Der Fütte­rungs­ro­boter – ein Präzi­si­ons­faktor in der Fleisch­rin­der­hal­tung

Der Betrieb EARL Bérard-Beau­vais ist in Frank­reich ein Vorreiter beim Einsatz von Fütte­rungs­ro­bo­tern in der Fleisch­rin­der­hal­tung. Flur und Furche wollte heraus­finden, welche Ergeb­nisse zehn Jahre Erfah­rung mit diesem Verfahren gebracht haben.

Jean-Luc Bérard kennt die Land­wirt­schaft aus vielen Perspek­tiven: erst als Acker­bauer, später als Vieh­halter und schließ­lich als enga­gierter Vertreter der regio­nalen Tier­wirt­schaft. Doch seine eigent­liche Leiden­schaft blieb immer die Fleisch­rin­der­zucht.

1996 bot sich ihm gemeinsam mit seiner Frau die Chance, den Betrieb des Schwie­ger­va­ters zu über­nehmen, der damals auf Fleisch­rin­der­hal­tung mit 40 Mutter­kühen der Rasse Rouge des Prés spezia­li­siert war. Aus diesem Anfang entwi­ckelte sich Schritt für Schritt ein deut­lich größerer und profes­sio­nell orga­ni­sierter Betrieb mit einer homo­genen Limousin-Herde aus dem Ursprungs­ge­biet der Rasse, neu errich­teten Stall­ge­bäuden und einer wohl durch­dachten Vermark­tung über die Erzeu­ger­ge­mein­schaft Bovimaine.

Als die Fleisch­preise drei Jahre später unter Druck gerieten, suchte die EARL Bérard-Beau­vais nach neuen Stand­beinen. Zunächst pflanzte er 10 ha Most­ap­fel­bäume, die heute in voller Produk­tion stehen. Parallel ermög­lichte die Genos­sen­schaft der Land­wirte von Loué Jean-Luc Bérard den Einstieg in die Mast­ge­flü­gel­hal­tung.

Durch die Vogel­grippe wurde dieser Betriebs­zweig auf die Enten­vor­mast neu ausge­richtet, was gleich­zeitig eine arbeits­in­ten­sive Aufgabe mit Einstreuen, Ratio­nieren und regel­mä­ßiger Pflege bedeutet. Spätes­tens zu diesem Zeit­punkt stellte sich die Frage: Wie lässt sich zusätz­liche Arbeit bewäl­tigen, wenn allein die Fütte­rung von 300 Rindern täglich zwei bis drei Stunden bindet? „Die Frage nach einem Roboter stellte sich ganz von selbst, und als der Hersteller Lely 2016 seine Lösung, den Vector und seinen Kunden­dienst anbot, haben wir inves­tiert“, erzählt der Land­wirt.

Jean-Luc Bérard bestä­tigt, dass ein leise arbei­tender elek­tri­scher Roboter zusätz­lich wohl­tu­ende Ruhe in seinem Vieh­be­stand bringt.

EIN ROBOTER FÜR DIE OPTIMALE TAGESZUNAHME

Trotz vorhan­dener Mitar­beiter blieb die Fütte­rung auf dem Betrieb ein sensi­bler Punkt. „Fehler sind mensch­lich“, sagt Jean-Luc Bérard. Beim Wiegen der Tiere zeigte sich deut­lich, wie sich kleine Unge­nau­ig­keiten auswirken können: Die tägli­chen Zunahmen schwankten teils um unge­wöhn­liche 200 Gramm. Dennoch musste die Inves­ti­tion in einen Roboter wohl über­legt sein. Würde die Betriebs­größe ausrei­chen, um die Kosten für die Technik zu tragen?

Heute sind die beiden Mitar­beiter nicht mehr direkt mit der Futter­vor­lage beschäf­tigt. Trotzdem bleibt weiterhin Arbeit: Die Futter­küche muss alle zwei Tage befüllt werden, und das Einstreu­gerät ist nach wie vor im Einsatz. Hinzu kommt die Feld­ar­beit auf 166 ha land­wirt­schaft­li­cher Nutz­fläche, darunter 50 ha Grün­land, 25 ha Mais, 25 ha Getreide und fünf bis sechs ha Futter­rüben, die kürz­lich wieder in die Frucht­folge aufge­nommen wurden.

Nach zehn Jahren Erfah­rung zieht Jean-Luc Bérard eine klare Bilanz: „Für einen einzelnen Fütte­rungs­ro­boter sehe ich bei rund 130 Mutter­kühen plus Nach­zucht die wirt­schaft­liche Ober­grenze. Entschei­dend ist jedoch nicht allein die Renta­bi­lität, sondern auch die tech­ni­sche Präzi­sion und die Entlas­tung im Alltag.

Früher waren für Futter­misch­wagen und Abroll­gerät zwei Traktoren, Diesel und täglich zwei bis drei Arbeits­stunden nötig. Gefüt­tert wurde zweimal am Tag: eine Mischung für die Jung­bullen, eine weitere für Kälber, tragende Kühe und Färsen. Die Rationen ließen sich dabei nur grob an die einzelnen Tier­gruppen anpassen. Zudem musste das Futter mehr­mals täglich nach­ge­schoben werden, um die Aufnahme zu fördern und Reste zu vermeiden, was eine körper­lich anstren­gende und zeit­auf­wen­dige Arbeit bedeu­tete. Heute über­nimmt der Roboter diese Aufgabe leise und zuver­lässig rund um die Uhr.“

Über sein Mobil­te­lefon kann der Land­wirt die Futter­aus­gabe program­mieren. Außerdem kann er für jeden Futter­trog einzeln über­prüfen, ob tatsäch­lich die gewünschte Futter­mi­schung ausge­geben wurde.
Ein Blick in die Futter­küche, wo der Greifer die Zutaten für die sieben verschie­denen, von Jean-Luc Bérard program­mierten Rationen entnimmt, bevor sie im Behälter des Robo­ters vermischt werden.

Über eine App auf dem Mobil­te­lefon steuert Jean-Luc Bérard heute sieben präzise abge­stimmte Rationen, die er selbst am Computer program­miert hat: zwei für die Jung­bullen, zwei für die Färsen, zwei für die Erst­kal­binnen und eine für die Mast­kühe.

In der Futter­küche erfassen Sensoren am Greifer zunächst das Gewicht der entnom­menen Kompo­nenten; im Misch­be­hälter wird die Menge bei Bedarf noch­mals korri­giert. Anschlie­ßend fährt der Roboter auf Boden­schienen stünd­lich an den Futter­trögen vorbei. Ultra­schall­sen­soren helfen ihm, sich exakt vor dem Futter­tisch jeder einzelnen Mast­bucht zu posi­tio­nieren.

Das regel­mä­ßige Vorlegen frischer, schmack­hafter Rationen regt die Tiere zur Futter­auf­nahme an. Bei Lely France verweist man dabei auf die Verdau­ungs­phy­sio­logie der Wieder­käuer: Wenn Futter jeder­zeit erreichbar ist, können die Tiere über den Tag verteilt klei­nere Mahl­zeiten aufnehmen und so den pH-Wert im Pansen stabiler halten. Für den Betrieb bedeutet das vor allem eines: konstante Fütte­rung, präzi­sere Rationen und zuver­lässig erle­digte Arbeit.

zusätz­liche durch­schnitt­liche tägliche Zunahme pro Tier im Bestand ermit­telte Jean-Luc Bérard dank des Robo­ters. Als das Futter noch mit einem herkömm­li­chen Futter­misch­wagen vorge­legt wurde, kam es dagegen teil­weise zu nega­tiven Abwei­chungen von bis zu 200 g pro Tag.

Hoch­wer­tige Zutaten sind ein weiteres Geheimnis von Jean-Luc Bérard: Die Mais­silage wird mit Netzen geschützt, bevor sie mit einem Siloblock­schneider entnommen wird. 
Bei der EARL Bérard-Beau­vais hat die Zeit­er­sparnis durch den Fütte­rungs­ro­boter für Rinder zu einer Diver­si­fi­zie­rung der Arbeits­auf­gaben und des Einkom­mens geführt. In dem konkreten Fall kamen zur Fleisch­rin­der­hal­tung und den ursprüng­li­chen 10 ha Most­äp­feln noch der Betriebs­zweig zur Enten­vor­mast hinzu.

EIN ROBOTER FÜR DAS TIERWOHL

„Entgegen der verbrei­teten Annahme entfernt uns der Roboter nicht von unseren Tieren, sondern ganz im Gegen­teil“, sagt Jean-Luc Bérard. „Er verschafft uns Zeit, die Herde genauer zu beob­achten, ihren Zustand besser zu über­wa­chen und einzelne Tiere gezielter zu begleiten. Für eine ruhige, ausge­gli­chene Herde ist das entschei­dend.“

Gleich­zeitig weiß der Land­wirt, dass Auto­ma­ti­sie­rung keine Sorg­falt ersetzt. Beson­ders penibel ist er deshalb bei der Sauber­keit des Mais­silos. Netze schützen die Entnah­me­stelle vor Vögeln, ein Siloblock­schneider sorgt dafür, dass der Mais­block sauber abge­trennt wird und nicht oxidiert, bevor ihn der Greifer des Robo­ters aufnimmt. Zusätz­lich mischt Bérard siliertes Stroh in die Rationen und fördert damit das Wieder­käuen, was die Verdauung der Tiere unter­stützt.

Entgegen allge­meiner Annahmen entfernen wir uns durch den Roboter nicht von unseren Tieren.

Jean-Luc Bérard

Nach Angaben von RobAgri, dem 2017 gegrün­deten Verband der fran­zö­si­schen Agrar­ro­bo­tik­branche, sind in Frank­reich derzeit rund 200 Fütte­rungs­ro­boter in Rinder­hal­tungs­be­trieben im Einsatz. Im Vergleich zu den rund 14.000 in Frank­reich regis­trierten Melk­ro­bo­tern wirken die Zahlen noch über­schaubar. Landes­weit gibt es fernen unge­fähre 2.800 Gülle­ab­streifer und -sauger sowie rund 1.000 Futter­an­schie­be­roboter. Die auto­ma­ti­sierte Fütte­rung bleibt damit ein junges Segment mit hohem Entwick­lungs­po­ten­zial.

Fütte­rungs­ro­boter sind in der Fleisch­vieh­hal­tung noch selten, in der Milch­vieh­hal­tung sind sie dagegen weiter verbreitet.

Auch die Land­ma­schi­nen­in­dus­trie sieht in der Robotik einen wich­tigen Baustein für die Zukunft der Land­wirt­schaft. In einem aktu­ellen Jahres­be­richt heißt es, Roboter könnten Land­wirte vor allem bei schweren und wieder­keh­renden Arbeiten entlasten, und die Land­technik sei bereit dafür.

Gerade in Rinder­hal­tungs­be­trieben zeigt sich dieses Poten­zial beson­ders deut­lich. Je nach Herden­größe und Zahl der Tier­gruppen kann allein die Fütte­rung täglich 1,5 bis zwei Stunden Arbeits­zeit binden. Für Jean-Luc Bérard ist das kein Zukunfts­sze­nario mehr. Er lebt diese Entwick­lung seit zehn Jahren auf seinem Betrieb.