Wie erklären Sie sich die Schwierigkeiten bei der Personalsuche?
Das ist ein strukturelles Problem, das teilweise darauf zurückzuführen ist, dass es immer weniger Landwirte und somit auch weniger junge Menschen aus dem landwirtschaftlichen Umfeld gibt.
Die Folge: In Frankreich werden 52 % aller Mitarbeitersuchen als schwierig eingestuft. In den meisten Fällen werden Traktorfahrende und Maschinenführende gesucht. Allerdings stehen in ländlichen Gebieten nicht nur die landwirtschaftlichen Betriebe unter Druck.
Es gibt einen direkten Wettbewerb mit anderen Branchen wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe, die ebenfalls mit einem Mangel an Arbeitskräften zu kämpfen haben.
Weniger junge Menschen aus der Landwirtschaft bedeutet mehr Arbeitskräfte von außerhalb der Branche. Wie kann das gelingen?
Eine zentrale Frage ist, wie sich die Einstellung zur Arbeit verändert. Viele Neueinsteiger wünschen sich Homeoffice, mehr Urlaub und gerade genug Arbeitsstunden, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Wie lassen sich diese Erwartungen mit den besonderen Anforderungen unseres Berufes vereinbaren? Allerdings wünscht sich die junge Generation auch Berufe, die Sinn stiften – und hier hat die Landwirtschaft gute Argumente.
Die Landwirtschaft arbeitet mit lebenden Systemen, ist konkret und vermittelt Werte. Außerdem bietet sie ein vielfältiges Aufgabenfeld: Jeder Tag ist anders und meilenweit von der Büroarbeit entfernt, der viele Menschen gerade entfliehen wollen.
Welche Maßnahmen sind bei einem Einstellungsprojekt sinnvoll?
Heute erfolgen 70 % der Einstellungen in der Landwirtschaft durch Mundpropaganda. Aber es lohnt sich, die formellen Kanäle stärker zu nutzen. Wichtig ist es, die Stellenbeschreibung sorgfältig zu erstellen – ein Punkt, bei dem die ANEFA die Betriebe regelmäßig unterstützt. Die gesuchten Kompetenzen, die erwarteten Aufgaben oder die verhandelbaren Elemente sollten klar angegeben werden. Ein weiterer Tipp: Positiv formulieren! Schreiben Sie „Gelegenheit zur Arbeit im Freien“ statt „keine Angst vor der Arbeit im Freien“.
Die gesuchten Kompetenzen, die erwarteten Aufgaben oder die verhandelbaren Elemente sollten klar angegeben werden.
Außerdem kann man sich vom Storytelling inspirieren zu lassen, indem man in der Stellenanzeige die Geschichte des Betriebes erzählt, seine Werte und seine lokale Verankerung. Dadurch entsteht von Anfang an eine emotionale Bindung zu den Bewerberinnen und Bewerbern.
Sollte man investieren, um den Betrieb attraktiver zu machen?
Bevor es dazu kommt, empfehlen wir zunächst eine gründliche Reflexion über die Stärken des Betriebes als Arbeitgeber, da diese oftmals nicht benannt sind. Sobald man sich mit dem Thema befasst, lassen sich zahlreiche Hebel erkennen, wie beispielsweise Schulungen anzubieten, die Unterbringung zu erleichtern oder Arbeitnehmern die Möglichkeit zu geben, die Einrichtungen teilweise zu nutzen, wenn der Hof Veranstaltungen oder Agrotourismus anbietet. Es gibt viele Ansatzpunkte, man muss sie nur richtig hervorheben.
* ANEFA: französische Organisation zur Förderung von Beschäftigung und Ausbildung in der Landwirtschaft.
