„Nur Kämpfe, die man nicht führt, sind von vornherein verloren.” Mit dieser inneren Einstellung lässt sich auch die Landwirtschaft in Stadtrandgebieten gut verteidigen. Viele Medien berichten über Streitigkeiten zwischen Landwirten und Stadtbewohnern, illegale Motorradrennen oder wilde Müllkippen. Die Realität sieht allerdings anders aus und bietet sogar neue Chancen, sofern die Bereitschaft besteht, sich für das öffentliche Leben zu engagieren. Denis und Nathalie Fumery aus Sagy bei Cergy-Pontoise und ihr Sohn Philémon, der im vergangenen Jahr den landwirtschaftlichen Betrieb übernommen hat, zeigen uns, wie ihre Familie diesen Kampf seit 75 Jahren führt.
Befristung
Die Fumerys stammen ursprünglich aus Pas-de-Calais. „Unser Vater fühlte sich in den 1950er Jahren allerdings von der Île-de-France angezogen, weil es dort erschwingliche Bauernhöfe zu übernehmen gab”, erinnert sich Denis Fumery. Allerdings barg das Vorhaben damals bereits Risiken, da die ländlichen Gemeinden Cergy und Pontoise für ein großes Neubauprojekt vorgesehen waren, um den Druck auf die sich rasant ausbreitende Pariser Metropolregion zu vermindern. Die weite Flussschleife der Oise, bevor sie wenige Kilometer weiter in die Seine mündet, machte das Gebiet zum idealen Standort für eine „Landschaftsstadt“.
„Ein großer Teil des ursprünglichen Hofes meiner Eltern wurde enteignet, weil er im Gebiet der neuen Stadt lag“, erzählt Denis weiter. Während der Bauphase gewährte der Staat den Landwirten einen vorübergehenden Nutzungsstatus. „Das bedeutete, dass meine Eltern das Land weiter bewirtschaften durften, aber die Bulldozer konnten auch direkt vor der Ernte anrücken und eine Baustelle direkt in der Kultur einrichten“, fügt er hinzu.

Denis selbst musste von dem Bauernhof seiner Kindheit im nahe gelegenen Courdimanche wegziehen. „Ich wusste, dass ich das Land nicht bis zur Rente bewirtschaften würde und dass ich gezwungen sein würde, wegzuziehen“, erzählt er. Aber das schreckte Denis Fumery nicht ab, der sich damit abgefunden hatte, flexibel und anpassungsfähig zu sein, wie es die Situation erforderte. „Mein Vater war sehr umtriebig. Das habe ich von ihm geerbt. Ich selbst habe verschiedene Berufe ausgeübt, bevor ich mich mit 32 Jahren niedergelassen habe.“ Denis hat sechs Brüder, die alle Landwirte waren oder noch sind. Denis und Nathalie haben vier Kinder, darunter den 34-jährigen Philémon, der nach einem Studium der Betriebswirtschaft, mehreren Auslandsaufenthalten und einem landwirtschaftlichen Abschluss an der Ingenieurhochschule in Angers den Betrieb übernommen hat.
Daten über die Fumerys
1950: Ankunft der Familie Fumery im Val-d’Oise
1988: Gründung der EARL Fumery in Sagy
1995: Gründung des Regionalen Naturparks Vexin français (striktes Bauverbot)
2005: Der Hof von Denis in Courdimanche zieht in die benachbarten Ortschaft Saillancourt um
2024: Übernahme des Betriebs durch Philémon, Sohn von Denis und Nathalie Fumery
Ackerbau am Stadtrand
Aus Angst vor einer Ausbreitung der Stadt „nach amerikanischem Vorbild“ unterzeichneten die lokalen Politiker zu Beginn der 2000er Jahre eine Charta zur Gründung des Regionalen Naturparks Vexin français, der sich über insgesamt 98 Gemeinden in den Départements von Val-d’Oise und Yvelines erstreckt. Die Charta schützt die Umwelt, indem sie die Möglichkeiten zur städtischen Expansion stark einschränkt und gleichzeitig Ackerland als Kulturgut anerkennt. Ein Sieg also für die Landwirte.
Mehrere Nachbarn von Denis haben ihre Tätigkeit eingestellt und ihm einen Teil ihres Landes übertragen. Die EARL (landwirtschaftliche Gesellschaft mit beschränkter Haftung) Fumery umfasst heute 220 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, die zwar gut zusammenliegt aber in 85 Parzellen und einer durchschnittlichen Größe von 3 ha unterteilt ist. Die Böden sind heterogen und von tiefem Lehm- über eher gute Lehm-Kalkböden bis hin zu Sandböden.
In den 90er Jahren bestellte Denis Fumery bis zu 40 % seiner Fläche mit Sommereiweißerbsen. Allerdings musste er diesen lukrativen Anbau wegen der Aphanomyces (Wurzelfäule) aufgeben. Der Getreideanbau beansprucht nun den größten Flächenanteil und liefert auch Stroh, welches teilweise an einen benachbarten Reiterhof verkauft wird. Zuckerrüben, Sommerbohnen, Hafer und Raps runden die Fruchtfolge ab. Die Bodenbearbeitung erfolgt noch recht klassisch. Wegen des Arbeitskräftemangels und für die Zeit, wenn sein Vater Denis sich aus dem Betrieb zurückziehen will, interessiert sich Sohn Philémon auch für die Vorteile der konservierenden Landwirtschaft.

Kommunikation zur Deeskalation
Die Fumerys stören vor allem Fehlverhalten und mangelnde Anerkennung. Wilde Müllhalden waren in der Vergangenheit ein großes Ärgernis, das gehört jedoch langsam der Vergangenheit an. Es gab auch Beschädigungen an landwirtschaftlichen Geräten, aber inzwischen sind die Landwirte klüger geworden: „Wir wissen, wie wir unsere Maschinen verstecken können”, sagt Philémon Fumery mit einem Augenzwinkern. Wilde Motorradrennen sind jedoch nach wie vor Realität. „Wir hatten Motorradgruppen auf unseren Feldern“, erzählt Nathalie Fumery, „und es ist nicht einfach, ihnen unsere Missbilligung klarzumachen.“ Dem 34-jährige Philémon gelang es mit den Motorradfahrern ins Gespräch kommen und ihnen zu erklären, dass die Felder bewirtschaftet werden und dies viel Arbeit erfordert. Und – tatsächlich ist die Botschaft angekommen!
Denis Fumery spricht über das Thema Anerkennung: „Ich pendle häufig mit der RER (Regionalbahn) zwischen Cergy und Paris, um beispielsweise auf Landwirtschaftsmessen zu helfen. Ich bin immer wieder erstaunt über die Tüten mit Chips oder industriell hergestellten Süßigkeiten, welche die Jugendlichen von heute konsumieren: Was wissen sie über den Anbau und die lokal produzierten Lebensmittel?“
Wer weiß, ob unter diesen Kindern nicht auch zukünftige Landwirte sind?
Denis Fumery
Verein Rencontre Ville-Campagne
Denis Fumery ist kein Mensch, der untätig bleibt. Und so investiert er weiterhin Zeit, um die Landwirtschaft in der Region Île-de-France zu verteidigen, um nicht zu sagen zu rehabilitieren. Er ist einer der Mitbegründer von Rencontre Ville-Campagne, einem Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Öffentlichkeit zu informieren. Die Mitglieder arbeiten vor allem auf lokaler Ebene, beispielsweise in kleinen und großen Schulen oder erst kürzlich an der ESSEC (Höhere Schule für Wirtschaftswissenschaften und Handel).
„Wir fühlen uns nützlich, weil man uns zuhört. Wir haben auch eine Partnerschaft mit dem Branchenverband für Saatgut und Pflanzen, der es uns ermöglicht mit Schulkindern zu arbeiten.“ So hatte beispielsweise die Gemeinde Neuilly-Plaisance (Seine-Saint-Denis) zu Ostern 2019 einen Park in kleine Parzellen aufgeteilt. Das Team von Denis Fumery half dabei, dort Sommerweizen auszusäen, der anschließend von den Familien der Kindern betreut wurde. Am Ende konnten diese aus dem geernteten Weizen Brot backen. „Wer weiß, vielleicht haben wir unter diesen Kindern später Kandidaten für die Landwirtschaft. Einige habe ich bereits ausgebildet“, erklärt Denis.
Tausch von Stroh und Mist mit einem Reiterhof
Nur 15 Minuten von Sagy entfernt liegt der Reiterhof L’Epinette in der Gemeinde Boisement. Bereits 1988 erkannte Denis Fumery das Potenzial dieses Betriebs und setzte „auf das richtige Pferd“, denn L’Epinette wurde zu einem der florierendsten Reiterhöfe des Departements. 2001 wurde ein Vertrag zwischen den beiden Unternehmen unterzeichnet. Jedes Jahr zur Erntezeit liefert die EARL Fumery etwa 2000 Rundballen, also 400 Tonnen Stroh. „Ein Lohnunternehmer presst die Ballen in der Regel 24 bis 48 Stunden nach der Ernte ”, erklärt Denis Fumery. „Wenn alle Ballen gepresst sind, schichten wir sie auf dem Gelände des Reiterhofs zu einem großen Haufen auf.”
Philémon fährt alle zwei bis drei Tage zum Reiterhof, um die Rundballen mit einem Teleskoplader zu transportieren. Darüber hinaus sieht der Vertrag mit Epinette vor, dass die Familie Fumery den Pferdemist erhält. „Es handelt sich dabei um einen sehr strohhaltigen Abfall, der einige Monate lang reifen und kompostiert werden muss, bevor er ausgebracht werden kann.“ Auch wenn sich der finanzielle Aspekt in den Augen von Philémon in Grenzen hält, bleibt er optimistisch: „Nicht weniger als 60 ha werden jedes Jahr mit diesem hervorragenden organischen Dünger versorgt“, schätzt er.
Die Website des Vereins Rencontre Ville-Campagne kann unter www.agriculteursidf.org aufgerufen werden.


