ErntemaschinenPrecision FarmingMit KI die Ernte­pro­duk­ti­vität stei­gern

Moderne Tech­no­logie statt Bauch­ge­fühl: Ein Feld­ver­such mit dem neuen S7 800 zeigt, wie KI-gestützte Maschi­nen­ein­stel­lungen nicht nur die Qualität sichern, sondern auch die Effi­zienz stei­gern. Einblicke in die Praxis, span­nende Messungen und ehrliche Stimmen aus der Kabine.

Mathias Preußner ist nicht nur Land­wirt, sondern befasst sich auch mit der Entsor­gung von Spei­se­resten, Altfetten sowie der Verwer­tung von orga­ni­schen Abfällen, die er zur Ener­gie­ge­win­nung einsetzt. Im vergan­genen Herbst hat er sich für die Anschaf­fung eines neuen John Deere S7 800 Mähdre­schers entschieden. Da seine eigene Drusch­fläche für die Kapa­zität des Mähdre­schers zu klein ist, haben sich zwei befreun­dete Land­wirte über einen Privat­kredit am Kauf des Mähdre­schers betei­ligt und können den Mähdre­scher nun zu attrak­tiven Kondi­tionen auf ihren eigenen Flächen einsetzen. Insge­samt müssen in der Ernte­saison 2025 470 ha gedro­schen werden.

Ausschlag­ge­bend für den Kauf eines John Deere Mähdre­schers waren neben der bekannten Robust­heit und Lang­le­big­keit der Maschinen vor allen die neuen tech­ni­schen Funk­tionen der neuen Serie wie die auto­ma­ti­sche, voraus­schau­ende Einstel­lung. “Der Mähdre­scher reagiert nicht nur auf Ist-Werte, sondern stellt sich bereits vorab auf erwar­tete Bedin­gungen ein, ein klarer Vorteil gegen­über Systemen, die nur reaktiv arbeiten“, so Mathias Preussner.

Außerdem vertraut er auf die daten­ge­stützte Intel­li­genz. Darunter versteht er die Vernet­zung von Maschinen und die Nutzung von Schwarm­in­tel­li­genz über Algo­rithmen und KI. Wegen der hohen Anzahl von Maschinen, die welt­weit im Einsatz sind, sieht er John Deere mit seiner großen Daten­basis auf diesem Gebiet als führend an. Letzt­lich über­zeugten ihn diese Argu­mente so sehr, dass der sich schließ­lich unge­sehen zum Kauf des Mähdre­schers entschloss. Auch sein Fahrer Johannes Jäckel, der ursprüng­lich ein anderes Fabrikat bevor­zugte, ist nach dem Verlauf der Ernte restlos von der Maschine über­zeugt.

Land­wirt Jan-Peter Loth bewirt­schaftet in der Nähe des hessi­schen Fried­berg eine Acker­bau­be­trieb mit 250 ha.

Endlich wieder Ernte­wetter

Während der kalten und feuchten Periode in den vergangen Wochen kam die Getrei­de­ernte kaum voran. Web-Blogs und Fach­zei­tungen sind voll von Beiträgen über Quali­täts­ver­luste beim Weizen, und die Land­wirte können es kaum abwarten mit ihren Mähdre­schern wieder auf die Felder zu kommen. Während der Fahrt zum Betrieb von Jan-Peter Loth, einem der Partner von Mathias Preussner, in der Nähe des hessi­schen Fried­berg steht der Weizen auf vielen Feldern noch. Halme und Ähren schim­mern gräu­lich, aber Durch- und Auswuchs sind kaum zu erkennen. Land­wirt Jan-Peter Loth berichtet, dass die Fall­zahl einer Getrei­de­probe vom Vortag einen Wert von deut­lich über 300 aufwies, also kein Grund zur Sorge, das Getreide als Futter­weizen vermarkten zu müssen. „Wahr­schein­lich haben die nied­rigen Tempe­ra­turen der vergangen Wochen und die Tatsache, dass der Weizen auf den meisten Flächen stehen­ge­blieben ist, dafür gesorgt, dass die Korn­qua­lität nicht allzu sehr gelitten hat, jeden­falls nicht auf unserem Betrieb.“

Abtanken und Getrei­de­ab­fuhr

Heute wird bei Jan-Peter Loth Winter­weizen gedro­schen. Um die Mittags­zeit ist das Getreide trocken genug für die Ernte und ein nagel­neuer John Deere S7 800 Mähdre­scher mit Voll­aus­stat­tung dreht seine Runden. Gefahren wir die Maschine von Johannes Jäckel, der für Matthias Preußner arbeitet. Das Abtanken erfolgt während der Fahrt auf eines der am Feld­rand bereit­ste­henden Abfuhr­ge­spanne. Die Anhänger können jeweils um die 20 Tonnen Getreide aufnehmen.

„Zum Entladen benö­tigen wir unge­fähr vier Minuten. Bei 20-mal Abtanken bedeutet das mehr als eine Stunde zusätz­liche Dresch­zeit pro Tag“, erklärt Johannes Jäckel. Leider sind die Trak­toren nicht von John Deere, so dass Machine­Sync, die Auto­matik, welche während des Entla­dens die Steue­rung des Trak­tors durch den Mähdre­scher über­nimmt, nicht einge­setzt werden kann. Daher müssen sowohl Johannes Loth als auch die Trak­tor­fahrer während des Über­la­dens etwas mehr aufpassen.

Feld­ver­such: Auto­ma­ti­sie­rung des S7 800

Mit dabei ist heute auch Patrick Hofstetter. Er ist bei John Deere für die Betreuung von Feld­ver­su­chen zuständig und ermit­telt, wie gut sich die John Deere Maschinen im prak­ti­schen Einsatz schlagen. Zusammen mit Johanes Loth will er testen, wie die Auto­ma­ti­sie­rung der Mähdre­scher­ein­stel­lungen, sowie die vorraus­schau­ende Geschwin­dig­keits­re­gu­lie­rung die Produk­ti­vität und Verluste der Maschine im Vergleich zu einem erfah­renen und geübten Fahrer wie Johannes verbes­sert.

Die Auffang­schale wird unter dem Schräg­för­derer des Mähdre­schers ange­bracht und lässt sich durch eine Funk­vor­rich­tung ablösen.
Mit einem Feld­ge­bläse trennt Patrick Hofstetter die Spreu vom Weizen.
Mit einer spezi­ellen Präzi­si­ons­wage wir das Gewicht der ausge­fal­lenen Körner genau ermit­telt.

Dazu wird unter dem Schräg­för­derer eine Schale ange­bracht, welche die Körner auffängt, die nicht in den Mähdre­scher gelangen. Während der Fahrt beob­achtet Patrick Hofstetter den Körnerver­lust­wert im G5 CommandCenter Display und löst im geeig­neten Moment per Funk die Verlust­schale vom Mähdre­scher. Anschlie­ßend muss er die Schale unter dem dicken Stroh­schwad erst einmal wieder­finden. Dann trennt er mit Hilfe eines Gebläses die Spreu vom Weizen, bis nur noch die Körner übrig­bleiben, und ermit­telt das genaue Gewicht der ausge­fal­lenen Körner. Um einen Vergleich zwischen auto­ma­ti­sierter Maschine und manu­ellem Fahrer zu haben, muss der Versuch während des gesamten Nach­mit­tags mehr­fach wieder­holt werden.

Der neue Mähdre­scher hat einen Fan

In der Zwischen­zeit sitz Johannes Jäckel in seiner wohl­tem­pe­rierten staub­freien Kabine und erzählt begeis­tert über die neue Maschine. „Eigent­lich habe ich mir einen Mähdre­scher von einem anderen Hersteller gewünscht, aber als der Chef mir gesagt hat, dass wir dieses Modell mit Ernte­au­to­ma­ti­sie­rung bekommen, habe ich sofort ange­fangen mir YouTube Videos anzu­schauen, um mich mit der Maschine vertraut zu machen. Bei der eintä­gigen Maschi­nen­ein­wei­sung durch einen Service­tech­niker des Vertriebs­part­ners war es schon fast ein Gespräch auf Augen­höhe.“

Weil ich mir vorher bereits so viele YouTube Videos ange­schaut hatte, war die Maschi­nen­ein­wei­sung durch den Vertriebs­partner fast ein Gespräch auf Augen­höhe.

Johannes Jäckel

Maxi­male Schnitt­breite ausnutzen

Um beim Wende­ma­növer am Schla­gende den Mähdre­scher nicht zurück­setzen zu müssen, hat Johannes Jäckel das Feld in Beete einge­teilt. Eine Ernte­spur ist genau 9 m breit. Bei einer Schneid­werks­breite von 9,15 m bedeutet das, dass auf jeder Seite exakt 7,5 cm Platz sind. „Ursprüng­lich hatten mir die Chefs gesagt, versuche es mal mit 8,50 m effek­tiver Schnitt­breite und taste dich von unten ran, um heraus­zu­finden, was möglich ist. Ich habe dann aber gleich mit 9 m ange­fangen und es hat funk­tio­niert“, berichtet Johannes Jäckel stolz. Das eigent­liche Wend­ma­növer führt der Mähdre­scher dann ganz von allein durch, da braucht der Fahrer eigent­lich nichts mehr zu tun.

Voraus­schau­ende Geschwin­dig­keits­an­pas­sung

Der neue Mähdre­scher ist mit Predic­tive Ground Speed Auto­ma­tion – der voraus­schau­enden Geschwin­dig­keits­an­pas­sung – ausge­stattet. Mit Hilfe zweier Screens im GS5 Display erklärt Johannes Jäckel, wie das genau funk­tio­niert: „Im Lenk­system-Screen erkennt man im Hinter­grund eine Biomas­se­karte, die auf Satel­li­ten­daten basiert. Sie enthält Infor­ma­tionen über den Aufwuchs. Im Live­ka­mera-Screen sieht man, wie die Maschine das Terrain unmit­telbar vor dem Schneid­werk abscannt. Ein KI-Algo­rithmus verrechnet die Daten aus den beiden Quellen und passt dann voraus­schauend die Geschwin­dig­keit des Mähdre­schers an.“ Das Ziel dieser Anpas­sung besteht darin, die volle Motor­kraft zu nutzen und den Mähdre­scher perma­nent an seiner Leis­tungs­grenze zu fahren. Die Anpas­sung der Fahr­ge­schwin­dig­keit erfolgt dabei so geschmeidig, dass der Fahrer sie im Inneren der Kabine kaum wahr­nimmt.

Im Hinter­grund des Lenk­system-Screens lässt sich die Biomas­se­karte aus Satel­li­ten­daten erkennen.

Die grün­li­chen Flächen im Live­ka­mera-Screen zeigen an, wo vor dem Schneid­werk der Mähdre­scher das Feld abscannt.

Die im Screen ange­zeigten Werte basieren auf einer nomi­nalen Skala von 1 bis 10 und müssen sie durch Messungen kali­briert werden.

Auto­ma­ti­sierte Maschi­nen­ein­stel­lung

Ausschlag­ge­bend für die Mini­mie­rung der Körnerver­luste, die heute unter­sucht wird, ist aller­dings die soge­nannte Harvest Setting Auto­ma­tion (Maschi­nen­ein­stel­lungs­au­to­ma­ti­sie­rung). Dazu legt Johannes Jäckel einfach im Dreschen-Screen Grenz­werte für Verluste, Bruch­korn und die Sauber­keit des Ernte­gutes fest. Das System verfügt über eine neue Tech­no­logie zur Verlus­ter­ken­nung und analy­siert fort­lau­fend die Leis­tungs­pa­ra­meter in Rela­tion zu den fest­ge­legten Grenz­werten. Die KI des S7 Mähdre­schers kümmert sich um alle notwen­digen Anpas­sungen im inneren der Maschine, um die gesetzten Grenz­werte so gut wie möglich einzu­halten. Die im Screen ange­zeigten Werte basieren auf einer nomi­nalen Skala von 1 bis 10 und sind keine echten Prozent­an­gaben. Um ein realis­ti­sches Bild zu erhalten, müssen sie durch Messungen, wie die von Patrick Hofstetter zu den Körnerver­lusten, durch Sicht­kon­trollen mit Hilfe der Getrei­de­ka­mera oder durch einen Blick durch das Fenster in den Korn­tank kali­briert werden.

Auto­ma­ti­sie­rung hält die Leis­tung konstant

Patrick Hofstetter gibt ein Zeichen zum Anhalten. „Mit den Messungen bin ich jetzt fertig, das Ergebnis ist eindeutig. Die auto­ma­ti­sche Maschi­nen­ein­stel­lung hält die Körnerver­luste konstant im ange­strebten Bereich von 1%.“ Demge­gen­über schwanken die Mess­werte bei manu­eller Steue­rung deut­lich stärker und weisen in einigen Fällen auch deut­lich höhere Prozent­werte aus. Auch Johannes Jäckel ist über­zeugt, dass er über einen ganzen Dreschtag hinweg nicht die dieselbe Leis­tung aufrecht­erhalten kann, wie die Auto­ma­ti­sie­rungs­funk­tionen des neuen S7 800 Mähdre­schers. Aus dem Bauch heraus schätzt er, dass bei den relativ kleinen Flächen, die er zu dreschen hat, die Auto­ma­ti­sie­rung eine Mehr­leis­tung von bis zu 15 % erbringt. „Man merkt deut­lich, dass die Maschine perma­nent Anpas­sungen vornimmt. Das kann ein normaler Fahrer über den ganzen Tag hinweg nicht leisten.“