Erntemaschinen„Unsere Maschinen müssen funk­tio­nieren, wenn`s drauf ankommt“

Mähdre­scher sichern einen wich­tigen Teil unserer Lebens­mit­tel­ver­sor­gung und müssen deshalb zuver­lässig arbeiten. Doch wie wird die hohe Qualität jeder Maschine sicher­ge­stellt? Ferti­gungs­pla­nungs­leiter Georg Ramstetter gibt Einblicke in die Arbeit im John Deere Werk in Zwei­brü­cken.

Herr Ramstetter, Sie arbeiten bereits seit über zwanzig Jahren bei John Deere und sind seit 2019 im Werk Zwei­brü­cken tätig. Warum ist Qualität gerade im Mähdre­scher­be­reich so zentral?

Weil Mähdre­scher oft nur 30 Tage pro Jahr im Einsatz sind. Da müssen sie absolut zuver­lässig funk­tio­nieren. In der Ernte­zeit laufen die Maschinen zwei bis drei Wochen im Jahr rund um die Uhr. Die Ernte­fenster sind schon immer eng gewesen und werden in den letzten Jahren aufgrund der Klima­ver­än­de­rung und der dadurch schneller reifenden Ernte zuneh­mend kleiner. Die Land­wirte können es sich nicht leisten, dass die Maschine auch nur einen Tag ausfällt.

Wenn ein Mähdre­scher steht, verur­sacht das massive Kosten. Hinzu kommt, dass die Maschinen sehr komplex sind. Ein Traktor kann oft kurz­fristig ersetzt werden. Doch wer besitzt schon mehrere Ernte­ma­schinen? Deshalb tun wir alles dafür, dass es gar nicht erst zum Still­stand kommt.

Was tun Sie in der Quali­täts­si­che­rung dafür konkret?

Unser Aufga­ben­feld ist sehr breit. Grund­le­gend lässt es sich jedoch in folgende Bereiche glie­dern: die Quali­täts­pla­nung, Prozess­über­wa­chung, die Fehler­ana­lyse und daraus resul­tie­rend die konti­nu­ier­liche Verbes­se­rung von Arbeits­pro­zessen. Wir arbeiten sehr eng mit der Konstruk­tion zusammen und machen Schu­lungen und Trai­nings, um Fehler präventiv vorbeugen zu können. Wir trai­nieren zusätz­lich regel­mäßig unsere Mitar­beiter in den Service­be­rei­chen und der Produk­tion, damit sie Neue­rungen durch­dringen und auf dem aktu­ellen Stand der Technik sind. Zuletzt nutzen wir auch Kunden­feed­back, um sicher­zu­stellen, dass unsere Maschinen am Ende in Qualität und Funk­tio­na­lität über­zeugen.

Die Mitar­beiter in der Produk­tion besu­chen regel­mäßig Schu­lungen, damit sie Neue­rungen verstehen und auf dem aktu­ellen Stand der Technik sind.

Im Arbeits­alltag der Werker ist das Soft­ware­pro­gramm JDAAT (John Deere Assembly Assist Tool) beson­ders wichtig. Es über­wacht die Dreh­mo­mente und weist auf Beson­der­heiten bei der Maschine hin.

Viele Mitar­beiter haben selbst einen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb zuhause und wissen genau, welche Funk­tionen der Maschine beson­ders wichtig sind.

Wie genau nutzen Sie das Feed­back ihrer Kunden?

Wir wollen wissen, was unseren Kunden wichtig ist. Deshalb befragen wir sie regel­mäßig und sammeln Garan­tie­rück­mel­dungen sowie Rekla­ma­tionen. Vor der Auslie­fe­rung der Maschinen machen die Händler außerdem eine soge­nannte „pre deli­very inspec­tion“. Sie schauen sich hier den Mähdre­scher bis ins letzte Detail an und geben Feed­back, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Häufig sind unsere Leute aus dem Werk dabei und verfolgen das mit. Alle diese Rück­mel­dungen sammeln und analy­sieren wir – posi­tive als auch nega­tive. So iden­ti­fi­zieren wir Verbes­se­rungs­po­ten­ziale und bewerten die aktu­elle Qualität unserer Maschinen. Das Feed­back hilft uns außerdem die Anfor­de­rungen unserer Kunden besser zu verstehen und unsere Produkte stetig zu verbes­sern.

Und was passiert dann?

Je nach Rück­mel­dung spre­chen wir mit den verschie­denen Berei­chen. Fährt ein Entleer­rohr beispiels­weise nicht weit genug aus, klären wir mit der Konstruk­tion, woran das liegen könnte. Bereitet ein Motor dem Kunden Probleme, gehen wir auf unsere Liefe­ranten zu. Viele unserer Mitar­beiter haben selbst einen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb zuhause. Das hilft sehr, weil sie somit genau wissen, was mit den Maschinen gemacht wird und welche Funk­tionen beson­ders wichtig sind. Man sollte nicht unter­schätzen, wie wichtig es ist, dass die Menschen wissen, was für ein Produkt sie da eigent­lich bauen.

Hier schweißt ein Roboter die Seiten­wand eines Mähdre­schers:

Welche Stan­dards und Tools helfen Ihnen bei der Sicher­stel­lung der Qualität?

Uns unter­stützen verschie­dene Tools bei der Montage, Fehler­er­ken­nung und Doku­men­ta­tion. Im Arbeits­alltag der Werker ist das Soft­ware­pro­gramm JDAAT (John Deere Assembly Assist Tool) beson­ders wichtig. Es über­wacht die Dreh­mo­mente, zeigt Arbeits- und SAP-Anwei­sungen an und weist auf Beson­der­heiten bei der jewei­ligen Maschine hin. Mit Kame­ra­über­wa­chung und einem Unter­stüt­zungs-System können Mitar­bei­tende einzelne Arbeits­schritte nach­voll­ziehen und sich absi­chern. Die Soft­ware doku­men­tiert außerdem den gesamten Monta­ge­pro­zess, führt Schritt für Schritt durch die Aufgaben und gibt bei erfolg­rei­chem Abschluss grünes Licht.

Verschie­dene Tools unter­stützen die Produk­ti­ons­mit­ar­beiter bei der Montage, Fehler­er­ken­nung und Doku­men­ta­tion.
Das Soft­ware­pro­gramm JDAAT doku­men­tiert den gesamten Monta­ge­pro­zess, führt Schritt für Schritt durch die Aufgaben und gibt bei erfolg­rei­chem Abschluss grünes Licht.

Ein weiteres wich­tiges Tool ist das TRIS – das Tracking Real­time Infor­ma­tion System. TRIS doku­men­tiert jeden Ferti­gungs­schritt und spei­chert alle Spezi­fi­ka­tionen des Kunden­auf­trags. So lässt sich auch im Nach­hinein genau nach­ver­folgen, ob Teile getauscht wurden oder ob es Beson­der­heiten gab. Auch Jahre später sind über das System sämt­liche Werte der Ferti­gung abrufbar – aus Quali­täts­sicht ist TRIS daher unver­zichtbar. Darüber hinaus unter­stützen uns viele weitere Tools, die hohe Produkt­kom­ple­xität sicher zu montieren, zu schweißen und zu fertigen.

Wieso ist Ihnen Ihre Arbeit in der Quali­täts­si­che­rung persön­lich wichtig?

Letzt­lich wollen wir doch alle, dass unser Essen auf dem Tisch landet. Mit unseren grün-gelben Maschinen tragen wir einen wich­tigen Teil dazu bei – vor allem, weil sie die Land­wirte zuver­lässig bei der Ernte unter­stützen. Dieser Gedanke begleitet mich ständig und macht mich stolz, Teil dieses Ganzen zu sein.

Folgenden Werk­zeuge sichern die Qualität im Werk Zwei­brü­cken

  • Elek­tro­ni­sche Dreh­mo­ment- und Winkel­schraub­sys­teme
  • Kameras, die sicher­stellen, dass das rich­tige Werk­zeug ausge­wählt wird
  • Robo­ter­schweißen
  • Ultra­schall­prü­fung bei Schweiß­nähten
  • Gasfluss­über­wa­chung in den Robo­ter­an­lagen
  • Smart Test: Elek­tronik Testing Tool, um Soft­ware und elek­tro­ni­sche Kompo­nenten zu testen
  • TRIS System: enthält alle Auftrags­in­for­ma­tionen und erst wenn keine Fehler mehr hinter­legt sind, gibt das Tool die Versand­frei­gabe für die Maschine. Beson­ders hilf­reich, wenn Teile fehlen.