Ein gesunder Boden und ausreichend Frischwasser sind für die Landwirtschaft unerlässlich. Auf diese beiden Aspekte konzentriert sich auch Klaas Schenk, der im nordholländischen Anna Paulowna, in der Nähe der Nordseeküste, den Ackerbaubetrieb Lotmeer bewirtschaftet. 2002 änderte der Unternehmer die Ausrichtung seines Betriebs, indem er seine Anbaufläche erheblich reduzierte. Von den 90 ha Betriebsfläche, bestehend aus eigenem Land plus Pachtflächen, blieben lediglich 30 ha übrig.
„Seither widmen wir unserem Boden viel mehr Aufmerksamkeit“, berichtet Schenk. „Unter anderem halten wir unsere Felder das ganze Jahr über grün, damit das Bodenleben besser vor Witterungseinflüssen geschützt ist. Außerdem pflügen wir nicht mehr und nutzen feste Fahrwege.“
Die Versorgung mit Süßwasser gerät zunehmend unter Druck, und dann ist man der Natur ausgeliefert.
Klaas Schenk
Alle vier Jahre Kartoffeln
Diese Maßnahmen wirken sich positiv auf den Gehalt an organischer Substanz im Boden und das Bodenleben aus, was wiederum zu einem besseren Pflanzenwachstum führt. Auf den Pachtflächen stieß Schenk allerdings an Grenzen. „Auf diesen Feldern hatten wir eine dreijährige Fruchtfolge: zwei Jahre Mais und dann unsere Kartoffeln. Diese Anbauweise ist viel intensiver als die vierjährige Fruchtfolge, die wir auf unseren eigenen Feldern anwenden. Das schlug sich dann auch in einem 15 % geringeren Ernteertrag nieder.“ Bei Pflanzkartoffeln, der Hauptfrucht des Betriebs, geht es da schnell um viel Geld. „Hier an der Küste sind die klimatischen Bedingungen günstig. Dank der gemäßigten Temperaturen und des Windes haben wir weniger Probleme mit Läusen. Der Anbau ist arbeitsintensiv und lastet uns das ganze Jahr über aus.“

Die Fruchtfolge wird durch Saatzwiebeln, Weizen und neue Feldfrüchte, wie beispielsweise Süßkartoffeln, ergänzt. Insbesondere bei den Zwiebeln und den Pflanzkartoffeln sieht der Landwirt Herausforderungen beim Pflanzenschutz. „Es stehen immer weniger Chemikalien zur Verfügung und die verbleibenden Mittel haben eine immer geringere Wirkbreite. Unkraut- und Schädlingsbekämpfung wird dadurch schwieriger.“ Niederländische Pflanzkartoffeln werden in alle Welt exportiert. Sie müssen höchsten Anforderungen genügen und frei von Krankheiten und Schädlingen sein. „Deshalb beschäftigen wir uns seit fünfzehn Jahren mit funktioneller Agrobiodiversität, und mit Blühstreifen an Ackerrändern fördern wir natürliche Feinde.“
Bewusstere Entscheidungen
Laut Schenk besteht die größte Herausforderung darin, Vertrauen in das natürliche Gleichgewicht zu gewinnen. „Das bedeutet, nicht zu schnell einzugreifen. Dies ist allerdings wegen der hohen Anforderungen an das Pflanzgut schwierig. Ganz ohne Chemie geht es nicht.“ Insgesamt verzeichnet er jedoch einen deutlichen Rückgang des Pflanzenschutzmitteleinsatzes, unter anderem durch intensive Beobachtung und Eingreifen erst bei bestimmten Schwellenwerten. „Dazu nutzen wir Klebefallen und Gelbschalen. Unterdessen schreiten die technischen Entwicklungen schnell voran. Bald wird man mithilfe von Kameratechnik und KI in Echtzeit sehen können, was auf dem Feld passiert. Dann kann man viel schneller und gezielter eingreifen. Die modernen Geräte liefern Anhaltspunkte, um bewusstere Entscheidungen zu treffen.“


Das Wasser- und Nährstoffmanagement auf dem Ackerbaubetrieb ist dafür ein anschauliches Beispiel. In den letzten fünf Jahren wurde im Rahmen des Projekts „Zoetwaterboeren“ (Süßwasserbauern) ein nachhaltiges Wassersystem bei Schenk installiert, welches ihn in seiner Wasserversorgung autark macht. „Das Klima ändert sich, was zu längeren Trockenperioden und dem Risiko der Bodenversalzung führt. Unser Polder liegt am Ende des Zuständigkeitsgebietes unseres Wasserverbands und erhält als letzter Süßwasser aus dem IJsselmeer. Diese Versorgung gerät zunehmend unter Druck, und dann sind wir der Natur ausgeliefert. Im Jahresdurchschnitt fällt mehr als genug Regen, um unsere Pflanzen anzubauen, aber viel davon fällt in der Zeit, in der wir es nicht brauchen. Also müssen wir Wasser speichern.“
Unterirdische Speicherung

Wasser kann ober- oder unterirdisch gespeichert werden. Eine oberirdisches Auffangbecken nimmt allerdings viel Platz ein und verursacht bei stürmischem Wetter Probleme. Also entschied sich Schenk für einen unterirdischen Speicher, von dem es in der Region bereits einige Pilotprojekte gab. In 25 bis 30 Metern Tiefe gab es eine geeignete Bodenschicht zur Wasserspeicherung. Also wurde ein Brunnen gebohrt, und nun können insgesamt 30.000 m3 Wasser pro Jahr in diese Schicht gepumpt werden. „Stellen Sie sich das wie einen Ballon vor, der sich aufbläst und das salzige Wasser verdrängt“, erklärt Schenk. „Das machen wir im Herbst und Winter.“ Im Frühling und Sommer kehren wir den Vorgang um und können etwa 95 % des gespeicherten Wassers wieder entnehmen.“
Dafür musste das Drainagesystem so angepasst werden, dass es das Wasser nicht ableitet, sondern speichert. 1,10 m unter der Oberfläche wurden Abläufe verlegt, die von den umliegenden Gewässern abgeschlossen sind. Diese Abläufe sind Teil der pegelgesteuerten Drainage und können den Stand der Süßwasserlinse im Boden beeinflussen. Wenn es nass ist, fließt das überschüssige Wasser in das Speicherbecken. Das Wasserbecken ist mit einem Sandfilter ausgestattet, der die organischen Verbindungen herausfiltert, und mit einem Aktivkohlefilter für die chemischen Verbindungen, wie Pflanzenschutzmittel. Außerdem wurde ein UV-Filter installiert, um Bakterien und Pilze abzutöten. „Wir erreichen beinahe Trinkwasserqualität. So sauber brauchen wir es nicht unbedingt für unsere Pflanzen, aber jetzt wissen wir sicher, dass wir das Grundwasser nicht verunreinigen“, so Klaas Schenk.
Überwachung der Pflanzen
Die Felder werden von unten über die Abläufe und von oben über die Tropfbewässerung bewässert. Dem Wasser, das über die Tropfschläuche zu den Pflanzen gelangt, können Nährstoffe zugesetzt werden. „Das tun wir in der Praxis durchschnittlich dreimal pro Woche. Dazu überwachen wir die Pflanzen auf dreierlei Weise. Wir messen den Feuchtigkeitsgehalt im Boden mit Sensoren, überwachen das Pflanzenwachstum mit Satelliten- und Drohnenbildern und schicken Pflanzen- und Bodenproben zur Kontrolle ins Labor. Auf Grundlage dieser Daten wird ein Modell erstellt, damit wir zum richtigen Zeitpunkt die richtige Menge Wasser und Nährstoffe geben können.“
Mit unserem Wassersystem können wir die Wettereinflüsse abmildern, was weniger Stress für die Pflanzen bedeutet.
Klaas Schenk
„Eine Kartoffel kann nach 100 Tagen Ertrag liefern“, fährt Schenk fort. „Je nach Wetterbedingungen sind es auch mal 90 oder 140 Tage. Mit unserem Wassersystem können wir die Wettereinflüsse abmildern, was weniger Stress für die Pflanzen bedeutet.“ Das System ermöglicht dem Landwirt eine echte Kreislaufwirtschaft. Sollte er dennoch Wasser ins Oberflächenwasser einleiten müssen, ist dafür ein Zwischenschritt vorgesehen. „Wir können 10 m3 Wasser pro Stunde filtern. Wenn der Druck auf das System bei starkem Regen zu groß wird, wird der Überschuss zu einem Hackschnitzelfilter geleitet. Dieser sorgt dafür, dass Stickstoff und Phosphat aus dem Wasser entfernt werden, bevor es in das Oberflächenwasser gelangt.“
Ganzjährig feucht
Schenk kann auch auf den Wetterbericht reagieren und im Voraus Wasser ablassen, wenn viel Niederschlag erwartet wird. „Bei empfindlichen Pflanzen wie Kartoffeln macht man das eher als bei Getreide.“ Somit ist er nicht mehr nur Landwirt, sondern auch Wassermanager. „Es ist schön, Kontrolle über etwas zu haben, das wir vorher nie in der Hand hatten. Wir haben viel mehr Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Außerdem können wir den Boden das ganze Jahr über feucht halten. Dank der Schwammwirkung des Bodens können wir somit bei starkem Regen das Wasser schneller ableiten.“

Schenk zufolge steht das Wassersystem auf einem stabilen Fundament. „Jetzt kommt es auf die Feinabstimmung und den Umgang mit all den verschiedenen Parametern an. Dann besteht das Potenzial für einen Mehrertrag.“ Durch die gesamten Investitionen liegen seine Produktionskosten zwar etwa 35 % höher, doch Schenk ist es ein persönliches Anliegen, trotzdem weiterzumachen. „Wir müssen es nun einmal anders machen als unsere Väter und Großväter. Anbau mit minimaler Umweltbelastung. Um das als Sektor zu erreichen, müssen alle an einem Strang ziehen: Abnehmer, Behörden, Investoren und die Gesellschaft. Es ist ein gemeinsames Unterfangen. Wir sind als Sektor Teil der Gesellschaft. In vielen Bereichen können wir Teil der Lösung sein, aber wir können es nicht allein schaffen.“
