folge bewusst weiter. Hier inte­griert er häufiger Somme­rungen, Erbsen oder Biodi­ver­si­täts­flä­chen. Die Frucht­folge könnte demnach folgen­der­maßen aussehen: Winter­gerste → Winter­weizen → Raps oder Zucker­rüben → Winter­weizen → Sommer­ge­treide oder Erbsen. Ergänzt wird die Frucht­folge dort von Blüh­streifen, blühenden Klee-Vorge­wenden und exten­si­vierten Teil­flä­chen. Zwischen­früchte baut er auf schwä­cheren Böden heute kaum noch an, weil sich die hohen Saat­gut­kosten dort oft nicht rechnen.

Kein starres System

Eine starre Frucht­folge gibt es auf dem Betrieb nicht. Statt­dessen passt Maurer die Planung an die aktu­ellen Bedin­gungen an.

Neben Boden und Witte­rung spielt auch die Arbeits­or­ga­ni­sa­tion eine Rolle: Bei nur 1,75 verfüg­baren Arbeits­kräften muss effi­zient gear­beitet werden. Deshalb plant Maurer möglichst räum­lich beiein­an­der­lie­gende Feld­blöcke mit denselben Kulturen ein. Das redu­ziert die Fahr­zeiten zwischen den Schlägen.

Von Bedeu­tung sind außerdem die Arbeits­zeit­fenster. Wenn sich ein güns­tiges Saat­fenster schließt, bevor die Kultur im geplanten Ausmaß gedrillt wurde, muss umdis­po­niert werden. „Dann kommt eben eine andere Kultur rein“, erklärt Maurer.

Eine viel­fäl­ti­gere Frucht­folge soll die Boden­frucht­bar­keit auf Jürgen Maurers Flächen lang­fristig erhalten. Dabei entscheidet auch die Boden­qua­lität, welche Kulturen zum Einsatz kommen.

Die erwei­terte Frucht­folge bedeutet für den Betriebs­leiter deshalb auch, weniger in festen Mustern zu denken. „Bei drei Kultur­arten, da kann ich stupide mein Programm abspulen. Bei mehr Frucht­fol­ge­glie­dern geht das nicht mehr“, berichtet Maurer. Nach mitt­ler­weile zehn Jahren mit erwei­terten Frucht­folgen und Biodi­ver­si­täts­maß­nahmen habe er sich jedoch an die verän­derten Bedin­gungen ange­passt und eine neue Routine entwi­ckelt.

Weniger Inten­sität, mehr Stabi­lität

Nach­teile am neuen System sieht der Land­wirt aller­dings auch. So sei das System weniger auf Höchs­ter­trag getrimmt, was mode­rate Ertrags­ein­bußen wahr­schein­li­cher mache. Im Zusam­men­spiel mit der teil­weisen Exten­si­vie­rung stieg außerdem der Unkraut­druck.

Vor 30 Jahren war der Betrieb noch auf Höchs­ter­träge mit enger Frucht­folge ausge­richtet. Maurer bezwei­felt jedoch mitt­ler­weile, dass das dauer­haft funk­tio­niert: „Bild­lich gespro­chen: Sie können mit dem Auto 200 km/h fahren. Irgend­wann lässt entweder das Auto nach oder Sie in der Konzen­tra­tion. Dann werden Sie wieder lang­samer. Auch acker­bau­lich können alles auf die Spitze treiben, aber irgend­etwas bleibt dann auf der Strecke.“

Ich gebe dem Boden den Vorrang vor dem letzten Doppel­zentner.

Jürgen Maurer

Eine diver­sere Frucht­folge soll die Boden­frucht­bar­keit lang­fristig erhalten, statt nur letzte Ertrags­stei­ge­rungen zu bringen. Der Boden hat Vorrang vor dem letzten Doppel­zentner. Mehrere Frucht­arten sorgen zudem für ein ausge­gli­chenes Risi­ko­ma­nage­ment. Total­aus­fälle werden unwahr­schein­li­cher. Trotz allem sinken die Erträge infolge des Klima­wan­dels auf dem gesamten Betrieb. Das konnten auch die erwei­terten Frucht­folgen bislang nicht verhin­dern.

Auch Erbsen gehören zu Maurers erwei­terter Frucht­folge.

Boden­leben als nächster Schritt

In Zukunft will sich Maurer noch stärker auf die Boden­ge­sund­heit konzen­trieren und das Boden­leben fördern. Mit mehr orga­ni­scher Substanz, weniger Pflug­ein­satz und einer besseren Einar­bei­tung von Ernte­resten will er das errei­chen.
Ein mögli­cher Ansatz wäre aus seiner Sicht eine einjäh­rige Klee­brache. Der Klee soll Stick­stoff sammeln, Humus aufbauen und den Boden lockern. Profi­tieren könnten davon außerdem Insekten sowie Nieder­wild wie Rebhühner und Feld­hasen. Bisher schei­terte die Umset­zung jedoch an der mangelnden Förde­rung. „Ich kann zwar auf Produk­tion verzichten, aber monetär muss das trotzdem unterm Strich passen“, erklärt Maurer.

Resi­lienz neu gedacht

Die wich­tigste Verän­de­rung auf Maurers Betrieb ist deshalb viel­leicht weder der Raps noch die zusätz­li­chen Somme­rungen, sondern die Art, wie er den Betrieb heute denkt: weniger starr, dafür breiter aufge­stellt und anpas­sungs­fä­higer. Resi­lienz bedeutet für ihn nicht mehr, das System maximal auf Ertrag zu trimmen, sondern flexibel auf neue Risiken reagieren zu können – auf Wetter­ex­treme ebenso wie auf neue Scha­der­reger oder vola­tile Märkte. „Eine Kultur liefert immer“, sagt Maurer. Genau darin liegt für ihn die Stärke weiter Frucht­folgen.

Kulturen auf dem Betrieb von Jürgen Maurer nach Anbau­fläche (2025/2026):

  • 26% Raps
  • 26% Winter­weizen
  • 13% Winter­gerste
  • 10% Sommer­gerste
  • 9% Biodi­ver­si­täts-/Still­le­gungs­flä­chen
  • 6% Zucker­rüben
  • 6% Sommer­weizen
  • 3% Mais
  • 1% Erbsen