Schon als Kind fuhr Matthias Stadlhuber bei einem befreundeten Lohnunternehmer auf einem John Deere 5020 mit. Das war ein Erlebnis, welches ihn nie wieder losließ. Heute führt der umtriebige Unternehmer aus Aschau am Inn nicht nur den landwirtschaftlichen Familienbetrieb und ein Lohnunternehmen, sondern ist auch in weiteren Geschäftsbereichen aktiv. Trotz modernster Großtraktoren auf seinen Feldern hegte er seit Jahren einen Traum: einen historischen John Deere sein Eigen nennen.
Die Entscheidung für den 6030
Ursprünglich wollte Stadlhuber einen 5020 erwerben. Doch dann entdeckte er den noch selteneren 6030, den „aufgeblasenen“ Nachfolger des 5020. Mit über 175 PS (später sogar bis 225 PS mit Turbolader) war der 6030 zwischen 1972 und 1977 der stärkste Serientraktor der Welt.
Nur 4.048 Stück wurden gebaut, und in Europa war er nahezu unbekannt. Als sich die Gelegenheit bot, einen stark mitgenommenen 6030 in der Wheatland-Konfiguration aus den Niederlanden zu kaufen, griff Stadlhuber zu. Baujahr: 1976. Zustand: Nahezu Schrott.

rekonstruiert werden – 1976.

Im Herbst 2019 wurde der Traktor beim John Deere Vertriebspartner Schoma Völk in Soyen angeliefert. Dort begann ein Projekt, das fast fünf Jahre dauern sollte. Als größte Herausforderung stellte sich dabei die Ersatzteilbeschaffung heraus.
Viele Originalteile mussten weltweit auf Auktionen und bei Spezialhändlern gesucht werden. Dazu verbrachte Matthias Stadlhuber Nächte am Computer, unterstützt wurde er von Sammlern aus Holland und Niederbayern. „Zwischendurch wollte ich aufgeben – die Kosten und die Mühe waren enorm“, erinnert er sich.



Da der Traktor ursprünglich über eine Kabine verfügte, mussten viele Teile, wie auch die Kotflügel, entweder auf dem weltweiten Ersatzteilemarkt gekauft, oder selbst nachgebaut werden.
Vom Originalmotor blieb nur der Block über, alle anderen Teile wurden ersetzt oder grundlegend überarbeitet.
Für die Lackierung der Teile richtete die Werkstatt extra eine Kabine ein.
Heute sieht der 6030 wieder aus wie neu und hat sogar eine TÜV-Abnahme.
Die Werkstatt unter Leitung von Michael Niedersüß übernahm die technische Umsetzung. Viele der erworbenen Teile waren defekt und nicht rückgabefähig, manche mussten sogar selbst nachgebaut werden.
Die Vorderachse wurde mit Gusselektroden neu aufgebaut, der Kühler von einem Oldtimer-Spezialisten gefertigt. Und vom Originalmotor blieb nur der Block, alles andere wurde erneuert. Die Einspritzpumpe und das Getriebe wurden komplett überarbeitet, die Kupplung konnte als Neuteil beschafft werden. Nach der Restaurierung leistet der Traktor nun beeindruckende 245 PS an der Zapfwelle.

Auch die Lackierung war Handarbeit: Auszubildende schleiften Teile ab und lackierten sie in einer provisorischen Kabine. „Es war ein Projekt, bei dem wir wieder mit Hammer und Zange arbeiten konnten“, sagt Niedersüß.

Es war ein Projekt, bei dem wir wieder mit Hammer und Zange arbeiten konnten.
Michael Niedersüß, Werkstattleiter
Auch die TÜV-Abnahme war ein Abenteuer. Ohne Papiere musste das Baujahr über Seriennummer und Einspritzdüsen ermittelt werden. Am Ende gab es eine Komplettabnahme – 40 km/h Höchstgeschwindigkeit inklusive.
Die große Übergabe und das neue Leben des Oldtimers
Im Herbst 2024 war es so weit, der 6030 glänzte wie neu. Die Übergabe erfolgte spektakulär mit einem John Deere LKW und einer Überraschungsparty auf Stadlhubers Hof. Heute ist der Traktor ein Star auf historischen Veranstaltungen und Festen. Und manchmal darf er sogar wieder arbeiten, etwa beim Abfahren von Getreide während der Ernte.



Auslieferung des frisch restaurierten 6030 durch den John Deere Vertriebspartner Schoma Völk im Spätjahr 2024.
Der 6030 wird ausgepackt.
„Der 6030 ist für mich mehr als ein Traktor. Er ist ein Stück Geschichte und ein Symbol für Ausdauer und Leidenschaft“, sagt Stadlhuber. Wer ihn sieht, versteht sofort, warum dieser Oldtimer zu den begehrtesten Sammlerstücken weltweit gehört.
Technische Daten – John Deere 6030
- Baujahre: 1972–1977
- Produktionsort: Waterloo, Iowa (USA)
- Produzierte Stückzahl: ca. 4.048
- Motor: 6-Zylinder, 8,7 Liter Hubraum
- Leistung: 175 PS (Serie), bis 225 PS mit Turbolader
- Getriebe: Synchronisiert, mechanisch
- Versionen: Wheatland (breite Reifen) und Rowcrop (Steckachse mit Zwillingsbereifung)
- Optionale Kabine: ab Mitte der 1970er Jahre verfügbar
- Besonderheit: Stärkster Serientraktor seiner Zeit
- Originalpreis (1977): ca. 29.000 US-Dollar


